Schlägerei auf Freitrinken-Party in Graes: 21-jähriger Ahauser erleidet klaffende Wunde

rnAmtsgericht Ahaus

Am Rande einer sogenannten Flatrate-Party im Landhotel Elkemann in Graes kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Einen 21-jährigen Ahauser erwischte es dabei übel.

Ahaus

, 04.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zu Beginn des Abends zahlen die Gäste pauschal 25 Euro, dafür sind alle Getränke inklusive. Diese Art von Partys sind in der Region weit verbreitet, vor allem bei Geburtstagen.

Kehrseite: Der Alkoholpegel liegt hier häufig deutlich über dem Standard und sorgt gerade bei dem männlichen Teil immer wieder für Auseinandersetzungen. So auch im August 2019 vor dem Landhotel Elkemann in Graes, weshalb ein 20-jähriger Stadtlohner sich nun vor dem Amtsgericht Ahaus wegen Körperverletzung verantworten musste.

Was allerdings an diesem Abend genau geschah, das stand auch nach der Verhandlung nicht fest. Denn die Versionen der Beteiligten gingen teils weit auseinander. Fest stand nur, dass ein Besucher aus Ahaus um 2 Uhr nachts mit einer klaffenden Platzwunde ins Krankenhaus gebracht werden musste. Wie es allerdings zu der Verletzung kam, konnte auch der 21-jährige Ahauser nicht mehr genau erklären.

Versionen geht weit auseinander

Vor Gericht schilderte der Geschädigte: „Mein Bruder stand draußen und hat sich mit dem Typen (dem Angeklagten, d. Red.) laut unterhalten. Sie sind ein bisschen aneinandergeraten. Danach wurde ich getreten.“

Er selbst könne sich zwar kaum erinnern, aber seine Kumpel hätten es ihm so berichtet. Deutlich klarer waren aber offenbar die Erinnerungen an den Schlag: „Er hat mich mit der geballten Faust über dem rechten Auge getroffen. Es hat sofort geblutet. Dann bin ich weggegangen und habe mir einen Krankenwagen gerufen.“

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Während die – ebenfalls sehr lückenhafte – Version seines Bruders wenigstens in weiten Teilen mit diesen Berichten übereinstimmte, gingen die Ausführungen des Angeklagten in eine komplett andere Richtung.

Er sieht sich als das eigentliche Opfer: „Ich hatte eine verbale Auseinandersetzung mit dem Bruder des Geschädigten. Es gab eine kleine Schubserei und plötzlich lag ich auf dem Boden. Es hat sich jemand auf mich gesetzt und hat nicht aufgehört, auf mich einzuschlagen.“ Dieser „jemand“ sei der 21-jährige Ahauser gewesen, der später die Platzwunde erlitten hatte.

Circa 15 Longdrinks getrunken

Dass er selbst in irgendeiner Form gewalttätig geworden war, bestritt er mit Nachdruck: „Ich habe nichts gemacht und habe keine Ahnung, wie er sich die Verletzung zugezogen hat.“ Auf Nachfrage des Richters gab er an, bis zu diesem Zeitpunkt circa 15 Longdrinks intus gehabt zu haben. „Ich war normal betrunken“, erklärte er.

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Als Entlastungszeuge trat ein 20-jähriger Graeser auf, der allerdings weder die Version der Brüder noch die Version des Angeklagten bestätige, sondern seine ganz eigene Sicht auf die Dinge hatte.

„Ich habe nur gesehen, wie eine Person (der Angeklagte, d. Red.) am Boden liegend Schläge kassierte und sich nicht mehr bewegte. Ich wollte mich nicht wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar machen und habe deshalb versucht, die Person von ihm runterzuziehen.“ Als das nicht gelang, habe er auch zugeschlagen. „Ich wollte seinen Griff lösen.“ Erkannt habe er den Angreifer allerdings nicht genau.

Plädoyer des Staatsanwalts bringt Verteidiger in Rage

Nicht nur die Zeugen des Geschehens hatten an diesem Tag eine unterschiedliche Sicht auf die Dinge. Auch Staatsanwalt und Verteidiger wollten nicht auf einen Nenner kommen. Eine Einstellung des Verfahrens, mit der Auflage ein Anti-Aggressions-Training zu machen und die Kosten des Verfahrens zu übernehmen, lehnte der Anwalt des Stadtlohners ab.

Als der Staatsanwalt in seinem Plädoyer dann eine Bestrafung nach dem Erwachsenenstrafrecht und eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen a 50 Euro forderte, ging der Verteidiger an die Decke.

„Ich bin erschrocken, was Sie hier fordern. Mein Mandant kam damals einem Jugendlichen gleich. Er lag auf dem Boden und ist vermöbelt worden. Die Aussagen der beiden Brüder waren abgesprochen und ein Witz. Sie haben sich gegenseitig rausgehauen. Wir dürfen uns nicht übers Ohr hauen lassen.“ Deshalb forderte er einen Freispruch.

Der Richter stimmte zu und sagte aber: „Ich glaube, Sie alle haben Dreck am Stecken. Am Ende blieb mir aber nichts anderes als ein Freispruch übrig.“

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