Praxis soll Schule machen

Ministerbesuch im BOZ

AHAUS/KREIS. In der Metallwerkstatt des Berufsorientierungszentrums lebt der ohnehin temperamentvolle Guntram Schneider so richtig auf: Da blitzt in den Augen des Ministers der alte Werkzeugmacherstolz auf, als er den Vorschlaghammer schwingt. Und er erinnert er sich daran, wie er vor 45 Jahren seine Lehre bei Thyssen antrat.

von von Stefan Grothues

, 18.09.2011, 18:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gelernt ist gelernt: Arbeitsminister Guntram Schneider, gelernter Werkzeugmacher, schwingt den Vorschlaghammer im Berufsorientierungszentrum.

Gelernt ist gelernt: Arbeitsminister Guntram Schneider, gelernter Werkzeugmacher, schwingt den Vorschlaghammer im Berufsorientierungszentrum.

genau zu diesem Thema am Fachforum „Berufsorientierung macht Schule – Fachkräftesicherung im ländlichen Raum“ teilgenommen. Anlass war die Fertigstellung des Berufsorientierungszentrums der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS) an der Fürstenkämpe. Schneider skizzierte in seinem Vortrag die Probleme: Auf der einen Seite drohe die wirtschaftliche Entwicklung durch Fachkräftemangel ausgebremst zu werden. Auf der anderen Seite werde das Potenzial von Frauen, Migranten und älteren Menschen nicht ausreichend genutzt. Verschärfend käme zweierlei hinzu: Zuviele Jugendliche drehten überflüssige Runden im Übergangsbereich der Berufskollegs („Das kostet uns 600 Millionen Euro. Wir müssen von diesen Kosten runterkommen!“). Darüber hinaus seien zu viele Jugendliche auf einige wenige Berufe festgelegt. Beim Fachforum zog der Minister mit den anderen Podiumsteilnehmern an einem Strang: Schule und Wirtschaft müssten in Sachen Berufsorientierung noch enger zusammenarbeiten, Praktika in den Firmen und Firmenbesuche in den Schulen einen noch breiteren Raum einnehmen – auch in den Gymnasien. Dabei spiele auch das BOZ zum Beispiel mit den Kompetenzchecks des von verschiedenen Seiten gelobten Programms „Startklar!“ eine wichtige Rolle. Christina, Hauptschülerin aus Vreden, erklärte dem Moderator Jürgen Zurheide, wie ihr dieses Programm und ein Praktikum geholfen hätten, ihr Wunschberuf Mechatroniker zu finden. In der Diskussion herrschte aber nicht nur eitel Sonnenschein. BOZ-Leiter Klaus Dittmar beklagte die zunehmende Bürokratisierung und Kostendruck auf die Bildungsträger durch die Ausschreibungen: „Qualität gibt es nicht beim billigen Jakob“. Schneider betonte, er wisse um die Qualität der Arbeit der BBS in Ahaus: „Das Geld ist hier gut angelegt. Wir werden die BBS auch weiterhin fördern.“ Am Nachmittag nutzten viele Ahauser den Tag der offenen Tür im Berufsorientierungszentrum, das mit einem bunten Rahmenprogramm und kulinarischen Angeboten in seine Werkstätten einlud.

Das Berufsorientierungszentrum (BOZ) ist als ist als Teil Berufsbildungsstätte seit über 30 Jahren in der Jugendberufshilfe aktiv. Es erleichtert jungen Menschen die berufliche Orientierung und ebnet den Einstieg in den Betrieb. 2001 tat der damalige Arbeitsminister Harald Schartau den ersten Spatenstich für das neue Gebäude an der Fürstenkämpe. 2010 siedelten die letzten Werkstätten aus der alten Zündholzfabrik ins neue Domizil über. 5,2 Millionen Euro wurden dort investiert. Die Anschubfinanzierung kam vom Land NRW. Der Löwenanteil aber, so betonte Geschäftsführer Bernhard Könning, sei mit 4,4 Millionen Euro von der Region selbst aufgebracht worden, vom Kreis Borken und von der Stadt Ahaus.

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