Rheuma hat 100 Gesichter

Abendsprechstunde

Rheuma ist eine Volkskrankheit: Rund 1,5 Millionen Deutsche leiden darunter. Auf die brennendsten Fragen rund um das vielgestaltige Leiden hat Dr. Michael Sarholz bei der Abendsprechstunde des Klinikums Westmünsterland und der Münsterland Zeitung Antworten gegeben.

AHAUS

, 23.06.2017, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Rheuma ist keine eigene Diagnose", stellte der Arzt klar. Die Anzeichen seien nicht immer auf Anhieb eindeutig zu diagnostizieren, darum reiche "eine Blutuntersuchung absolut nicht aus". Eine körperliche Untersuchung und die intensive Befragung des Patienten seien unerlässlich.

Sarholz ist Facharzt für Rheumatologie, Innere Medizin, Neurologie und Rehabilitationswesen am Vredener Marienhospital. Vor kurzem erst hat er die Nachfolge von Dr. Egon Nicksch in der Klinik für Rheumatologie angetreten. Der Mediziner diskutierte mit Thorsten Ohm, Redakteur der Münsterland Zeitung am Mittwochabend unter anderem über einige der mehr als 100 unterschiedlichen Krankheitsbilder. Rund 150 Zuhörer im Fürstensaal des Schlosses folgten interessiert der Gesprächsrunde und bekamen auch Gelegenheit, selbst Fragen zu stellen.

Gicht und Gelenkrheuma

"Gicht ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen überhaupt, gerade in unserer westlichen Industriegesellschaft", mahnte Sarholz. "Gelenkrheuma ist keine harmlose Erkrankung. Schon nach zwei Jahren haben 90 Prozent der Patienten irreparable Schäden an Knorpel und Knochen, wenn die Krankheit nicht behandelt wird", so Michael Sarholz.

Mit teils drastischen Bildern aus der Praxis führte er die vielfältigen Folgen von Erkrankungen wie Gicht, Osteoporose und Arthrose auf, die alle unter den Oberbegriff Rheuma fallen.

Hohe Anmeldezahlen

"Ich glaube nicht, dass alle Patienten vernünftig behandelt werden können, weil es nicht genug Personal gibt", sprach ein Zuschauer ein Problem an, das wohl viele Patienten kennen. Dem stimmte Sarholz zu. "Die Anmeldezahlen beim Rheumatologen sind riesig hoch, weil es einfach nicht genug davon gibt", bestätigte er. Dabei stünde das westliche Münsterland im Vergleich zu anderen Regionen noch relativ gut da. Viele Fragen hatten die Gäste zuMedikamenten wie Kortison und Biologika und deren Wechselwirkungen.

"Letztendlich ist die Kunst, mit einer chronischen Krankheit umzugehen, dass ich die Erkrankung nicht aus dem Auge verliere, sie aber auch nicht mein Leben bestimmen lasse", riet Michael Sarholz zum Abschluss.

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