Ruhiger Imam in Ahauser Gemeinde stammt aus der Nähe von Ankara

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Die Türkisch-Islamische Gemeinde Ahaus begrüßt die Ausbildung von Imamen in deutscher Sprache. Auch mit ihrem derzeitigen, in der Türkei ausgebildeten Imam sind die Muslime sehr zufrieden.

Ahaus

, 22.11.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Gebetsraum in der Moschee an der Ridderstraße ist so voll besetzt, wie es unter Einhaltung der Corona-Regeln erlaubt ist. Zum Freitagsgebet sitzen viele Ahauser Muslime auf ihrem Gebetsteppich. Ein Mann mittleren Alters tritt auf eine Empore und beginnt mit der Predigt. Es ist Muhammet Fatih Yilmaz aus der Provinzstadt Corum in der Nähe von Ankara.

Seit zwei Jahren ist der 42-Jährige Imam in der Türkisch-Islamischen Gemeinde Ahaus. Ausgebildet wurde er in der Türkei. Die Ausbildung der Imame beginnt auf einem Fachgymnasium, das sie drei Jahre besuchen. Danach folgen ein vierjähriges Theologiestudium und ein einjähriges Referendariat. Bevor Imame sich für Auslandseinsätze melden können, müssen sie zunächst Berufserfahrung vorweisen.

Imam-Ausbildung auch auf Deutsch in Deutschland

Bis zu diesem Jahr gab es keine Imam-Ausbildung in Deutschland. Auf der deutschen Islamkonferenz wurde vor kurzem beschlossen: Ab April soll es eine unabhängige, wissenschaftlich fundierte Imam-Ausbildung in deutscher Sprache geben. Das Projekt wird vom Bundesinnenministerium und dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium finanziert.

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Der Dachverband DITIB, dem die Gemeinde in Ahaus angehört, bildet bereits seit Januar 22 Imame in deutscher Sprache in Deutschland aus. „Als das Programm der DITIB-Akademie vorgestellt wurde, haben wir uns sehr gefreut. Schließlich geht es darum, dass Gemeinden, in denen die Theologen eingesetzt werden sollen, ihr theologisches Personal selbst ausbilden. Das sind junge Menschen, die in Deutschland Abitur gemacht haben und hier sozialisiert wurden“, erklärt Enver Gürbüz, Vorstandsvorsitzender in der Gemeinde. 300 Mitglieder hat die Gemeinde, ungefähr 3000 Muslime leben in Ahaus.

Menschliche Nähe zeichnet Ahauser Imam aus

Die DITIB vertritt vor allem türkische Muslime. Sie ist direkt dem türkischen Präsidenten unterstellt. Alle fünf Jahre wechselt derzeit der Imam in jeder Gemeinde. „In Kooperation mit dem DITIB-Bundesverband erhalten wir unser theologisches Personal“, berichtet Enver Gürbüz.

Mit dem aktuellen Imam sind sie in Ahaus sehr zufrieden. „Er macht einfach gute Arbeit, seine menschliche Nähe zeichnet ihn aus. Unser Imam ist eine Vertrauensperson, die die Freuden und Sorgen der Gläubigen teilt“, freut sich Enver Gürbüz. Sein Stellvertreter Gafor Keyik stimmt zu: „Er ist eine ruhige Person, aber sofort da, wenn ihn jemand braucht.“

Imam Muhammet Fatih Yilmaz stammt aus der Nähe von Ankara und ist seit zwei Jahren in Ahaus.

Imam Muhammet Fatih Yilmaz stammt aus der Nähe von Ankara und ist seit zwei Jahren in Ahaus. © Bastian Becker

Einige Gläubige beten in Corona-Zeiten draußen

Der Imam ist der hauptamtliche Mitarbeiter in der Moscheegemeinde. Er leitet das Gebet, hält Ansprachen (Predigten), leitet die religiöse Unterweisung und begleitet den Gläubigen von der Geburt bis zum Tod. Er ist Erstansprechpartner und Vertrauensperson bei religiösen Themen.

Wegen der Corona-Lage müssen einige Ahauser ihrem Freitagsgebet draußen nachgehen.

Wegen der Corona-Lage müssen einige Ahauser ihrem Freitagsgebet draußen nachgehen. © Bastian Becker

Seine Predigt in der Moschee hält er auf Türkisch, danach wird sie auf Deutsch übersetzt. Die Gebete werden in arabischer Sprache abgehalten. Der Andrang ist an diesem Freitag so groß, dass einige Gläubige im Außenbereich auf einer Baustelle beten müssen. Die Stimme von Muhammet Fatih Yilmaz klingt aus dem Lautsprecher.

Yilmaz fühlt sich wohl in Ahaus

„Es gefällt mir hier, ich fühle mich wohl“, sagt der Imam nach zwei Jahren in Ahaus. Die Lage der Moschee sei toll, man werde von den Nachbarn begrüßt und die Stadt habe vieles für die Gemeinde getan.

Zu der neuen Ausbildung in Deutschland darf er keine Auskunft geben. Stattdessen spricht er über seine Arbeit. „Ich teile besonders gerne die Freude der Menschen, manchmal muss man als Seelsorger aber auch die Schmerzen teilen“, weiß Muhammet Fatih Yilmaz.

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Enver Gürbüz lebt seit 37 Jahren in Ahaus und hat schon einige Imame erlebt. Viele hätten etwas aus ihrem Aufenthalt hier in die Türkei mitgenommen. „Das ist für beide Länder ein Geben und Nehmen und eine Bereicherung der Beziehungen“, meint er.

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