Prügelei bleibt ohne Folgen

Geldstrafe verhängt

Genauer Hergang nicht zu klären: Mit der Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage von je 300 Euro an die Staatskasse endete am Montagvormittag ein Prozess vor dem Amtsgericht Ahaus, in dem sich zwei Männer aus Ahaus wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu verantworten hatten.

AHAUS

, 06.06.2016 / Lesedauer: 3 min

Nach der Beweisaufnahme und der Anhörung von mehreren Zeugen waren Staatsanwaltschaft, Verteidigung und die Richterin zu der Überzeugung gelangt, dass der genaue Hergang der Tat nicht aufgeklärt werden konnte.

In der Anklageschrift hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft den beiden 62 und 22 Jahre alten Männern vorgeworfen, Ende Oktober des Vorjahrs gegen 20.20 Uhr einen 49-jährigen Rentner in dessen Wohnung mit Faustschlägen ins Gesicht und Tritten so misshandelt zu haben, dass das Opfer zwei Platzwunden am Kopf erlitten hatte.

Wunde genäht

Eine Wunde musste im Krankenhaus genäht werden. Dabei soll der 62-Jährige als Schläger schwarze Handschuhe getragen und der 22-Jährige den Rentner festgehalten haben.

So habe sich der Sachverhalt nicht abgespielt, erklärte der ältere Beschuldigte. "Das stimmt alles so nicht." Ihm war am Tattag ein blaues Auge bei seiner Lebensgefährtin aufgefallen. Sie habe sich am Nachtischchen gestoßen, habe sie auf seine Frage geantwortet. "Das habe ich ihr auch zunächst geglaubt."

Mutter geschlagen?

Ihrem Sohn gegenüber, dem 22-jährigen Angeklagten, hatte die Frau aber anvertraut, dass ihr Bruder sie am Vorabend geschlagen habe.

"Wir wollten meinen Onkel nur zur Rede stellen und klären, was tatsächlich passiert ist", ergänzte der 22-Jährige vor der Richterin. Er habe nur das Gespräch gesucht. "Mein Onkel ist aber sofort mit gegenüber aggressiv geworden." Danach sei es zu einem Gerangel mit dem Lebensgefährten seiner Mutter gekommen. Beide Männer seien zu Boden gegangen, dabei müsse sich der Rentner am Kopf verletzt haben. Sie hätten danach das Haus verlassen und sein Onkel habe sie noch mit einem Besenstiel verfolgt, erklärte der 22-Jährige.

Kampfsporttechniken

Eine völlig andere Version des Tathergangs schilderte anschließend das Opfer in seiner Zeugenaussage. Den Vorwurf, seine Schwester ins Gesicht geschlagen zu haben, wies der Mann weit von sich. "Das ist eine glatte Lüge, dafür kann ich auch Zeugen bringen."

Er habe am Tatabend schon im Bett gelegen, seine Frau habe ihn dann ins Wohnzimmer gerufen. "Als ich noch völlig schlaftrunken im Zimmer stand, bin ich sofort ohne Vorwarnung ins Gesicht geschlagen worden." Dabei habe der 62-jährige Beschuldigte Schlägerhandschuhe getragen. "Ich habe mich dann rückwärts auf den Boden fallen lassen und den Angreifer mit nach unten gezogen", sagte der Rentner weiter. "Diese Taktik habe ich beim Kampfsport gelernt." Er habe anschließend beide Angreifer abwehren können, die hätten danach fluchtartig sein Haus verlassen. Diese Aussage wurde von seiner Ehefrau im Zeugenstand vor Gericht bestätigt.

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