Schwierige Entscheidungen zwischen Tradition und Gläubigenschwund

rnSerie Fusion

Pfingstmontag 2013 war die Geburtsstunde der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt Alstätte-Ottenstein. Was hat sich seitdem verändert? Im dritten Teil fällt der Pfarreirat schwere Entscheidungen.

Ahaus

, 30.03.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einer riesigen Aufgabe vor der Brust war der neue Pfarreirat im Dezember 2013 gestartet. Die spirituellen und ganz weltlichen Belange der beiden Gemeindeteile Ottenstein und Alstätte mussten unter einen Hut gebracht werden – und zwar so, dass sich niemand benachteiligt fühlt.

Inzwischen sind gut sechs Jahre vergangen. Nach den Anfangsherausforderungen hat der Pfarreirat, der aus 13 Personen aus beiden Gemeindeteilen besteht, inzwischen eine gewisse Routine entwickelt. Die Herausforderungen sind deshalb aber nicht weniger geworden.

Gewissensfrage Prozession

An diesem Abend haben sich die Mitglieder des Pfarreirats im Ottensteiner Pfarrheim versammelt, um über eine Gewissensfrage zu entscheiden. Es geht um die Brandprozession in Ottenstein und die Alstätter Flurprozession. Sollen sie weiter bestehen, obwohl immer weniger Menschen mitmachen oder ist ein sauberer Schnitt nötig?

„Was die Leute realisieren müssen, ist, dass es weniger wird und dass das Wenige immer unattraktiver wird. Es geht darum zu sagen: Ich bin bereit, das aufzugeben, damit das Ganze erhalten bleibt. Hat der Pfarreirat nicht auch die Verantwortung, für die Zukunft mitzudenken?“ fragt Pfarrer Matthias Wiemeler seine Mitstreiter.

Tradition oder Vernunft?

Die Prozessionen haben in beiden Dörfern eine jahrhundertealte Tradition. Allein der Brauch der Ottensteiner Brandprozession reicht bis ins Jahr 1684 zurück. Aber die Bemühungen, althergebrachte Riten wie diese zu erhalten, treffen inzwischen auf die bittere Realität, dass es kaum noch Menschen gibt, die an dem jährlichen Bußgang teilnehmen wollen.

Die traditionsreichen Prozessionen aufzugeben, tut weh – aber auf lange Sicht wird die Pfarrei wohl nicht darum herumkommen. Das ist allen Anwesenden klar. „Die Leute denken oft pragmatisch und sehen nur, dass wieder ein Teil wegbricht“, gibt Küster Matthias Dornbusch zu bedenken. Allerdings sei es auch notwendig, dass es Menschen gebe, die überhaupt bei der Prozession mitgehen, um sie erhalten zu können.

Schwieriger Weg zu Entscheidungen

Probleme mit dem Gefühl des Zu-kurz-Kommens zwischen Alstätte und Ottenstein spüren die Mitglieder des Pfarreirates auch heute noch in der Bevölkerung, wie sie zugeben. Menschen, die sich beschweren, gebe es immer mal wieder – in beiden Orten.

„Entscheidungen fällen ist aber nicht schwieriger geworden. Nur der Weg dahin ist schwieriger. In der Form, dass ich in Alstätte groß geworden bin und da wurde in einigen Punkten anders gedacht als in Ottenstein, was einem nicht so auf Anhieb einfällt“, beschreibt Markus Musholt die anfänglichen Schwierigkeiten, für zwei Orte gleichzeitig zu denken.

Gemeinsame Prozession

„Wir versuchen schon, das Beste für beide Orte herauszuholen und beiden gerecht zu werden“, lenkt Brigitte Nacke ein. Ein starker Verbindungspunkt seien hierbei die Gemeinsamkeiten, die beide Dörfer haben.

Eine Prozession als gemeinsames Event, da sind sich die Gremiumsmitglieder sicher, könnte neue Interessierte anziehen. Und wer weiß, möglicherweise treffen sich die Teilnehmer der Brand- und der Flurprozession ja schon im April 2020 irgendwo zwischen Alstätte und Ottenstein, um dort in der Zeltstadt Karpaten eine gemeinsame Abschlussmesse zu feiern.

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