Rettungshubschrauber schafft die Strecke von Rheine bis Ahaus in zehn Minuten

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Ist der Rettungshubschrauber im Einsatz, geht es meist um Leben und Tod. Doch woher kommt die Luftrettung, die zuletzt am Montag in Ahaus im Einsatz war? Wir haben nachgefragt.

Ahaus

, 11.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fast jeder, der in Ahaus wohnt, hat ihn schon einmal gesehen: den gelben Rettungshubschrauber mit dem schwarzen ADAC-Schriftzug. Ist er in der Luft, geht es meist um Leben und Tod. In Ahaus landete „Christoph Europa 2“, so der Funk-Rufname der in Rheine stationierten Luftrettung, zuletzt am Montagmittag im Schlosspark. Dort kümmerte sich die Crew um einen 85-Jährigen, der zuvor auf dem nahen Marienplatz zusammengebrochen war. Der Mann wurde ins Krankenhaus nach Enschede geflogen.

1126 Mal in der Luft

Wer den Rettungshubschrauber sieht, geht meist von einem Einsatz bei einem Verkehrsunfall aus. Dabei ging es im vergangenen Jahr allerdings nur in 11 Prozent der Einsätze, wie aus der deutschlandweiten Statistik der ADAC-Luftrettung hervorgeht. Zu Freizeitunfällen hoben die Rettungshubschrauber bundesweit bei 13 Prozent aller Einsätze ab. Im weitaus häufigsten Fall (48 Prozent) wurde die Luftrettung zu internistischen Notfällen wie in Ahaus angefordert. Im Kreis Borken flog „Christoph Europa 2“ im vergangenen Jahr 326 Einsätze; insgesamt hob er im Jahr 2018 genau 1126 Mal ab – also durchschnittlich drei Mal pro Tag.

„Die 326 Einsätze im Kreis Borken teilen sich auf in Primäreinsätze und Sekundäreinsätze“, erläutert Stephan Kruthoff, Leiter der Leitstelle des Kreises Borken. Um Primäreinsätze handelt es sich, wenn der Hubschrauber direkt zur Einsatzstelle fliegt. Derzeit, mit Beginn der Motorrad-Saison, komme es vermehrt zu Unfällen, an denen Motorradfahrer beteiligt seien, berichtet Stephan Kruthoff. Sind sie oder ein Autofahrer schwer verletzt, ist unter Umständen ein schneller Transport mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik erforderlich. Auch bei Personen mit schweren Brandverletzungen, die schnell in eine Spezialklinik gebracht werden müssten, sei der Hubschrauber das Mittel der Wahl.

Rettungshubschrauber schafft die Strecke von Rheine bis Ahaus in zehn Minuten

In Ahaus im Einsatz: „Christoph Europa 2“ von der Luftrettung in Rheine. © Stephan Teine

Aus dem Kreis Borken werden die Verletzten dann unter anderem zur Uniklinik in Münster oder zu Kliniken in Enschede, Bochum oder Gelsenkirchen geflogen. „Je nachdem, wo Kapazitäten frei sind“, erläutert Stephan Kruthoff. Geflogen wird von 7 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit. Zudem ist „Christoph Europa 2“ nicht für die Luftrettung in der Nacht ausgelegt. Dazu bedarf es einer speziellen technischen Ausrüstung.

Tagsüber wird ab Rheine geflogen, wenn es für den Hubschrauberpiloten nicht zu gefährlich wird: Nebel ist eine solche Gefahr, die zum Beispiel die Landung unmöglich machen kann. Bei Eisregen können die Rotoren vereisen. „Es gibt, anders als beim Rettungswagen-Einsatz, beim Rettungshubschrauber keine 100-prozentige Verfügbarkeit“, erklärt Stephan Kruthoff.

Zu Sekundäreinsätzen hebt „Christoph Europa 2“ zum Beispiel ab, wenn es um Verlegungen von Patienten geht, um den Transport von Blutkonserven oder von Organen.

