Die Preise steigen und steigen: Immer mehr Niederländer tanken bei Tankstellenbetreiber Klaus Dicks in Südlohn. © Markus Gehring
Benzin- und Dieselpreise

Spritpreise auf Rekordhoch – trotzdem kommen die Niederländer zum Tanken

Die Spritpreise kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Deutsche Autofahrer müssen an der Zapfsäule so viel bezahlen wie noch nie zuvor. Trotzdem kommen immer mehr Niederländer zum Tanken zu uns.

Seit Beginn des Jahres steigen die Spritpreise in Deutschland enorm an – auch hier im Kreis. Wer Anfang 2021 noch Benzin für 1,31 Euro pro Liter getankt hat, zahlt am Montagmittag in Südlohn bei der freien Tankstelle Dicks 1,69 Euro pro Liter, also fast 40 Cent mehr.

Damit haben es die deutschen Autofahrer noch vergleichsweise gut. In den Niederlanden ist der Literpreis für Benzin nach Angaben des AvD in der vergangenen Woche mit rund 1,94 Euro noch deutlich höher.

Der Preisunterschied jenseits der Grenze hat auch an deutschen Tankstellen spürbare Auswirkungen. „Seit Ende des Lockdowns im Juni kommen immer mehr Niederländer über die Grenze, um günstiger zu tanken“, sagt Klaus Dicks, Inhaber der gleichnamigen Tankstelle.

Auch Norbert Lansing, Geschäftsführer der Avia-Tankstelle in Vreden, bemerkt die steigende Nachfrage unserer Nachbarn. Schon immer seien viele Niederländer zum Tanken gekommen. Nur zuletzt sei der Sprit-Tourismus durch die Pandemie beschränkt gewesen. Nun, nachdem sich der Betrieb wieder normalisiert habe, steige die Nachfrage weiter.

Abgaben an den Staat spielen eine entscheidende Rolle

Klare Gründe für die preislichen Differenzen sind nicht auf Anhieb erkennbar. Norbert Lansing vermutet, dass die Besteuerung ein wesentlicher Faktor ist. „Die Ware selbst ist im europäischen Vergleich nicht teurer“. Auch der Ölpreis spiele eine Rolle, aber hauptsächlich die Abgaben an den Staat.

Und auch zukünftig sieht es wohl nicht nach einer Besserung aus. „Die Entwicklung der Spritpreise hängt ab vom politischen Willen“, sagt Norbert Lansing. Auch Klaus Dicks geht eher nicht davon aus, dass die Preise in den nächsten Jahren sinken werden. „Das liegt an den Konzernen und an der Politik“.

Wie geht es also weiter? In einer solch ländlichen Gegend wie hier sind laut Norbert Lansing „viele auf ein Auto angewiesen, weil sie zur Arbeit müssen“. Er setzt daher mit zwei Schnellladestationen für E-Autos ab November auf Innovation.

Mobilität der Menschen verändert sich

Die Mobilität nehme nicht ab, sie verändere sich aber: „Tankstellen bleiben der Dreh- und Angelpunkt, wichtig sind die Leute auf der Straße“, so Norbert Lansing weiter.

Der Geschäftsführer einer anderen Tankstelle nahe der Grenze, der nicht namentlich genannt werden möchte, ist der Meinung: „Keiner kann prophezeien, wo die Reise hingeht.“ Laut ihm müsse die E-Mobilität nach vorne gehen und damit gehe einher, dass E-Fahrzeuge interessanter werden.

Der ADAC macht in Zahlen deutlich, wo die Reise vermutlich hingehen wird. Blickt man zwei Jahre in die Zukunft, werden im Jahr 2023 circa 11 Cent mehr pro Liter Diesel fällig. Im Jahr 2025 sind es sogar ganze 17 Cent mehr im Vergleich zum aktuellen Literpreis.

Hintergrund ist der steigende Preis pro Tonne Kohlenstoffdioxid. Dieser steigt über die Jahre 2021 bis 2025 schrittweise von 25 auf 55 Euro an. Zukünftig sieht es also nicht nach sinkenden Preisen aus – im Gegenteil, sie steigen weiter.

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