Der nächste Starkregen in Ahaus kommt bestimmt

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Vollgelaufene Keller, ein überschwemmtes Parkdeck: Am Donnerstag traf Ahaus das nächste Starkregenereignis. Sind die Vorkehrungen ausreichend? Wie schützt man sich? Wir haben nachgefragt.

Ahaus

, 12.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Nach der langen Trockenheit holte am späten Donnerstagnachmittag die Bürger von Ahaus und Umgebung mit dem ersten Starkregenereignis seit längerer Zeit eine Entwicklung wieder ein, auf die sie sich mehr und mehr einstellen müssen. „Wir sind aber noch einmal glimpflich davon abgekommen“, fasst Berthold Büter, Leiter der Feuerwehr Ahaus, die Einsatzstatistik zusammen.

Einsatzstellen in Ahaus

Neben dem vollgelaufenen Parkdeck am Domhof gab es drei weitere kleinere Einsatzstellen in Ahaus mit zugelaufenen Kellern. „Dabei hat es sich um den Wassereinlauf aus der Oberfläche heraus gehandelt“, erklärt Büter – und liefert mögliche Gründe. Die anhaltende Trockenheit habe zwei konträre Wirkungen gehabt. „Zum einen sind die Böden sehr aufnahmefähig. In einer ersten Phase schwimmt das Regenwasser sicher auf der Oberfläche, dann sickert es in einer zweiten Phase aber sehr gut ein“, erklärt Büter.

Regenrinnen und Flachdächer kontrollieren

Dagegen habe die Dürre aber auch dafür gesorgt, dass schon im Frühjahr sehr viel Laub angefallen ist – und dieses verstopfe dann Dachrinnen oder Abflüsse. Bei Starkregen komme es so schnell zu Überläufen. „Laufen die Rinnen über, fließt das Wasser oft ungehindert in die Lichtschächte und somit letztlich auch in die Keller“, so Berthold Büter.

Deshalb werde es immer wichtiger, neben möglichst geringer Versiegelung der Flächen am Haus und den gängigen Schutzvorkehrungen die Dachrinnen regelmäßig und nicht nur im Frühjahr oder Herbst zu reinigen. Ebenso gelte es, Flachdächer regelmäßig zu begehen.

Überlastung des Daches möglich

„Die Gefahren werden häufig unterschätzt. Ist der Ablauf unzureichend, kann es bei Starkregen gar zu einer statischen Überlastung des Daches kommen“, berichtet der Feuerwehr-Chef. Für Abhilfe können sogenannte Notentwässerungssysteme sorgen. Mit Blick auf die anstehende Ferien- und Urlaubszeit rät Büter den Bürgern noch einmal eindringlich, die Dachrinnen und Dächer zu kontrollieren: „Unliebsame Überraschungen will doch jeder vermeiden.“

Stadt trifft Vorkehrungen

Seitens der Stadt würden die notwendigen Vorkehrungen zur Verhinderung von Überschwemmungen mit Weitblick getroffen, bestätigt Pressesprecherin Anna Reehuis. „Bei derart großen Starkregenereignissen lassen sich Überläufe aber nicht immer verhindern. Dann ist das System überfordert", ergänzt sie. Dann drückt das Regenwasser auch in den Schmutzwasserkanal.

Mit Folgen gerade in tieferen Stadtteilen oder – wie am Donnerstag – in Tiefgaragen. Die Dimension des Regenwasserkanalsystems orientiert sich auch unter wirtschaftlichen Aspekten an Durchschnittswerten – die Entwicklung wird ständig beobachtet und das System entsprechend angepasst.

Markante Punkte im Blick

Im Zuge des Hochwasserrisikomanagements habe man jüngst zum Beispiel in Gebieten wie an der Daimlerstraße oder an der von-Braun-Straße, wo es vermehrt zu Überschwemmungen gekommen war, Maßnahmen vorgenommen. „Gerade diese markanten Punkte haben wir im Blick.“

Sie verweist dazu auch auf die private Absicherung, damit sollten sich Hausbauer und –eigentümer intensiv beschäftigen. Stichwort Rückstausicherung. Manche Maßnahmen seien gar verpflichtend. Die Bürger sollten sich intensiv mit dem Thema beschäftigen – auch die Stadt Ahaus berate gerne.

"Jeder Regen tut natürlich gut"

Wohlwollend nehmen Landwirte die aktuelle Wetterentwicklung zur Kenntnis – allerdings weniger in Form des Starkregens, der von den Böden so rasch gar nicht aufgenommen werden kann. Die Zahlen sind schon markant: „Ich habe gestern noch einmal gemessen: Das Grundwasser stand 40 Zentimeter tiefer als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr“, sagt der Wüllener Ortslandwirt Andreas Kersting. Dabei habe er am Donnerstag den Starkregen in Wüllen kaum vernommen, von Ahaus nur gehört – auch die lokalen Unterschiede mehren sich.

„Jeder Regen tut gut“

Die Landwirte versuchten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten angesichts dieser Entwicklung ebenso anzupassen – in der Fruchtfolge beispielsweise. So profitiere Roggen beispielsweise von einem ausgeprägten Wurzelwerk, wachse auch auf Sandböden gut. „Jeder Regen tut nun natürlich gut“. sagt Kersting.

Die Überschwemmung im Parkdeck am Domhof vom Donnerstag ist übrigens vermutlich durch einen verstopften Abfluss begünstigt worden, womöglich auch durch Laub, sagt Anna Reehuis. Ein Mitarbeiter der Stadt habe vor Ort umgehend für Abhilfe gesorgt. Denn der nächste Starkregen kommt bestimmt.

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