Ob per Aufsteller, Schild im Schaufenster, klassischer Stellenanzeige oder über die Sozialen Medien: auch in Ahaus suchen Einzelhandelsgeschäfte Personal. © Elena Homölle
Wirtschaft

Personalmangel in Ahaus: „Die Situation ist angespannt, aber nicht hoffnungslos“

Es ist ein generelles Problem: Der Einzelhandelsbranche fehlt Personal. Und dieses zu finden, erweist sich als schwierig. Das bekommen auch viele Einzelhändler in Ahaus zu spüren.

Beim Schlendern durch die Ahauser Innenstadt fallen zahlreiche Aushänge in den Schaufenstern der Geschäfte ins Auge. „Verkäufer/innen gesucht“ oder „Wir suchen Dich!“, ist auf den Plakaten zu lesen. Viele Einzelhändler suchen nach Personal – oft vergeblich. Wir haben bei Unternehmen in Ahaus nachgefragt.

Gesucht wird auf allen Ebenen. „Wir suchen auf jeden Fall Fachpersonal, aber auch Quereinsteiger, Teilzeitkräfte, Schüler und Werkstudenten“, sagt Julian Feller, Marketing-Leiter der Bäckerei-Kette Essmann.

Auch Philipp Terhaar, Geschäftsführer von Schuhmoden Held, hat sich vor Kurzem auf Personalsuche begeben. Er hatte dabei Glück, wie er selbst sagt: „Wir sind schnell fündig geworden.“ Nach ein, zwei Wochen hatte er bereits die passende Mitarbeiterin gefunden. Das scheint aber wirklich die Ausnahme zu sein.

Laut Julian Feller sei der Personalmangel stark zu spüren. „Die Verkäuferinnen geben ihr Bestes, damit die Kunden das nicht merken“, lobt er seine Angestellten. Andere Bäckereien hätten es zum Teil noch schwerer, sie müssten Filialen schließen.

Das Kaufhaus Berken befindet sich ebenfalls auf Personalsuche. Aktuell wird nach zwei Vollzeitkräften gesucht. Es seien aber auch schon einige Stellen besetzt worden, sagt Geschäftsleiter Günther Engling im Gespräch mit der Redaktion.

Warum es so schwierig ist, Personal zu finden

Die Ursachen für den Personalmangel sind vielfältig. Bezahlung und Arbeitszeiten sind oft genannte Gründe. Aber auch der Nachwuchs spielt laut Petra König, Pressesprecherin Münsterland der Agentur für Arbeit, eine große Rolle. „Das Problem beginnt beim Nachwuchs und setzt sich fort.“ Durch den demografischen Wandel gebe es generell weniger Nachwuchs und die Anzahl der Schulentlassenen ließe nach. Resultat daraus seien weniger Bewerber.

Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider, die die Bundesagentur für Arbeit in einer Statistik zum Ausbildungsstellenmarkt im Kreis Borken (Stand: August 2021) veröffentlicht hat. Im Jahr 2020/21 gab es insgesamt 1762 Bewerber. Das sind ganze 18,1 Prozent weniger, als noch im Jahr zuvor mit über 2000 Bewerbern. Der Personalbedarf im Einzelhandel sinkt allerdings nicht.

Es gibt viele Stellen, aber teilweise nicht genügend Bewerber. Im Bereich „Verkauf von Lebensmitteln“ gibt es beispielsweise im Kreis Borken 98 Ausbildungsstellen für das Jahr 2021 – Bewerber gibt es aber nur zehn.

Der „Verkauf von Bekleidung, Elektro, KFZ und Hartwaren“ kommt dagegen besser weg. Auf 24 Stellen gibt es 37 Bewerber. Es blieben nur sechs unbesetzt. „Lebensmittel sind im Vergleich zu Mode eher unbeliebt“, sagt Petra König zu den oben genannten Zahlen. Das habe mit dem Interesse der Jugendlichen zu tun.

