Stadt Ahaus hätte Kapazitäten für Flüchtlinge aus abgebranntem Camp Moria

rnDrama auf Lesbos

Die Bundesregierung hat entschieden, 1500 Flüchtlinge aus dem abgebrannten Camp Moria aufnehmen zu wollen. Die Stadt Ahaus hätte offenbar Platz. Eine offizielle Anfrage gibt es aber noch nicht.

Ahaus

, 23.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bilder vom abgebrannten Flüchtlingslager Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos gingen um die Welt und sorgten nicht nur in Deutschland für einen neuen Anstoß der Debatte rund um die Aufnahme von geflüchteten Menschen. Nachdem sich Bundesinnenminister Horst Seehofer zunächst mit Zusagen bedeckt gehalten hatte, möchte die Bundesregierung nun 1500 Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen.

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Doch wo sollen sie im Fall der Fälle unterkommen? Nach Informationen unserer Redaktion hat das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Migration eine Anfrage an Kommunen in ganz NRW gerichtet. Die Städte und Gemeinden sollen Auskunft darüber geben, ob sie bereit wären, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen und wie es um die Kapazitäten stehe.

Keine offizielle Anfrage an die Stadt Ahaus

An die Stadt Ahaus ist allerdings offenbar noch niemand herangetreten. Das erklärte Doris Zevenbergen von der städtischen Pressestelle: „Eine offizielle Anfrage des Landes NRW zur Aufnahmebereitschaft der Kommunen von Flüchtlingen aus Moria ist hier bislang nicht bekannt.“

Über die Gründe könne man allerdings nur spekulieren. „Möglicherweise wurden in einem ersten Schritt Kommunen angefragt, die bislang eine vergleichsweise niedrige Aufnahmequote haben“, erklärt Zevenbergen in einer schriftlichen Antwort an die Redaktion.

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Gleichzeitig bestätigte sie, dass aktuell Kapazitäten in den städtischen Gemeinschaftsunterkünften vorhanden wären. Mit einer großen Zahl an Flüchtlingen rechnet die Mitarbeiterin der Stadt aber nicht. „Bei einer bundesweiten Aufnahme von 1500 Flüchtlingen, die nach dem bisherigen Verfahren verteilt würden, müsste die Stadt Ahaus ein bis zwei Personen zusätzlich aufnehmen“, so Zevenbergen weiter.

Derzeit wohnen offiziell 657 Personen mit einem Fluchthintergrund in Ahaus. Die Stadt Ahaus unterhält aktuell noch 15 Gemeinschaftsunterkünfte, in denen 166 Flüchtlinge leben. „Die anderen Personen wohnen überwiegend in Privatwohnungen“, schreibt Doris Zevenbergen.

Griechenland will Transfer von der Insel nicht genehmigen

Tatsächlich scheint momentan auch überhaupt noch nicht festzustehen, ob Menschen aus dem Camp Moria überhaupt nach Deutschland ausreisen dürfen.

Die deutsche Bundesregierung hat nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria zwar wie eingangs erwähnt entschieden, ehemalige Bewohner des Camps aufzunehmen. Die griechische Regierung aber will den Transfer von der Insel Lesbos nicht genehmigen.

Sie befürchtet, durch die Erlaubnis einen Präzedenzfall zu schaffen, der Bewohner anderer Flüchtlingslager in Griechenland darin bestärken könnte, ihre Unterkünfte anzuzünden. Griechenland will lieber anerkannte Flüchtlinge nach Deutschland reisen lassen, die sich bereits auf dem Festland, meistens in der Hauptstadt Athen, befinden.

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