Schulpartnerschaft der Burgschule Ottenstein zeigt: Niederländer sind technisch weit vorne

rnBurgschule Ottenstein

Die Burgschule Ottenstein pflegt eine Partnerschaft mit einer Schule in Glanerbrug. Dazu besuchen sich die Kinder gegenseitig und stellen große Unterschiede fest.

Ahaus

, 28.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der erste Unterschied fiel Jakob und Maximilian sofort auf. „In den Niederlanden haben sie in den Klassenräumen einen großen Fernseher statt einer Tafel und ganz viele Tablets“, erzählen die Drittklässler der Burgschule Ottenstein mit großer Begeisterung von ihrem Besuch beim Nachbarn. „Ich habe auf dem Tablet ein Quiz gemacht und das hat mir Spaß gemacht“, berichtet Jakob.

Der Hintergrund: Die Grundschule Ottenstein pflegt seit September eine Schulpartnerschaft mit der Basisschool Troubadour in Glanerbrug – das knapp 20 Kilometer von Ahaus entfernt liegt. Das Projekt findet im Rahmen des Programms Erasmus plus statt. Das Vorhaben hat im September begonnen und läuft über zwei Jahre. Insgesamt sind 140 Kinder und 20 Begleitpersonen beteiligt. Insgesamt stehen für das Vorhaben etwas mehr als 39.000 Euro zur Verfügung.

Jetzt lesen

Im Zuge des Projektes besuchen sich die Schüler gegenseitig, um so die Bräuche, die Abläufe in der Schule und einander kennenzulernen. „Wir planen, dass jeweils im November und im April ein Besuch von uns in den Niederlanden und von der dortigen Schule bei uns stattfindet“, sagt Inga Tenspolde, Rektorin der Burgschule.

Vor Kurzem besuchten die Kinder der zweiten und dritten Klasse der Burgschule ihre Partner. Nun waren die Schüler aus Glanerbrug zu Gast. „Mir ist gleich aufgefallen, dass die Schulen hier keine elektronischen Geräte in den Räumen haben“, erzählt Jona. Jona kommt aus der Gruppe fünf der Basisschool Troubadour.

„Kindergarten und Schule gehören zusammen“

Gruppe fünf bedeutet, dass er in Deutschland in der dritten Klasse wäre. In den Niederlanden kommen die Kinder mit vier in die Schule – sprich: Sie sind dann in der ersten Gruppe. „Kindergarten und Schule gehören bei uns zusammen. Der Übergang ist fließend“, erzählt Annemarie Pipers, Lehrerin an der Basisschool.

Schulpartnerschaft der Burgschule Ottenstein zeigt: Niederländer sind technisch weit vorne

Die Schüler der Burgschule Ottenstein und der Basisschool Troubadour Glanerbrug hatten eine spannende Zeit zusammen. © Maximilian Konrad

Jona hat Familie in Ahaus und Gescher – seine Oma und seine Tante wohnen dort. Ein Elternteil stammt aus der Region. „Deswegen sind wir oft hier. In Ottenstein war ich allerdings noch nicht. Daher fand ich die Rallye toll.“

Schuhe mit Süßigkeiten drin

Die Schüler aus Glanerbrug absolvieren eine Dorfrallye durch Ottenstein, bei der sie an verschiedenen Stationen den Ortsteil besser kennenlernen können. Zudem basteln die Kinder zusammen und tauschen sich über die unterschiedlichen Bräuche zu Weihnachten aus.

Schulpartnerschaft der Burgschule Ottenstein zeigt: Niederländer sind technisch weit vorne

Die Schüler der Burgschule Ottenstein und der Basisschool Troubadour Glanerbrug hatten eine spannende Zeit zusammen. © Burgschule Ottenstein

So beispielsweise auch über den Sinterklaas, den Nikolaus. „Wir haben dort Schuhe gebastelt für den Sinterklaas. Als die anderen uns jetzt besucht haben, haben sie die Schuhe wieder mitgebracht – und da waren viele Süßigkeiten drin“, freute sich Jakob, der schon häufiger in die Niederlande mit seiner Familie gereist ist. Bei den Süßigkeiten besonders beliebt: der holländische Spekulatius.

Jetzt lesen

„‘Dank je wel‘ kann ich schon“, erzählt Maximilian stolz. Sonst finden die Gespräche zwischen den Kindern eher noch mit Händen und Füßen statt. „Wir haben zusammen gesungen und Fußball gespielt. Die haben dort einen Fußballplatz auf dem Schulhof, auf dem die Gruppen abwechselnd spielen“, erklärt Jakob, auch mit etwas Neid in der Stimme.

Schulpartnerschaft der Burgschule Ottenstein zeigt: Niederländer sind technisch weit vorne

Die Kinder der Grundschüler fertigten zusammen Plätzchen und andere Leckeren für die Weihnachtszeit an. © Burgschule Ottenstein

Von dem Projekt erhofft sich Schulleiterin Inga Tenspolde einen intensiven Austausch zwischen den Schulen und den Kindern. „Wir wollen, dass die Schüler ihre Nachbarn besser kennenlernen. Wir wohnen so nahe beieinander und die meisten Kinder wissen kaum was über die anderen.“

Auch unter den Lehrerkollegen gibt es einen regelmäßigen Dialog. Inga Tenspolde hat bei den Gesprächen festgestellt, dass die deutschen Schulen gerade auf der technischen Ebene noch zurückhängen. „Dort wird alles digital geregelt. Die Klassenbücher sind beispielsweise digital und für alle verfügbar. Bei unserem ersten Austausch haben sich die Kollegen aus den Niederlanden gewundert, warum wir noch Mathebücher in die Schule schleppen“, erzählt die Rektorin.

Schulpartnerschaft der Burgschule Ottenstein zeigt: Niederländer sind technisch weit vorne

Schulleiterin Inga Tenspolde (l.) und die stellvertretende Schulleiterin Mareen Demes freuen sich über die Schulpartnerschaft mit der Basisschool Troubadour Glanerbrug. © Burgschule Ottenstein

Der nächste gegenseitige Besuch steht nun im April 2020 an. Jakob und Maximilian freuen sich auf weitere Duelle auf dem Fußballplatz und das gemeinsame Singen.

Erasmus Plus

  • Bei Erasmus Plus handelt es sich um ein EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport.
  • Die wichtigsten Ziele für den Schulbereich sind die Quote der Schulabbrecher zu senken, die für Arbeitsmarkt und Gesellschaft benötigten Schlüsselkompetenzen zu verbessern; die beruflichen Kompetenzen von Lehrkräften und Schulleitungen zu stärken; die Teilnahme an und die Qualität der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung zu verbessern.Eine Leitaktion des Projektes sind Schulpartnerschaften
  • Im Fokus der Schulpartnerschaften stehen Begegnungen von Schülern und Lehrkräften. Die Projektarbeit sollte sich Themen wie demokratischer Bildung oder der Vermittlung interkultureller Kompetenzen und Toleranz in der Schule widmen, heißt es auf der Internetpräsenz des Projektes. Hierbei werden Aufenthalte von Kindern und Jugendlichen an einer Partnerschule gefördert. In der Regel werden ein- bis zweijährige Schulpartnerschaften zwischen zwei bis sechs Schulen gefördert.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt