Schreckschuss-Schützen zu Bewährungsstrafen verurteilt

Schüsse in Asylunterkunft

Ihre Tat hat ganz Ahaus erschüttert. Vor einem Jahr feuerten ein 26-jähriger aus Ahaus und ein 27-jähriger aus Gescher mit Schreckschusswaffen um und in der Flüchtlingsunterkunft an der Wessumer Straße. Vor Gericht zeigten sie sich am Dienstag reumütig. Es tue ihnen schrecklich leid. Nur eine Begründung für ihre Taten war ihnen nicht zu entlocken.

AHAUS

, 21.02.2017, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schreckschuss-Schützen zu Bewährungsstrafen verurteilt

Der 26-jährige Mann (stehend) und sein 27-jähriger Komplize wurden zu je sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Dazu kommen eine Geldbuße von 2000 Euro für den 26-Jährigen und 150 Stunden gemeinnützige Arbeit für den 27-Jährigen. Er ist zurzeit arbeitslos.

Regelmäßig hätten sie sich damals zum Trinken getroffen. Und dabei hätten sie sich an diesem Tag nach und nach hochgeschaukelt. Wie sie auf die Idee gekommen seien, mit Schreckschusswaffen in der Flüchtlingsunterkunft Randale zu schieben, konnte vor Gericht am Dienstag keiner der beiden Täter erklären. Zum Tatzeitpunkt hatten sie 1,8 bis 2,2 Promille Alkohol im Blut. Das hatten nachher Blutproben ergeben.

Schüsse in der Unterkunft

Mit dem Auto waren sie so betrunken im Februar 2016 bis zur Ikemannstraße gefahren. Dort hatte der 27-jährige das Auto am Rand der Straße festgefahren. Zu Fuß gingen beide dann zur Flüchtlingsunterkunft an der Wessumer Straße, feuerten davor und dann im Flur Schüsse ab. Auch den Feuerlöscher wollten sie auslösen, scheiterten daran jedoch. Aufgeschreckte Bewohner hatten die Polizei alarmiert. „Wir wollten die Bewohner wecken und erschrecken“, erklärte der 27-Jährige vor Gericht. Wohl weil man neidisch darauf gewesen sei, dass Flüchtlinge dort auf Staatskosten lebten. „Hat das vielleicht etwas mit ihrer politischen Gesinnung zu tun?“, wollte der Richter wissen.

Kontakt zur rechten Szene

Tatsächlich wurden bei der Durchsuchung der Wohnung des 26-jährigen Täters eine Hakenkreuz-Flagge, Springerstiefel, eine Jacke mit Reichskriegsadler und diverse waffenähnliche Gegenstände gefunden. „Eindeutig Devotionalien der rechtsextremen Szene“, sagte auch der Staatsanwalt. Ja, er habe über Jahre zur rechten Szene gehört. Mittlerweile habe er aber den Absprung geschafft und befinde sich in einem staatlichen Aussteigerprojekt, erklärte der 26-Jährige. Er sei inzwischen verlobt, wolle mit seiner Verlobten und der gemeinsamen vierjährigen Tochter im Mai zusammenziehen. Dann erwartet das Paar auch noch ein weiteres Kind.

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„Ich habe mein Leben jetzt im Griff“, sagte er. Erst nach der Tat sei ihnen aufgegangen, was sie dort tatsächlich getan haben. Der 27-Jährige hatte keinen Bezug zur rechten Szene.

Jobs verloren

Durch die Tat hatten beide ihren Job verloren. Der 27-jährige Berufskraftfahrer weil ihm der Führerschein abgenommen wurde, der 26-Jährige, weil sein Arbeitgeber ihm nach der Berichterstattung über die Tat gekündigt hat. Er hat zwischenzeitlich eine neue Stellung gefunden. Der 27-Jährige ist zurzeit noch auf Hartz-IV angewiesen, hofft aber demnächst wieder eine Job zu finden. Außerdem engagiert er sich inzwischen in Gescher in einem Haus für Flüchtlinge. Beide hatten auch versucht, sich bei den Bewohnern der Unterkunft zu entschuldigen. Die hatten das jedoch abgelehnt. Auch das wertete das Gericht zu ihren Gunsten.

Am Ende der Verhandlung standen zwei siebenmonatige Haftstrafen zur Bewährung. Wegen Verstoß gegen das Waffengesetz, Sachbeschädigung und Fahren unter Alkohol.

Keine Waffenscheine

Denn: Natürlich hatten beide Täter keine Waffenscheine für die Schreckschusswaffen oder die Signalmunition, die sie dabei hatten. Die hätten sie für Silvester bestellt. Im Internet und in Polen – für den deutschen Markt zugelassen waren sie nicht. Reste davon hätten sie dann am Tatabend mitgenommen. Der 27-Jährige muss außerdem 150 Stunden soziale Arbeit leisten – weil er kein Einkommen hat. Der 26-Jährige muss eine Geldbuße von 2000 Euro zahlen.

Eine Körperverletzung konnte den beiden Tätern nicht nachgewiesen werden. „Wenn die Bewohner der Unterkunft untersucht worden wären, sähe das sicherlich anders aus“, erklärte der Staatsanwalt. Von denen habe sich jedoch bis auf einen niemand gemeldet. Und dieser Antrag auf Schmerzensgeld sei nicht verwertbar gewesen.

Richter, Staatsanwalt und Verteidiger ließen keinen Zweifel an der Schwere der Tat. „Das ist ein Unding gewesen“, sagte der Staatsanwalt. Auch, um ein klares Zeichen zu setzen, nahm das Gericht die Taten nicht auf die leichte Schulter.

 

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