Schlagring in der Jacke

Prozess am Landgericht

Alkohol, Gewalt, Schmerzen und Schulden: Ein 28-jähriger Ahauser mit bewegter Vergangenheit musste sich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor dem Landgericht Münster verantworten. Er war mit einem Schlagring in der Jackentasche erwischt worden. Gegen die in erster Instanz verhängte Geldstrafe war die Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen.

AHAUS/MÜNSTER

, 06.06.2017, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schlagring in der Jacke

Das Landgericht in Münster. Foto: Friso Gentsch/Archiv

Ziel der Berufung sei eine kurze Freiheitsstrafe zur Bewährung, erklärte die Vertretung der Staatsanwaltschaft zu Beginn der Verhandlung am Dienstag. "Können wir so machen", sagte der Angeklagte trocken. "Dann können wir das Ganze hier abkürzen." Mit der spontanen Äußerung sorgte der 28-Jährige für einen kurzen Moment der Heiterkeit im Gerichtssaal. Als es danach um seine Biografie ging, schmunzelte niemand mehr. "Ohne zu dramatisieren: Mein Mandant befindet sich in einem Ausnahmezustand", sagte der Verteidiger.

Verurteilungen

Im Alter von drei Monaten kam der Angeklagte nach eigenen Angaben ins Heim. Aufgewachsen sei er später bei einer Pflegefamilie. Mit 14 stand er wegen Diebstahls zum ersten Mal vor dem Jugendrichter, es folgten Verurteilungen wegen Betrugs und Körperverletzung. Er hSchließenabe fast 15 Jahre lang stark getrunken und Drogen genommen, sagte der Vater zweier Töchter. Vor einem Jahr sei er bei einem Unfall so schwer verletzt worden, dass er bis heute starke Schmerzmittel nehmen müsse, dazu kämen psychische und finanzielle Probleme. Ein Einkommen habe er zurzeit nicht, außerdem rund 300.000 Euro Schulden, hauptsächlich wegen Prozesskosten.

Polizeikontrolle

Im Juni vergangenen Jahres, der Angeklagte hatte gerade eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Körperverletzung verbüßt, kontrollierte die Polizei ihn und seine Begleiter nachts auf Drogenbesitz. Die Beamten fanden keine Drogen, aber der Angeklagte händigte ihnen einen Schlagring aus, der sich in seiner Jackentasche befand. Dieser stamme noch aus der Zeit vor dem Gefängnisaufenthalt, so der Angeklagte. Er habe erst kurz vor der Kontrolle bemerkt, dass die Waffe sich noch in der Jacke befand.

Das Amtsgericht verurteilte den 28-Jährigen zu einer Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen à zehn Euro. Dieses Urteil änderte das Landgericht in eine viermonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie 50 Stunden gemeinnützige Arbeit - sofern der Ahauser körperlich dazu in der Lage sein sollte. "Sie sind kein unbeschriebenes Blatt und kurz nach Haftentlassung erneut straffällig geworden", begründete der Richter das Urteil.

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