Ahauser Stadtwerke erhöhen erneut Strompreise – Rentner tobt: „Man wird schlicht angelogen!“

rnSteigende Strompreise

Viele Ahauser haben Ende des vergangenen Jahres Post von den Stadtwerken Ahaus bekommen. Grund: die (erneute) Strompreiserhöhung. Einen Ahauser Rentner bringt das auf die Palme.

Ahaus

, 23.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Ahauser Rentner ist sauer, sehr sauer. In der Hand hält er zwei Schreiben; beide an ihn adressiert, beide von den Ahauser Stadtwerken. Einmal vom Januar 2019, einmal vom Januar 2020. Auch der Inhalt ist bis auf eine Ausnahme deckungsgleich. „Unsere treuen Kunden haben in den letzten Jahren von unseren konstant günstigen Preisen in der Stromversorgung profitiert“, heißt es jeweils im Einleitungssatz.

Darauf folgt die eigentliche Mitteilung des Briefes. Die steigenden Beschaffungspreise an den Großhandelsmärkten könne man nicht mehr kompensieren, weshalb es zum 1. Januar 2019 bzw. 2020 zu einer „Anpassung der Strompreise“ komme. Bisher habe man die Preiserhöhung durch Einsparungen in anderen Bereichen auffangen können.

Ahauser wirft Stadtwerken Lügen vor

Für den Ahauser Rentner ist das doppelte Schreiben ein Unding: „Die Kunden werden schlicht belogen. Wie kann man von konstanten Preisen sprechen, wenn die letzte Erhöhung nur ein Jahr zurück liegt?“ Seinen Namen möchte er nicht nennen, weil er die Sorge hat, dass ihm Strom und Gas abgedreht werden könnten.

Daniela Terbeck, bei den Stadtwerken Ahaus für den Bereich „Marketing/Unternehmenskommunikation“ zuständig, räumt ein: „Wir nehmen die konstruktive Kritik sehr ernst. Wir werden uns zusammensetzen und schauen, inwiefern wir den Text verständlicher und klarer formulieren können.“ Allerdings stellt sie auch klar: „Wir kamen nicht drumherum, die Strompreise anzupassen. Die Energiepreise auf den Großmärkten sind stark gestiegen. Wir verstehen die Verärgerung unserer Kunden absolut und versuchen immer, den kleinen Teil des Strompreises, den wir als Versorger überhaupt beeinflussen können – nämlich den reinen Energiepreis – zu günstigen Zeiten einzukaufen und interne Kosten gering zu halten.“

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Für Kunden der Staffel M (2754 bis 5516 Kilowattstunden pro Jahr) im beliebten Tarif „Min-Max-Komfort“ ist der Grundpreis zum Beispiel von 119 auf 129,71 Euro pro Jahr erhöht worden. Die Kilowattstunde ist hier ebenfalls teurer geworden und kostet fortan 27,42 Cent (vorher 25,98 Cent). Das entspricht einer Steigerung von gut fünf Prozent.

Daniela Terbeck arbeitet bei den Stadtwerken im Bereich "Marketing/Unternehmenskommunikation".

Daniela Terbeck arbeitet bei den Stadtwerken im Bereich "Marketing/Unternehmenskommunikation". © Stadtwerke Ahaus

Im Schreiben an die Stadtwerke-Kunden wird eine Beispielrechnung aufgestellt, in der eine vierköpfige Familie mit einer Steigerung von circa 13 Euro pro Monat rechnen müsse. Auch das kritisiert der Ahauser Rentner: „Ich lebe alleine. Was soll mir eine solche Rechnung bringen?“ Auch diesen Punkt werde man intern besprechen und über eine individuellere Lösung nachdenken, erklären die Stadtwerke auf Anfrage. „Transparenz in allen Bereichen ist uns sehr, sehr wichtig“, so Daniela Terbeck. Das sei einer der großen Vorteile eines lokalen Anbieters wie der Stadtwerke. „Bei uns gibt es keine versteckten Kosten.“

Preise werden wohl weiter steigen

Der aktuelle Trend, glaubt sie, werde sich aber zumindest kurz- und mittelfristig nicht ändern. „Durch den Atomausstieg wird das Angebot auf dem Strommarkt in den nächsten Jahren vorerst weiter sinken. Wir vermuten, dass die Preise durch die Verknappung der Energie bei gleichbleibender Nachfrage eher noch steigen“, erklärt die Stadtwerke-Mitarbeiterin.

Zum Thema Energiewende sagt sie: „Bildlich gesprochen hat die Regierung entschieden, das dreckige Auto zu verlassen und in ein neues, sauberes einzusteigen. Dafür müssen wir alle auf kurze Sicht ein bisschen was in Kauf nehmen. Langfristig könnten wir aber davon profitieren und die Strompreise wieder sinken, denke ich.“

Apropos Auto: Die E-Mobilität ist im Bezug auf die Strompreisentwicklung aktuell noch kein Faktor. „Dafür ist der Anteil noch viel zu gering“, erklärt Daniela Terbeck. Der Anreiz zum Umdenken sei auch vielerorts noch nicht vorhanden.

Info:

Bei einer Erhöhung des Strompreises steht Kunden gesetzlich ein Sonderkündigungsrecht bis zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Preisänderung zu. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, regelmäßig die Stromtarife der verschiedenen Anbieter zu vergleichen. Neben dem Preis seien auch Punkte wie kurze Laufzeiten und Kündigungsfristen wichtig, heißt es auf der Homepage der Verbraucherzentrale.
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