Spaziergängerin mit Hund und vermummte Jäger geraten bei Krähenjagd aneinander

rnKrähenjagd

An der Aa geraten Jäger und eine Spaziergängerin mit Hund aneinander. Sie erhebt schwere Vorwürfe, doch die Polizei findet dafür keine Beweise. Geschickt waren die Jäger aber wohl nicht.

Ahaus

, 21.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Frau geht an der Aa mit ihrem Hund spazieren. Einige Meter weiter sind an diesem Morgen Jäger in ihrem Revier auf Krähenjagd. Dazu haben sie ein Tarnnetz und ein sogenanntes Lockbild aufgebaut. Der Hund läuft ohne Leine. Wie weit er sich von seinem Frauchen entfernt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Jedenfalls fordern die Jäger die Frau auf, ihren Hund an die Leine zu nehmen.

Die Frau, die unserer Redaktion ihre Sicht des Geschehens schildert, ihren Namen aber nicht in der Öffentlichkeit lesen möchte, berichtet auch von Schüssen, die in die grobe Richtung ihres Hundes abgegeben worden seien.

Frau fühlte sich von vermummtem Jäger bedroht

Dann habe plötzlich ein Jäger mit vermummtem Gesicht und der Waffe in der Hand vor ihr gestanden und sie rüde angesprochen. Die Frau fühlte sich bedroht, und meldete den Vorfall der Polizei. Die sieht sich die Jagd vor Ort an, findet aber zunächst keinen Tatbestand. Erst als die Frau noch einmal zur Polizei geht und Anzeige wegen Bedrohung erstattet, nehmen die Beamten Ermittlungen auf.

„Es war keine Schwierigkeit, die Jäger zu ermitteln“, erklärt Polizeipressesprecher Frank Rentmeister. Schließlich sei die Krähenjagd ganz regulär angemeldet gewesen. Zwei Jäger seien bei der Polizei befragt worden.

„Sie haben sehr glaubhaft versichert, dass sie weder in Richtung des Hundes noch in Richtung der Frau geschossen haben“, erklärt dazu Frank Rentmeister. Die schwerwiegenden Vorwürfe, die die Frau erhoben habe, seien daher nicht haltbar gewesen.

Schüsse galten einer aufsteigenden Krähe

Die Jäger hätten jedoch bestätigt, dass sie in „zeitlicher und räumlicher Nähe“ zur Begegnung mit der Frau geschossen hätten. „Allerdings auf eine aufsteigende Krähe“, erklärt Rentmeister. Die Jagd habe allen Sicherheitsvorkehrungen entsprochen. So sei das Lockbild abgewandt von der Bebauung aufgestellt worden. Auch hätten die Jäger nur auf fliegende Vögel – also in die Luft – geschossen.

Dass sich ein Jäger auf der Jagd tarne und eine Waffe in der Hand halte, sei nichts Verbotenes. Mehr noch: „Es ist ja selbstverständlich, dass ein Jäger bei der Jagd eine Waffe in der Hand hält“, sagt er. Ein Jäger müsse die Waffe auch nicht aus der Hand legen, wenn er mit Passanten spreche.

Hunde müssen im Einzugsbereich ihrer Halter bleiben

Und auch wenn Hundehalter im Außenbereich ihre Tiere ohne Leine laufen lassen dürfen, müssen sie stets in der Nähe bleiben. Im sogenannten Einzugsbereich des Herrn. Laut der Frau war das der Fall. Die Jäger hätten jedoch gegenüber der Polizei angegeben, dass der Hund in Richtung des Lockbildes gelaufen sei.

Unabhängig von der rechtlichen Bewertung ordnet Paul Plate, Ausbildungsleiter der Jagdschule Ahaus das Geschehen in Wüllen ein: „Eine Gesichtstarnung ist bei der Krähenjagd völlig üblich“, sagt er. Die Vögel könnten so gut sehen, dass ein Jäger auch sein Gesicht verbergen müsse, um erfolgreich jagen zu können.

Ausbildungsleiter der Jagdschule hätte sich anders verhalten

Auch dürfe ein Jäger nie die Gewalt über seine Waffe verlieren. „Er darf sie also nicht einfach irgendwo im Wald liegen lassen“, erklärt er. Dennoch würde er beim Kontakt mit Spaziergängern anders vorgehen: „Ich würde mir zumindest die Gesichtstarnung herunterziehen und das Gewehr abgeknickt oder geöffnet über die Schulter hängen“, sagt Paul Plate. So würde der Jäger gleich deutlich weniger bedrohlich wirken. Das sei auch Inhalt der Schulungen, die Jäger vor der Prüfung zum Jagdschein durchlaufen.

Jäger versuchen, Missverständnisse zu vermeiden

„Wir versuchen ja immer, so gut es geht mit Spaziergängern ins Gespräch zu kommen, um zu erklären, was wir tun“, sagt er. Die Suche nach dem direkten – und vor allem auch ruhigen – Gespräch, sei eigentlich immer der beste Weg, um Missverständnisse zu vermeiden.

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