Ottensteiner Wotteln und Alstätter Sandhasen wachsen zusammen

rnSerie Gemeindefusion

Der Pfingstmontag 2013 war die Geburtsstunde der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt Alstätte-Ottenstein. Was hat sich seitdem verändert? Heute starten wir mit Teil eins von fünf der neuen Serie.

Ahaus

, 24.03.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es begann mit einem Trauerfall: Als am 20. Januar 2010 Pfarrer Anton Buckebrede verstarb, war das für die Mitglieder der Pfarrgemeinde St. Georg Ottenstein ein Schock. Der beliebte Seelsorger hinterließ eine große Lücke in der Führungsspitze der Pfarrei.

Buckebredes Tod mag nicht der Auslöser gewesen sein, aber in den Augen vieler Gläubiger sicherlich ein Baustein in einer Entwicklung, die schon länger abzusehen war. Der damalige Alstätter Pfarrer und Dechant Thomas Linsen übernahm für die erste Zeit kommissarisch die Ottensteiner Pfarrei als Seelsorger. Bange blickten die Menschen Richtung Münster.

Hoffen auf den Aggregatzustand

Viele hofften, der Bischof und die Diözese würden einen neuen Pfarrer nach Ottenstein entsenden, um den Aggregatzustand wieder herzustellen, der seit Jahrhunderten Standard war. Denn der Stolz auf die eigenständige Pfarrgemeinde saß bei den Ottensteiner Bürgern tief. Und doch sorgten sich viele, denn sie hatten – quasi vor der eigenen Haustür – bereits 2006 das scheinbare Zusammenschrumpfen mehrerer Pfarrgemeinden zu einer einzigen miterlebt.

Die beiden Ahauser Pfarrgemeinden St. Josef und St. Mariä Himmelfahrt waren mit St. Josef Graes bei der Fusion am 1. Juli 2006 zu einer verschmolzen. Das gleiche Bild hatte sich in Vreden und seinen Kirchdörfern gut ein Jahr später geboten.

Wotteln und Sandhasen

„Fusion“ lautete das Zauberwort, welches das Bistum als Lösungsansatz dem Priestermangel und schwindenden Gläubigenzahlen entgegensetzte. Alstätte und Ottenstein haben ein historisch gewachsenes, enges Verhältnis zueinander. Was lag also näher, als die Ottensteiner „Wotteln“ und die Alstätter „Sandhasen“ auf spirituelle Art erneut zu vereinen?

Am 20. Juni 2010 wurde Paul Ehlker als neuer Pfarrverwalter in die Pfarrei St. Georg Ottenstein eingeführt. In der Münsterland Zeitung vom 9. Juni 2010 hieß es dazu im Vorfeld: „Und warum wird Pfarrer Ehlker nicht Pfarrer, sondern nur Pfarrverwalter in Ottenstein? Darauf konnte das Bistum gestern auf Anfrage noch keine Antwort geben. In Gemeindekreisen wird vermutet, dass das Vorbote einer großen Gemeindefusion in Ahaus sein könnte.

Fusionszug nimmt Fahrt auf

Zu diesem Zeitpunkt hatte der ‚kleine‘ Fusionszug zwischen St. Georg und St. Mariä Himmelfahrt bereits Fahrt aufgenommen. Der streitbare Pfarrverwalter Ehlker verließ jedoch 2011 nach knapp einem Jahr im Amt Ottenstein wieder. Neuer Pfarrverwalter wurde Matthias Wiemeler, der 2010 aus Vreden nach Alstätte gewechselt war.

Im Oktober 2011 bezog Vicarius Cooperator Johannes Volmer das Ottensteiner Pfarrhaus und komplettierte das Seelsorgeteam, gemeinsam mit Pastor Reinhard Hemsing.

Verknüpfungspunkt Karpaten

Im Ottensteiner Rosenmontagszug 2012 nahmen sich einige Jecken humorvoll des Themas Fusion an. „Kirche hin oder her, bei Karpaten tanzt der Bär“ war auf dem Wagen der als Kaninchenkarotten verkleideten Narren zu lesen. Auch abseits des Karnevals stellten sich die Gläubigen inzwischen auf eine „schlankere“ Kirche ein.

Ein Fusionsausschuss wurde gebildet, und mit etwas Hilfe aus der Diözese Münster planten Alstätter und Ottensteiner ihre gemeinsame Zukunft. Die Diskussionen seien stets „lebhaft, kritisch und um Differenzen nicht verlegen.“ Allerdings gehe es auch sehr fair zu, sagte Wiemeler bei der Pfarrversammlung 2012, „Mit einer so guten Ausgangssituation, wie sie bisher vorbereitet wurde, hatte man in Münster nicht gerechnet.“

Ein Name für die Doppelpfarrgemeinde

Der Name der neuen Pfarrei bot selbst kurz vor dem großen Tag noch Diskussionsstoff. Das Bistum hatte den Ottensteinern und Alstättern die Möglichkeit eingeräumt, selbst Vorschläge zu machen. Im November 2012 hatten Pfarrer Wiemeler und der Fusionsausschuss ihre Ideen zu Papier gebracht und eingereicht. Der Doppelname „St. Mariä Himmelfahrt-St. Georg“ und auch „St. Katharina“, standen im Raum.

Als das Bistum schließlich den Namen „St. Mariä Himmelfahrt Alstätte und Ottenstein“ vorschlug, fühlten sich viele der Gläubigen in Ottenstein übergangen. „Der Name einer Pfarrei ist der Identifikationspunkt schlechthin. Dass der Name dieser Pfarrei nach einer Fusion mit Alstätte nicht mehr St. Georg lauten würde, war uns allen klar. Aber viele Ottensteiner hätten sich mit einem gänzlich anderen Namen wesentlich besser identifizieren können“, heißt es in einem Leserbrief in der Münsterland Zeitung vom 3. April 2013.

Weibischof verliest Urkunde

Der 20. Mai 2013 nahte schließlich und in der Alstätter Kirche St. Mariä Himmelfahrt wurde mit dem feierlichen Fusionsgottesdienst die neue Pfarrgemeinde aus der Taufe gehoben. Weihbischof Dr. Christoph Hegge verlas damals die Fusionsurkunde, im Beisein von Alstätter und Ottensteiner Gläubigen.

Die beiden Pfarrgemeinden in Ottenstein und Alstätte hörten mit diesem Tag auf zu existieren. Nach dem Hochamt feierte die frisch vereinte Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt Alstätte und Ottenstein ihr allererstes Gemeindefest.

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