Ruth Bürkle (Mitte) führt seit 25 Jahren den Designer-Secondhandshop Manu. Auf ihre Mitarbeiterinnen Heike Vortkamp (l.) und Sabine Hollekamp (r.) möchte sie nicht verzichten. © Andreas Bäumer
Einzelhandel

Ruth Bürkle verkauft seit 25 Jahren Designer-Mode aus zweiter Hand

Ruth Bürkle ist seit 25 Jahren Besitzerin des Secondhand-Shops Manu. Sie und ihre Mitarbeiterinnen beraten zu Stilfragen und verkaufen Designer-Mode. Der Ebay-Shop half während Corona.

Ruth Bürkle ist zufrieden und stolz. Seit 25 Jahren funktioniert das Geschäftsmodell ihres Secondhand-Shops Manu. Frauen aus der Umgebung bringen gebrauchte Designer-Mode hierher, also Schuhe von Dior oder Louis Vuitton, Taschen von Gucci, Abendkleider von Vera Mont und Cocktail-Kleider von Prada.

„Die Kunden sagen, hier gibt es individuelle Kleidungsstücke, die sonst nirgendwo zu finden sind“, berichtet die 62-Jährige. Für das Angebot kommen Kundinnen aus einem Radius von vielleicht 50 Kilometern an die Wallstraße, aber auch schon mal aus Köln oder Kanada. Beim Ladenverkauf geht dann die eine Hälfte des verhandelten Kaufpreises an die Bringerinnen, die andere an den Shop.

An diesem Dienstagnachmittag schaut kaum eine Kundin vorbei. Bürkle sagt: „Gerade mal zwei Holländerinnen waren hier. Das war noch nie so in Oktoberzeiten.“ Doch sie und ihre zwei Mitarbeiterinnen Heike Vortkamp und Sabine Hollekamp waren schon fleißig. Sie haben verschiedene Blusen auf Schneiderpuppen drapiert, fotografiert und dann den Ebay-Shop mit Fotos und vielen Detail-Daten gefüttert.

Aktuelle Mode und ein Riecher für Nachgefragtes

Gefragt nach den Auswahlkriterien beim Annehmen der Kleidung, sagt Bürkle, dass sie sich auf ihren Instinkt und ihre Nase verlässt. Kleidung aus Raucherhaushalten zum Beispiel nimmt sie nicht an. Sie achtet auf den Wäscherei-Zettel an der Kleidung und eventuelle Mängel.

Die meisten von ihr verkauften Stücke sind von Designer-Marken und nicht älter als zwei Jahre. Seit einiger Zeit ergänzt Neuware ihr Angebot, die eine Boutique aus Holland an sie weitergibt, wenn das Angebot wieder umgestellt wird.

Ruth Bürkle zeigt hier ein Designer-Cocktailkleid. Der gerade aktuelle Lederrock stammt aus der niederländischen Boutique, deren nicht verkaufte Ware sie regelmäßig übernimmt.
Ruth Bürkle zeigt hier ein Designer-Cocktailkleid. Der gerade aktuelle Lederrock stammt aus der niederländischen Boutique, deren nicht verkaufte Ware sie regelmäßig übernimmt. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Dabei ist natürlich die Preisdifferenz für die Kundinnen entscheidend. Ein Prada-Cocktailkleid beispielsweise koste neu 1000 Euro und bei ihr 200 Euro, ein Brautkleid 2000 Euro neu und bei ihr aus der zweiten Hand 1000 Euro, sagt die Geschäftsfrau.

Secondhand-Brautkleider sind ein wichtiger Teil des Angebots. Dabei achtet Bürkle unter anderem auf den Wäscherei-Zettel.
Secondhand-Brautkleider sind ein wichtiger Teil des Angebots. Dabei achtet Bürkle unter anderem auf den Wäscherei-Zettel. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Bürkle war Buchhalterin, bevor sie ihren Laden eröffnete – damals aber schon Liebhaberin von Designerkleidung. Den Impuls dazu, das Geschäft zu eröffnen, gab ihr die Beobachtung, dass der Verkaufserlös solcher Kleidung in Secondhandläden zu niedrig war.

Sie lege Wert darauf, gründlich und ehrlich zu beraten, so Bürkle. Wenn dann eine Kundin nach einer Stilberatung fragt oder sich neu einkleiden möchte, weil sie abgenommen hat, nehmen sich Bürkle und ihre Mitarbeiterinnen manchmal drei Stunden Zeit dafür.

Für solche Beratungen geben sie Termine aus, zum Beispiel für die Zeit der langen Mittagspause des Ladens von 12.30 bis 15 Uhr. Bürkle freut sich: „Meine Kundinnen sind Persönlichkeiten. Es sind so viele Freundschaften hier entstanden.“

Der Ebay-Shop hilft durch Corona

„Wir sind noch lange nicht auf dem Niveau wie vor Corona“, sagt Bürkle über ihr momentanes Geschäft. Sie ist froh, seit 2020 einen Ebay-Shop zu betreiben und so Kundinnen in ganz Deutschland und teils auch anderen europäischen Ländern zu erreichen.

Die Form des Verkaufs unterscheidet sich stark. Manchmal kommt noch um Mitternacht eine E-Mail mit Nachfragen und Bürkle sagt, sie nehme ihr Tablet nun überall mit hin. Gut 30 bis 40 Prozent des Geschäfts sei nun online. Bürkle vermutet, dass sie einen Anteil der erhaltenen Corona-Hilfen zurückzahlen kann.