Schöffengericht Rheine verurteilt falschen Doktor aus Ahaus

61-jähriger Betrüger

Mit einem falschen Doktortitel und einer gefälschten Berufsbezeichnung als Psychotherapeut von unterschiedlichen Universitäten hat sich ein 61-jähriger Ahauser im Dezember in einer Suchtklinik in Hörstel um die Stelle eines Psychotherapeuten beworben und scheiterte damit gleich doppelt.

AHAUS/RHEINE

von Von Monika Koch

, 27.03.2015, 15:38 Uhr / Lesedauer: 1 min

Zum einen wurde er wegen seiner betrügerischen Machenschaften nicht eingestellt, zum anderen landete er deswegen im Gefängnis. Jetzt hat ihn das Schöffengericht in Rheine wegen gewerbsmäßigen Betruges mit Urkundenfälschung und Missbrauchs von Titeln zu einem Jahr und acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Ähnliche Taten

Insgesamt wird er jetzt aber wohl für knapp vier Jahre hinter schwedischen Gardinen sitzen. Denn: Wegen vergleichbarer Taten im Jahr 2010 hatte ihn bereits das Amtsgericht Kleve zu zwei Jahren mit Bewährung verurteilt. Die wurden widerrufen, auch weil er die Geldauflage nicht bezahlen konnte.

Anfang des vergangenen Dezembers stellte er sich in der Sucht-Klinik in Hörstel persönlich vor und bestätigte die Ausbildungsdokumente und die Approbation in einem Gespräch. Die Klinik forschte nach und erfuhr, dass er bereits wegen gewerbsmäßigen Betruges und Missbrauchs von Titeln verurteilt worden war.

Kleinlaut räumte er nach der Anklageverlesung die Taten ein. „Ich hatte keinerlei Einkünfte und habe mich deswegen in der Suchtklinik beworben“, erklärte er seine Motivation. Das Krankengeld sei ausgelaufen, seine Beziehung drohte zu scheitern. „Ich sah keinen anderen Ausweg“, sagte er.

Einschlägige Erfahrung

„Und was hätten Sie gemacht, wenn Sie eingestellt worden wären?“, fragte die Richterin. „Dann hätte ich da gearbeitet“, antwortete der Angeklagte. Er habe sich reichlich Fachwissen als „Ex-Loser“ angeeignet. Übersetzt: Nach eigener Drogenabhängigkeit wurde er therapiert und lernte daraus. Sechs Mal war er bereits vorbestraft. „Ich weiß nicht, ob man es als dreist oder dumm bezeichnen soll, wenn man nach einem Urteil unter Bewährung steht und ähnliche Taten wieder begeht“, sagte die Richterin verständnislos.

Sie hielt ihm vor, dass es für die Klinik nicht schwer gewesen sei, die falschen Dokumente unterschiedlicher Universitäten mit dem Titel des Psychotherapeuten und dem Doktortitel aufzudecken. Der Angeklagte nahm das Urteil an. 

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