Schüler lernen vom Profi: Poetry Slam auf lockere Art

Poetry Slam in Ahaus

Poetry-Slammer August Klar bringt sieben Schülern des Alexander-Hegius-Gymnasiums das kreative Schreiben unter dem Motto „Land in Sicht“ näher. Der Erfolg kommt schnell.

Ahaus

von Malena Stöhler

, 19.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Schüler des Alexander-Hegius-Gymnasium lernen vom Profi.

Die Schüler des Alexander-Hegius-Gymnasium lernen vom Profi. © Markus Gehring

„Okay, ich im Zug, okay, erst alles normal, alles sicher, aber dann aus dem Nichts: eine Schießerei, eine Schießerei (Schießgeräusche) okay, fuck, Kugeln fliegen, ich weiche aus, wooh, das war knapp“, so hört sich ein Stück aus dem Poetry Slam von August Klar an. Er ist professioneller Poetry-Slammer und Entertainer.

Poetry Slam ist laut August Klar: „Ein moderner Dichterwettstreit, bei dem Künstler selbst geschriebene Texte vortragen“. Der Poetry-Slammer unterrichtet eine Woche im Zuge der Schreibwerkstatt „Land in Sicht“ des Kinder- und Jugendliteraturzentrums NRW-Jugendstil Schüler vom Alexander-Hegius-Gymnasium (AHG). Er zeigt ihnen, wie sie selbst kreativ Schreiben lernen.

„Text kann in eine total andere Richtung abschweifen“

In einem Seminarraum der Stadtbücherei Ahaus sitzen am Donnerstagnachmittag sieben Schüler an einem großen weißen Tisch. Vor Kopf sitzt August Klar, er leitet den Workshop. Gerade spricht er mit den Schülern über ihre Überlegungen zu den Texten. Sie sollen Texte zu dem Thema „Land in Sicht“ verfassen. „Ein Satz, der irgendwie über das Land geht, reicht aber auch schon, danach kann der Text in eine total andere Richtung abschweifen“, erklärt August Klar.

Der Künstler mag es nicht den Schülern viele Vorschriften geben zu müssen. „Sie sollen einfach drauf los schreiben können“, so der Poetry-Slammer. Seine Art spiegelt sich auch in seiner Lehrweise wieder. Von Montag bis Mittwoch haben die Schüler nur Übungen zum Schreiben und zum Vortragen von Texten gemacht. Erst am Donnerstag beginnt das richtige Schreiben des Textes, der das Endprodukt des einwöchigen Workshops werden soll.

Die lockere Art von August Klar färbt sich auch auf die Schüler ab. „Am Anfang war mir das schon peinlich die Übungen zu machen oder meinte Texte vorzulesen, weil man ja nicht wusste, wie die anderen reagieren“, sagt Janne Tenhagen, eine Schülerin der neunten Klasse des AHG. Die 15-Jährige interessierte sich schon immer für das Schreiben. „Früher habe ich Fantasy-Geschichten geschrieben, aber dann habe ich auch schnell damit aufgehört, weil ich nicht wusste, wie ich schreiben soll“, erzählt Janne Tenhagen.

Aufgabe: Einfach drauf los schreiben

Genau das ist es, was die Schüler in dem Kurs lernen. August Klar hat den Schülern am Anfang des Workshops zehn Minuten Zeit gegeben und die Schüler sollten einfach drauf los schreiben und keine Pausen machen. „Am Anfang weiß man gar nicht, was man schreiben soll, aber erstaunlicherweise kam bei jedem am Ende eine Geschichte raus“, sagt die Schülerin.

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Poetry-Slammer August Klar in Aktion

Zum Schreiben der Texte können sich die Schüler in der ganzen Bibliothek verteilen. Dania Habaal, eine Zwölftklässlerin des AHG, ist beim Schreiben auch lieber ungestört. Sie hat schon Erfahrungen mit dem Poetry Slam und hat sogar schon selbst an einem teilgenommen. „Meine Mutter hat mich bei einem Poetry Slam in Münster angemeldet und den habe ich dann sogar gewonnen“, erzählt die 17-Jährige. Früher in der Grundschule habe sie schon immer Gedichte geschrieben und zum Poetry Slam ist sie durch Julia Engelmann gekommen. „ Ich glaube durch Julia Engelmann wurden viele auf den Poetry Slam aufmerksam gemacht“, sagt Dania Habaal.

Dania Habaal konnte bereit einen Erfolg feiern

„Nach dem Sieg in Münster habe ich mich aber erst einmal etwas zurückgezogen. Ich hatte das Gefühl, dass ich zu viel von mir preis gegeben habe“, so die 17-Jährige. Die Schülerin ist sich sicher, dass sie viel von dem Workshop mit in ihre Zukunft nehmen kann. „Die Fähigkeit Emotionen zu spüren und diese dann zu verkörpern. Das habe ich hier für die Zukunft gelernt“, sagt das Mädchen.

„Die Schwierigkeit bei dem Ganzen ist, dass man immer voll und ganz hinter seinen Texten steht und selbst weiß, dass die cool sind“, erklärt August Klar. Genau das versucht er den Schülern in dem einwöchigen Workshop beizubringen. Und das anscheinend mit Erfolg. Mathis Stegemann aus der neunten Klasse des AHG nimmt auch an dem Workshop teil. „Mein Text wird über die aktuelle politische Lage in Ahaus gehen und ich schreibe den so, dass man den auch cool vortragen kann“, so der 14-Jährige.

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