Corona verstärkt den Personalmangel

Aber auch die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Personalsituation im Einzelhandel. Corona verstärke den Personalmangel, sagt Günther Engling. Durch die damit verbundene Kurzarbeit sind „viele in systemrelevante Beruf gegangen“, so der Berken-Geschäftsführer. Diese Leute kommen jedoch zum Teil bereits zurück, bei Berken seien es „bisher zwei oder drei Mitarbeiter“.

Es fehlen, so erzählt es Julian Feller, aber auch Aushilfen in Form von Werkstudenten und Schülern. Das durch Corona bedingte „Home-Schooling“ habe dazu geführt, dass die Leute zu Hause bleiben. Studentenhochburgen sind als Folge nicht so stark besucht wie üblich. Die jungen Leute benötigten daher nicht zwingend einen Job, um beispielsweise eine Wohnung zu finanzieren.

Christoph Betting, kaufmännischer Leiter bei Bettings Mühle, sagt, vor allem sei es schwierig, Auszubildende zu finden. „Jugendliche haben die Qual der Wahl“, sie könnten sich aussuchen, wo sie arbeiten. Samstags oder beim Bäcker beispielsweise früh morgens zu arbeiten, sei für viele Jugendliche ein Kriterium gegen den Einzelhandel.

Auf welchen Wegen Unternehmen an Personal kommen

„Man muss kreativ werden“, sagt Philipp Terhaar im Hinblick auf die Personalbeschaffung. Wichtig ist offenbar, verschiedene Medien zu nutzen und die Wege einfach zu gestalten. Aber auch die Plakate in den Schaufenstern sorgten für viele Reaktionen.

Philipp Terhaar (33), Geschäftsführer von Schuhmoden Held, ist der neue Vorsitzende des Gewerbevereins Ahaus. Er will die Arbeit des Vereins fortzuführen. Davor gehe es aber erst einmal darum, die Folgen der Corona-Pandemie zu überwinden.
Philipp Terhaar (33), Geschäftsführer von Schuhmoden Held, ist der neue Vorsitzende des Gewerbevereins Ahaus. Er will die Arbeit des Vereins fortzuführen. Davor gehe es aber erst einmal darum, die Folgen der Corona-Pandemie zu überwinden. © Stephan Rape © Stephan Rape

Der Einstieg solle auf jedem Weg so einfach wie möglich sein. Heißt laut dem Geschäftsführer von Schuhmoden Held: Es ist kein großes Anschreiben nötig, man kann sich per WhatsApp auf die Stellenanzeige melden, es folgt ein kurzes Telefonat.

Petra König spricht von zunehmendem „Employer Branding“. Bedeutet, der Arbeitgeber gestaltet sich für den Arbeitnehmer möglichst attraktiv. Auf Dinge wie Jobtickets, ein gutes Team, Wertschätzung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden Jugendliche Wert legen.

Auch Karrierechancen seien ein wichtiger Aspekt und das von Anfang an. Damit könne man auch „Jugendliche ansprechen, die einen höheren Abschluss haben“.

Viele Geschäfte sind auch offen für Quereinsteiger. Auch so ist es möglich, an gutes Personal zu gelangen. „Es muss menschlich passen“, rückt Christoph Betting einen anderen Aspekt in den Vordergrund. Im Verkauf stehe die Person im Mittelpunkt und „das andere kann man lernen“. Wichtig sei es, „dass die Person froh und aufgeschlossen ist“.

Wie es in Zukunft aussieht

Für Günther Engling ist der eigene Nachwuchs bedeutsam. In Zukunft müsse man „auf eigenen Nachwuchs setzten“ und „gezielt darauf setzen, selber auszubilden“. Berken bilde bereits Nachwuchs aus, in Ahaus gibt es aktuell vier Auszubildende und in Stadtlohn einen.

Zudem gibt es auf die verschiedenen Stellenanzeigen bei Facebook und auch auf die Aushänge in den Geschäften viele Bewerbungen und Reaktionen. Hoffnung für die Zukunft scheint es also zu geben. Das sieht auch Julian Feller so: „Die Situation ist angespannt, aber nicht hoffnungslos“.

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