Ottensteiner haben wohl noch bis Oktober kein Telefon

Warten auf Freizeichen

Ganz Ottenstein ist mit Glasfaser verkabelt. Ganz Ottenstein? Nein. Die Bewohner von drei Häusern an der Textilstraße warten seit Juni auf den Anschluss an die Datenautobahn – oder einfach nur, dass irgendwann mal das Telefon klingelt. So wie es aussieht, wird das wohl noch einige Zeit dauern. Eine Fehlersuche.

OTTENSTEIN

, 25.08.2016, 19:16 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Anwohner der Häuser an der Textilstraße sind wütend – und ratlos. Seit Ende Juni leben sie in einem Mehrfamilienhaus und zwei Doppelhaushälften. Bisher ohne Telefon.

Die Anwohner der Häuser an der Textilstraße sind wütend – und ratlos. Seit Ende Juni leben sie in einem Mehrfamilienhaus und zwei Doppelhaushälften. Bisher ohne Telefon.

Heinrich Gerwing reicht es. „Ich habe Post gekriegt. Am 11. Oktober wollen die angeblich die Leitung anschließen, aber es ist noch nichts gewiss“, sagt der 92-Jährige. „Die“, das ist die Telekom. Der Großkonzern lässt seine Kunden seit Anfang Juni warten. Dabei könnte alles so einfach sein. „Nur die Buchse dran und freischalten. Das ist eine Arbeit von zehn Minuten“, sagt Ronny Brose. Er wohnt in einer Doppelhaushälfte hinter dem Mehrfamilienhaus und hat das gleiche Problem: Auch seine Telefonleitung ist noch nicht gelegt. „Meine Frau arbeitet freitags normalerweise von Zuhause aus und das geht jetzt nicht. Sie fährt jetzt immer für einen halben Tag bis Kamp Lintfort“, sagt er wütend.

Auch Nils Barth, der mit Freundin Lena Hisker im Dachgeschoss lebt, findet das Verhalten der Telekom unmöglich. Am schlimmsten treffe es die älteren Anwohner im Neun-Parteien-Mietshaus. Christina Gerwing wohnt in der anderen Doppelhaushälfte auf dem Grundstück. Sie hat für ihren Großvater Heinrich Gerwing extra eine Wohnung gesucht, die nebenan liegt. Sie macht sich Sorgen. Der alte Mann bräuchte für den Ernstfall eigentlich einen Notrufknopf, der mit einem Pflegedienst verbunden ist. Aber ohne Telefonverbindung geht nichts.

Christina Gerwing vermutet eine riesige Schlamperei seitens der Telekom. „Wir haben unsere Lagepläne dreimal schicken müssen, weil die angeblich nicht angekommen sind“, sagt sie. Ihre Anrufe im Kundencenter brachten keine Klarheit. „Die kommen erst, wenn auch die letzte Wohnung vermietet ist“, vermutet die junge Frau.

Telekom streitet ab

Das will die Telekom so nicht auf sich sitzen lassen. „Wir sind immer kulant!“, sagt Georg von Wagner, Pressesprecher der Deutschen Telekom, als er von dem Fall hört und nach einer kulanten Lösung für die Ottensteiner gefragt wird. Nach dem ersten recht barschen Satz beginnt er, zu erklären: Das Problem liege nicht bei der Telekom, sondern beim Bauherrn. „Wenn uns die Pläne nicht vorliegen, können wir nicht arbeiten“, sagt er.

Für alle weiteren Fragen verweist er dann wieder knapp an den Blog, den die Telekom auf ihrer Internetseite für Bauherren bereit hält: Dort wird darauf verwiesen, dass ein Hausanschluss sechs Monate vor dem Einzug angemeldet werden soll, damit er pünktlich genutzt werden kann. So ein Anschluss benötige eben schon eine gewisse Arbeit. „Pro Haus rechnet man ungefähr eine Stunde. Da kommt schnell einiges zusammen.

Und es gibt eben auch nicht unendlich viele Handwerker, die im Münsterland für uns im Einsatz sind“, so von Wagner weiter. Um den Anschluss zu beschleunigen, rät er dazu, die drei Häuser zu einem Anschlusstermin zusammenzufassen. Ansonsten gebe es ja für den Übergang Mobilfunklösungen, die die Bewohner buchen könnten. Natürlich zu den normalen Konditionen. Denn einen Fehler habe die Telekom ja bei aller Kulanz nicht gemacht.

Anschluss vereinbart

Albert Hüsing, Bauherr der Häuser aus Ottenstein, sieht ein, dass es irgendwo diesen Fehler gegeben haben muss. „Wir haben im Februar zusammen mit dem Anschluss der Stadtwerke auch bei der Telekom den Anschluss vereinbart“, sagt er. Für ihn sei die Sache dann erledigt gewesen. Dann müssen jedoch E-Mails von der Telekom mit der Bitte um einen Lageplan des Gebäudes losgeschickt worden sein. „Die habe ich nie bekommen. Die Telekom hat später eingeräumt, dass sie wohl eine falsche Adresse benutzt haben“, sagt er.

Das – so erklärt es zumindest der Bauherr – sei das Ergebnis von zahllosen Telefonaten mit der Telekom gewesen. Das Problem: „Man bekommt dort nie jemanden ans Telefon, der etwas entscheiden kann. Und man bekommt auch nie den gleichen Ansprechpartner“, so Hüsing weiter. Am Ende habe es eine Zusicherung gegeben, dass die Häuser zum 22. Juni angeschlossen sein sollten. Das ist nun schon wieder zwei Monate her.

An der Textilstraße herrscht weiter Funkstille. „Es ist schwierig. Ich weiß auch nicht mehr, wen ich noch ansprechen soll, um das zu beschleunigen“, sagt Hüsing. Die Telekom weiß einen schnellen und einfachen Rat: „Es gibt da eine Hotline...“

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