Ölleck: Bohrungen bis in 250 Meter Tiefe

Mit neuem Gerät

Die Suche im Amtsvenn geht weiter: Mit neuem Gerät wird jetzt bis in eine Tiefe von 250 Metern nach der Ursache für den Ölaustritt geforscht. Auch das Grundwasser soll geschützt werden.

GRAES/EPE

, 28.04.2014, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Neue Drucktests sind erst in der kommenden Woche geplant.

Neue Drucktests sind erst in der kommenden Woche geplant.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So suchen die Experten mit Tiefenbohrungen nach dem Leck

Im Amtsvenn zwischen Graes und Epe geht die Suche nach dem Leck weiter. Am Montag wurden erstmals Tiefenbohrungen eingesetzt, um der Ursache auf den Grund zu gehen.
28.04.2014
/
Ölfundstelle Hof Sundermann: Dort darf nur in Schutzanzügen gearbeitet werden.© Foto: Stefan Grothues
Arbeiter bereiten das Bohrfeld vor.© Foto: Stefan Grothues
Dr. Hans-Georg Jackelen© Foto: Stefan Grothues
Die Ölfundstelle erregt das Interesse der Medien.© Foto: Stefan Grothues
Bohrleiter Fred Pahlmann fördert die erste Probe zu Tage.© Foto: Stefan Grothues
Fred Pahlmann prüft die Zusammensetzung der Bohrproben mit Augen, Fingern und Nase, bevor weitere Analysen folgen.© Foto: Stefan Grothues
Bohrleiter Fred Pahlmann© Foto: Stefan Grothues
Schlagworte

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So suchen die Experten mit Tiefenbohrungen nach dem Leck

Im Amtsvenn zwischen Graes und Epe geht die Suche nach dem Leck weiter. Am Montag wurden erstmals Tiefenbohrungen eingesetzt, um der Ursache auf den Grund zu gehen.
28.04.2014
/
Ölfundstelle Hof Sundermann: Dort darf nur in Schutzanzügen gearbeitet werden.© Foto: Stefan Grothues
Arbeiter bereiten das Bohrfeld vor.© Foto: Stefan Grothues
Dr. Hans-Georg Jackelen© Foto: Stefan Grothues
Die Ölfundstelle erregt das Interesse der Medien.© Foto: Stefan Grothues
Bohrleiter Fred Pahlmann fördert die erste Probe zu Tage.© Foto: Stefan Grothues
Fred Pahlmann prüft die Zusammensetzung der Bohrproben mit Augen, Fingern und Nase, bevor weitere Analysen folgen.© Foto: Stefan Grothues
Bohrleiter Fred Pahlmann© Foto: Stefan Grothues
Schlagworte

Der Bohrer, die Spirale voller Erde, wird aus dem Loch gezogen. Fred Pahlmann zerreibt eine Handvoll Erde zwischen den Fingern, schaut genau hin, riecht. Kein Öl. Dann wird ein voller Eimer auf einer Folie ausgeschüttet. Die erste Probe liegt zur weiteren Untersuchung bereit.

Die Prozedur wiederholt sich Meter für Meter. Bis zu 250 Mal in den nächsten Tagen. Beim dritten Mal ist die Spirale nicht mehr mit Humus und gelbem Sand gefüllt, sondern mit grauem, klebrigem Ton. Nach zehn Metern wird ein kleinerer Bohrer verwendet. Das Bohrloch misst jetzt nur noch 45 Zentimeter im Durchmesser. "Bis zu 40 Meter in die Tiefe schafft der Bohrer an einem Tag", sagt Dr. Hans-Georg Jackelen. Der unabhängige Gutachter koordiniert im Auftrag der Bergbehörde sämtliche Maßnahmen der Ursachenforschung und Schadensbegrenzung. Auch am Tag 17 der Ölaustritte ist das Leck noch nicht gefunden.

„Wir schließen nichts kategorisch aus“, sagt der Experte. „Aber es gibt gewisse Wahrscheinlichkeiten.“ Und nach allen vorangegangenen Untersuchungen hält er einen Pipelineschaden für weniger wahrscheinlich. Ebenfalls sehr unwahrscheinlich sei, dass die Salzkaverne S5 in mehr als 1000 Metern Tiefe Risse aufweise, sagen die Geologen. In der Kaverne hatte es im Februar einen plötzlichen Druckabfall gegeben. Vor gut zwei Wochen war auf einer Weide Rohöl ausgetreten. Später wurden zwei weitere Öllachen entdeckt. Jetzt geraten die senkrechte Bohrung und die dortigen Zuleitungen in den Fokus, über die die Kaverne mit Rohöl und Solelösung befüllt wird. Darum führt die gestern begonnene Bohrung in 80 Metern Entfernung zur Kaverne S5 zunächst einmal nur bis zu 250 Meter tief ins Erdreich.

Aus konstruktiven Gründen und wegen der geologischen Schichtungen hält der Experte den Bereich in 200 bis 250 Metern Tiefe für den „spannendsten“. Jackelen: „Da kann uns die Tiefenbohrung bis zum Ende dieser Woche wichtige Aufschlüsse geben.“ Ein Schaden am Bohrloch könne repariert werden. Und wenn dort keiner gefunden wird? Dann müsse gegebenenfalls noch tiefer gebohrt werden. Und wenn doch die unterirdische Salzhöhle undicht ist? Darüber will ich nicht spekulieren“, sagt Jackelen.

„Das ist eine Riesenaufgabe. Daher dauert es so lange. Wir suchen zwar nicht mehr die Nadel im Heuhaufen, weil wir inzwischen konkrete Ausbreitungslinien verfolgen können. Wir werden täglich schlauer“, so Jackelen. Und er verspricht: „Wir halten keine Erkenntnisse zurück. Wir gehen sehr offen mit allen Ergebnissen um.“ Wo kommt das Öl her? Die Ursachenforschung hat Priorität. Genauso wichtig aber sind auch jetzt schon Schadensbegrenzung und Sanierung, sagt Koordinator Dr. Hans-Peter Jackelen. Auch wenn sich der Ölfluss von 60 Litern pro Stunde in der vergangenen Woche auf jetzt 20 Liter pro Stunde reduziert habe, drohe eine Ausbreitung über den Grundwasserfluss. Dies soll nun eine unterirdische Barriere verhindern.

Die Vorbereitungen dafür haben am Montag begonnen. Dazu wird eine zwei Meter breite, drei bis sechs Meter tiefe und 1500 Meter lange Grube in Hufeisenform um die Ölfundstellen gegraben. Sie wird anschließend mit einer undurchlässigen Kunststoffdichtung und Ton verfüllt. Da die Barriere bis zur natürlichen und wasserundurchlässigen Tonschicht reiche, sei das ein wirksames Verfahren, das den Grundwasserabfluss nach Norden stoppen könne, so Jackelen. Natürlich müsse das gestaute und ölverseuchte Grundwasser aufgefangen und behandelt werden.

Seit zwei Wochen bereits wird ölverseuchtes Erdreich von den drei Ölfundstellen abgefahren. Aber selbst wenn bald die Ursache für die Ölaustritte gefunden sein sollte, ist mit einer schnellen Sanierung nicht zu rechnen. Jackelen: „Wir sprechen nicht von Wochen oder Monaten. Wir müssen von Jahren sprechen.“ Er könne auch nicht ausschließen, dass ausgetretenes Öl in größeren Tiefen im Amtsvenn belassen werde müsse – „allerdings abgeschlossen, gesichert und ständig kontrolliert“.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt