Auch für die Lkw wird das Diesel tanken teurer. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Benzin- und Dieselpreise

Spritpreise: Spedition hat fast 180.000 Euro Mehrausgaben pro Jahr

Die Spritpreise klettern weiter nach oben. Unternehmen aus den verschiedensten Branchen bekommen das zu spüren. Die Preiserhöhungen kommen auch bei den Verbrauchern an.

Ob Pflegedienst, Taxiunternehmen oder Spedition: Alle sind von den extrem gestiegenen Spritpreisen betroffen. Die einen könnten es an die Verbraucher weitergeben, wollen es aber nicht. Andere haben keine Wahl.

Von den gestiegenen Preisen für Benzin oder Diesel betroffen sind auch Lieferdienste, wie beispielsweise die Istanbul Pizzeria. Diese müsste laut Inhaberin Serap Saglam eigentlich die Preise erhöhen. Geplant sei dies ab Februar nächsten Jahres. Hintergrund seien bei Istanbul allerdings nicht nur die Spritpreise, sondern auch künftige Umbau- und Renovierungsarbeiten.

Speditionen müssen höhere Dieselpreise umlegen

Speditionen haben ebenfalls keine andere Wahl, als die Preise umzulegen. Für Dienstleister und Speditionen entstünden erhebliche Mehrkosten. „Der Dieselanteil ist neben den Lohnkosten der höchste Kostenanteil in der Logistik“, sagt der Inhaber einer Speditionsfirma in Ahaus. Diese Kosten müssten weitergegeben werden, der Lohnanteil ließe sich nicht senken. Betrachtet man die Zahlen, ist das durchaus verständlich.

Die Speditionsfirma tankt „über eine Million Liter Diesel pro Jahr“. Laut ADAC stieg der Dieselpreis pro Liter von Januar bis September um knapp 18 Cent. Rechnet man das hoch, entstehen 180.000 Euro Mehrausgaben pro Jahr – Stand jetzt. Und: Die Preise werden bis Ende des Jahres voraussichtlich noch weiter steigen.

Letztendlich müssen die gestiegenen Spritkosten also teilweise auf die Verbraucher abgewälzt werden. Diese sind laut dem Inhaber der Speditionsfirma aber nicht verwundert. Grund dafür sei die allgemeine Preissteigerung „vom Apfel bis zur Pizza“.

Preise müssen individuell angepasst werden

Die Kunden hätten für höhere Preise daher Verständnis und legen diese wiederum auf ihre eigenen Kunden um. Mit Blick auf die Zukunft müssen die Preise „individuell angepasst“ werden, sagt der Inhaber der Speditionsfirma abschließend.

Ähnlich sieht es bei Busunternehmen aus. Wie beispielsweise bei Boonk Reisen aus Ahaus. Der Preisanstieg mache sich „schon sehr bemerkbar“, sagt Brigitte Hackfort, Buchhalterin und Disponentin bei Boonk Reisen.

Daher müssen die Preise auch bei ihnen angepasst werden. Das kommt allerdings etwas verzögert bei den Kunden an, da viele Angebote für 2022 schon raus seien. Für Anfragen, die das Jahr 2023 betreffen, gibt es „noch keine verbindlichen Preise“, denn die Kosten steigen bis dahin weiter.

Die Preise für Busreisen steigen also, aber es gebe einen Vorteil, sagt Brigitte Hackfort. „Die Kosten werden auf mehrere Personen umgelegt.“ Nicht eine Person alleine trage die Preiserhöhungen, sondern zwischen 10 und 80 Personen pro Bus.

RVM: Preise sind langfristig festgelegt

Tino Nitsch, Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit des RVM, hat auf die Frage, ob die Preise weitergegeben werden müssten, eine klare Antwort: „Nein. Die Preise sind langfristig über den Westfalen-Tarif festgelegt.“

Im August habe es die letzte Anpassung gegeben, der Turnus dafür sei jährlich. Zudem sei der Spritpreis nur einer von mehreren Faktoren und „nicht der Hebel“, wenn es um die Anpassungen der Ticketpreise geht.

Die Tafel in Ahaus gehört zu denen, die keinesfalls die höheren Kosten an die Kunden weitergeben wollen. Das erklärt Johannes Lügering, Leiter der Ahauser Tafel.

Es gäbe zwei Bereiche, die die Kosten in die Höhe schießen lassen. Dazu gehört auch der hohe Dieselpreis. „Es muss alles aus Spendenmitteln refinanziert werden“. Vier Tage die Woche werden mit zwei Autos 35 Geschäfte abgefahren, dabei kommt einiges an Mehrausgaben zusammen.

Bevor diese Mehrausgaben aber an die Kunden weitergegeben werden, setzt die Tafel sich besonders ein: Es würde lieber fünfmal mehr „gebettelt und um mehr Spenden gebeten“ werden, als die Kosten umzulegen.

Tafel will lieber noch intensiver um Spenden bitten

Es treffe „die ärmsten der Ärmsten“. Daher setzt die Tafel auf das Verständnis der Leute. Das funktioniere laut Johannes Lügering in Ahaus ganz gut, die Bitten würden von den Leuten erhört.

Der Caritas hingegen wäre es überhaupt nicht möglich, die Kosten weiterzugeben. Es kommt schon zu Mehrausgaben im ambulanten Dienst, aber „die Fahrzeugkosten machen in den gesamten Kosten nicht so viel aus“, berichtet Uwe Bröcker, Bereichsleiter der Pflege. Zudem gäbe es Pauschalen für An- und Abfahrten, die „mit den Kostenträgern abgestimmt werden müssen“.

Auch bei den Taxiunternehmen machen die Dieselkosten laut Kreispressesprecher Karlheinz Gördes „nur einen geringen Anteil an den Gesamtkosten“ aus. Trotzdem wird bereits über Anpassungen der Tarife nachgedacht. Mit Taxiunternehmern wurde bereits gesprochen, letztlich lege der Kreistag die Taxitarife fest.

Über den Autor