Priester: Den Zölibat freistellen

Pfarrer Stefan Jürgens

STADTLOHN Für eine Lockerung des Zölibats hat sich Pfarrer Stefan Jürgens ausgesprochen. Die Kirche solle es den Priestern frei stellen, im Zölibat zu leben. So könne die Ehelosigkeit der Priester zum Segen und nicht zum Problem für die Kirche werden, begründete er im Rahmen des jüngsten Glaubensgesprächs.

von Von Susanne Dirking

, 01.03.2010, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pastor Stefan Jürgens sprach über die Ehelosigkeit der Priester.

Pastor Stefan Jürgens sprach über die Ehelosigkeit der Priester.

Manche Begründungen, so der Referent, seien theologisch nicht mehr haltbar, zum Beispiel die archaisch anmutende angebliche Unvereinbarkeit von Sexualität und Kult oder auch die pragmatische Sichtweise vom Zölibat als Ermöglichung eines ungeteilten Dienstes an der Gemeinde. Viel eher müsse man den Zölibat geistlich begründen, zum Beispiel als besonderes Merkmal der Jesusnachfolge oder als Zeichen für die Liebe Gottes, die über jedes menschliche Maß hinausgehe. Darüber hinaus sei der Zölibat ein prophetischer Protest gegen die zunehmende Sexualisierung der Gesellschaft, durch die der Mensch zur bloßen Ware verkomme.

„Die Ehelosigkeit der Priester kann ein großes Geschenk und ein wirksames Zeichen sein, wenn sie authentisch gelebt wird“, meinte Pfarrer Jürgens und sprach sich deshalb dafür aus, den Zölibat freizustellen. Denn dann würde die Ehelosigkeit der Priester zum Segen und nicht zum Problem für die Kirche. „Wenn die Gemeinden nicht nur funktionierende Priester sehen wollen, sondern deren Lebensform mehr von Christus her begreifen, kann der Zölibat für Kirche und Welt neue Ausstrahlung bekommen.“ Die derzeitige Debatte um sexuellen Missbrauch in der Kirche dürfe man nicht unmittelbar in Zusammenhang mit dem priesterlichen Zölibat sehen, betonte er. „Das Problem ist emotionale Unreife und mangelnde Empathie“, so Pfarrer Jürgens, „und nicht der Zölibat an sich“. Gleichwohl müsse die Kirche mit dem Thema offensiver umgehen, und zwar sowohl in ihrer Verantwortung gegenüber Opfern und Tätern wie auch in der Priesterausbildung.

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