Richter will auf Nummer sicher gehen

Missbrauchsprozess

Die Dimension des Falles ist selbst dem erfahrenen Richter neu: Über 1000 Mal soll ein 62-jähriger Ahauser drei Mädchen im Alter von acht bis 14 Jahren sexuell missbraucht haben. Der Angeklagte ist geständig. Eine Konkretisierung der Fälle war am Donnerstag, dem dritten Verhandlungstag, jedoch nicht möglich.

AHAUS/MÜNSTER

28.01.2016, 12:11 Uhr / Lesedauer: 1 min

Für den Tatzeitraum (2000 bis 2015) sei ein Vorfall pro Woche als sicher feststehend anzunehmen, erklärte der Vorsitzende Richter am Landgericht Münster.

Davon abzuziehen sind Urlaube der Opfer sowie jene Zeiträume, in denen sich der Angeklagte in stationärer Behandlung befand. Nachweise über Anzahl und Dauer dieser Aufenthalte konnte die Verteidigung am Donnerstag nicht vorlegen. Sie werden allerdings benötigt, damit das Urteil einer möglichen Revision standhält.

Neue Dimension

„Ich mache diese Kammer seit über 20 Jahren“, sagte der Richter. „In dieser Dimension hatten wir es noch nicht.“ Der Bundesgerichtshof verlange auch bei geständigen Tätern eine Konkretisierung der Fälle. „Ich will keine Aufhebung riskieren, weil wir ein paar Kur-Aufenthalte nicht berücksichtigt haben.“

In der Summe dürften immer noch weit über 500 nachgewiesene Fälle mit einer jeweiligen Mindeststrafe von ein bis zwei Jahren bleiben. Auf dieser Basis soll bei Vorlage der Belege am Dienstag, 2. Februar, plädiert werden.

Dem Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

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