Persönliche Schatzkiste der Erinnerungen geöffnet

Projekt für Behinderte

„Mit dem Sterben leben“, lautete der Titel eines Projekts im Bischof-Tenhumberg-Haus. Vier geistig behinderte Bewohner des Caritas-Wohnheims näherten sich an sechs Kurstagen dem Thema. So ernst, wie es das Thema vermuten lässt, ging es aber bei den Treffen nicht zu.

AHAUS

, 05.03.2014, 17:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Persönliche Schatzkiste der Erinnerungen geöffnet

Teilnehmerin Margret Höseler (v. l.), Kursleiterin Dr. Jutta Hollander, Teilnehmer Helmut Nabers, Kursleiter Klemens Telaar, Betreuer Dirk Elsing, Teilnehmerin Angelika Lottmer, Betreuerin Silvia Kilbinger, Teilnehmer Ulrich Fehlker und Hausleitung Elisabeth Bagus bei der Ausgabe der Zertifikate.

450 Fotos liegen auf einem Tisch im Bischof-Tenhumberg-Haus. Ulrich Fehlker schaut sich die Motive genau an. Ein Mann vor einem Zug, eine Katze, ein Hotel sind auf ihnen zu sehen – Alltagsszenen, mit deren Hilfe die vier Kursteilnehmer, alle mit geistiger Behinderung, ihre Wünsche für die Zukunft beschreiben sollen. Die Teilnehmer reden in der Gruppe über ihr weiteres Leben, welche Wünsche und Ziele sie haben, und was ihnen bisher gut und schlecht gefallen hat. Die Projektleiter Dr. Jutta Hollander und Klemens Telaar haben sechs Projekttage ausgearbeitet. „Zunächst sollten sich die Teilnehmer selbst vorstellen. Wer sie sind, wie sie leben, was sie gut, aber auch was sie nicht so gut können“, erklärt Jutta Hollander. Danach erzählten sie ihre Lebensgeschichte und widmeten sich dem Altern. „Wir haben uns die Frage gestellt, wo Menschen leben, die alt werden und wo sie gepflegt werden. Dazu haben wir das Altenheim Heinrich-Albertz-Haus besucht“, sagt Klemens Telaar.

Mit Spezialbrillen und an den Gelenken angehängten Gewichten simulierten die Teilnehmer gesundheitliche Probleme, die beim Altern auftreten können. „Als ich die Brille auf hatte, fühlte ich mich benebelt“, gibt der geistig behinderte Teilnehmer Helmut Nabers einen Einblick in seine Erfahrungen. Nach jedem Projekttag sprechen die Betreuer mit den Bewohnern über die Stunde. Zurück zu den 450 Fotos: Ulrich Fehlker hat sich ein Bild mit ganz vielen Torten auf einem Tisch ausgesucht. „Willst du die in Zukunft alle essen?“, will Klemens Telaar wissen. „Ja klar, aber nach und nach“, antwortet Fehlker und lacht – die Stimmung ist gut. Am Ende der Projektreihe bekommen sowohl die Teilnehmer als auch ihre Betreuer ein Zertifikat. 

Zudem haben die Menschen mit Behinderung in einer Schatzkiste persönliche Dinge gesammelt. Fotos, Steine und Initialen – der Inhalt der Kisten ist vielfältig und kann noch erweitert werden. „Ein Rückgriff auf diese Sammlung von Erinnerungen und Erlebnissen stärkt die Menschen am Lebensende, kann Gesprächsanlässe, Kontaktmöglichkeiten eröffnen und so die Palliative Praxis unterstützen“, verdeutlicht Jutta Hollander.

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