Sirenen bleiben im Ernstfall unverzichtbar

Trotz Notfall-App NINA

Die jüngsten Unwetterkatastrophen in vielen Teilen Deutschlands haben gezeigt, dass sie für Menschen lebensbedrohlich werden, solange sie auf solche Extremsituationen nicht vorbereitet sind. Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App (NINA) des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wurde nun optimiert. Doch auf ein Sirenenwarnsystem wollen die Kommunen nicht verzichten.

AHAUS

, 22.06.2016, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sirenen bleiben im Ernstfall unverzichtbar

Ahaus ist die einzige Stadt im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung, die keine Sirene mehr hat. Sie befindet sich allerdings wieder im Aufbau. In diesem Bild sieht man die Sirene in Südlohn-Oeding auf der Grundschule.

Die optimierte Version der App NINA bietet den Nutzern nun standortspezifische Warnungen. Wer wissen will, ob es Gefahren am eigenen Standort, am Wohnort oder in der Heimatstadt gibt, kann dies am Smartphone individuell einstellen. In einem übersichtlichen Layout ist schnell zu erkennen, ob und welche Gefahren drohen.

Berthold Büter, Leiter der Feuerwache in Ahaus, möchte sich nicht allein auf die App verlassen. Denn alle, die kein Smartphone haben, nicht über diese App verfügen oder gar keine Internetverbindung haben, würden bei Notfällen nicht informiert werden. Die Feuerwehr Ahaus ist gerade dabei, ein neues Sirenenwarnsystem aufzubauen. Was nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg stetig reduziert wurde, gewinnt nun wieder an Bedeutung.

Wiederaufbau der Sirenen

"Wir befinden uns momentan mitten in den Planungen. Im Laufe des Jahres werden wir wohl damit zum Abschluss kommen", so Büter. Wenn das neue Sirenenwarnsystem fertig installiert ist, soll die Bevölkerung noch genauer informiert werden, betont Büter.

Zu den Warnungen, die von der App NINA veröffentlicht werden, zählen zum Beispiel Unwetter, Überschwemmungen, Starkregen oder Großbrände. Auch Bombenentschärfungen oder Raffinerieunfällen werden dem Nutzer sofort für seine gespeicherten Orte gemeldet.

Wichtige Warnsysteme

Dennoch sind alternative und herkömmliche Warnsysteme wichtiger denn je. Der Wiederaufbau der Sirenen geht auf eine Initiative des Landes zurück. Die hatte den Kommunen in Nordrhein-Westfalen mehrere Millionen Euro zugesprochen, damit sie ihre Warnsysteme optimieren können.

"In Ahaus gibt es bestimmt schon 25 bis 30 Jahre keine Sirenen mehr", sagt Berthold Büter. Doch der Bedarf danach habe sich verändert. "Man schaut sich nur die drohenden Wetterlagen an."

Viele Vorteile

Für den Leiter der Feuerwache hat die Warn-App NINA viele Vorteile, doch ganz darauf verlassen dürfe man sich nicht. "Mobilfunknetze sind nicht immer voll funktionsfähig. Das ganz normale Rundfunkgerät spielt da noch eine viel wichtigere Rolle."

Im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung ist Ahaus die einzige Stadt ohne Sirene. Heek, Legden, Stadtlohn, Südlohn und Vreden haben ihre Sirenen nicht abgebaut. Das bestätigte Ellen Schlütter, Pressereferentin des Kreises Borken, auf Nachfrage. Nach und nach werden diese optimiert. Dass Sirenen in den Kommunen notwendig bleiben, sagt auch Mike Arndt von der Kreisleitstelle in Borken. "Die Sirenen befinden sich wieder in der Aufbauphase." In der Leitstelle verfüge man über einen Rechner mit Satellitenanbindung, der mit allen Leitstellen in Deutschland Verbindungen aufbauen kann. "Und das geht eben nicht über öffentliche Netze, wie es bei NINA der Fall ist. Das ist keine sichere Informationsstrecke", sagt Mike Arndt. Die optimierte App sei eine schöne Zusatzsache, aber noch lange keine Priorität für die Leitstellen.

Lautsprecherdurchsagen

So ähnlich handhabt es auch das Brennelement-Zwischenlager in Ahaus. Wenn es dort zu Gefahrensituationen kommen sollte, wird sofort der Kreis Borken alarmiert. Alle wichtigen Informationen landen in der Notfall-App. Doch das reicht auch hier noch lange nicht aus. "Im schlimmsten, unglücklichsten Falle - das bedeutet für uns die Freisetzung radioaktiver Stoffe - nutzen wir umgehend mehrere Kommunikationswege.

Einer davon sind die Lautsprecherdurchsagen der Polizei und Feuerwehr. Die fahren dann durch Ahaus und geben der Bevölkerung Verhaltensanweisungen", sagt Burghard Rosen, Pressesprecher des Zwischenlagers in Ahaus. Gewarnt wird ebenfalls über das Radio (WDR 2, Radio WMW), über das WDR-Fernsehen und im Internet. Ausführliche Informationen für den Ernstfall schickt das Brennelemente-Zwischenlager regelmäßig an alle Ahauser Bürger.

 

 

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