Pilot entscheidet, wo er landet

„Christoph Europa 2“ startet in Rheine, doch wo er landet, ist von Fall zu Fall verschieden. Eines jedoch ist bei der Landung im Notfall gleich: „Die Verantwortung bleibt beim Piloten, der das Luftfahrzeug führt. Er bestimmt, in Abstimmung mit den Einsatzkräften, den Landeplatz“, erklärt der Ahauser Stadtbrandinspektor Berthold Büter. „Insbesondere bei Tageinsätzen sind alternative Landemöglichkeiten aus der Luft oft besser zu erkennen.“ Am Montag war die Rasenfläche im Schlosspark erste Wahl.

Bei der Auswahl des Landeplatzes sind verschiedene Kriterien zu beachten, erläutert Berthold Büter. Hohe Hindernisse wie Masten, Windräder, Bäume oder Gebäude müssen vom Landeplatz ausreichend entfernt sein, um den Hubschrauber im Anflugbereich nicht zu gefährden. Über dem Landeplatz dürfen keine Freileitungen verlaufen, die Fläche muss eben und der Untergrund fest und tragfähig sein und es dürfen keine leichten, losen Gegenstände herumliegen. Erforderlich sei eine Platzgröße von rund 35 mal 70 Metern. „Ein ausgewählter Landeplatz ist frühzeitig durch Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht zu kennzeichnen“, erläutert der Ahauser Stadtbrandinspektor. Um eine gefahrlose Landung zu ermöglichen, sei der Landeplatz zu sichern. „Dazu zählt auch das Fernhalten von Schaulustigen.“

Im vergangenen Jahr gab es im Einsatzbereich der Feuerwehr Ahaus etwa 20 Hubschrauberlandungen. Dabei entfiel der größte Teil auf den Landeplatz am Krankenhaus in Ahaus. Weitere Einsatzstellen waren im innerstädtischen Bereich, auf der A 31, sowie auf den Bundes-, Land- und Stadtstraßen.

Meldung in der Leitstelle

Doch wer fordert den Rettungshubschrauber bei einem Primäreinsatz, einem Notfall, überhaupt an? „Das hat viel mit Erfahrung zu tun“, erklärt Stephan Kruthoff. Anhand der Meldung in der Leitstelle und der Alarmierung der erforderlichen Anzahl an Rettungskräften sei schon ersichtlich, ob zusätzlich auch der Rettungshubschrauber angefordert werden müsse. Am Montag im Schlosspark in Ahaus habe es sich zunächst um einen „normalen“ Einsatz gehandelt. „Dann hat der Notarzt festgestellt, dass der Mann eine kompliziertere Verletzung hat“, berichtet Stephan Kruthoff. „Der Notarzt hat dann über uns den Rettungshubschrauber angefordert.“

Stationiert ist der nächste Rettungshubschrauber in Rheine. Betrieben wird „Christoph Europa 2“ von der ADAC Luftrettung. Träger des Luftrettungszentrums Rheine sind die Kreise Steinfurt und Borken sowie die Stadt Münster. Das in „Christoph Europa 2“ mitfliegende ärztliche Personal kommt aus dem rund 200 Meter entfernten Matthias-Spital Rheine, ein weiteres Crewmitglied (Rettungsfachpersonal) stellte die Feuerwehr Rheine. Gut 10 Minuten benötigt der Hubschrauber des Typs „Airbus Helicopters EC 135“, um von Rheine nach Ahaus zu fliegen (Luftlinie 37,1 Kilometer). Seine Reisegeschwindigkeit beträgt rund 220 km/h, die maximale Flughöhe liegt bei 6060 Metern, die Reichweite bei rund 600 Kilometern.

Über Landesgrenzen hinweg

In Dienst gestellt wurde „Christoph Europa 2“, die Luftrettung in Rheine, Anfang 1982 – damals als SAR 76 und von der Bundeswehr betrieben. 1998 übernahm der ADAC die Station. Der Funk-Rufname Christoph Europa macht übrigens im Namen deutlich, dass Rettungshubschrauber in grenznahen Gebieten vor Landesgrenzen nicht halt machen und auch Patienten im nahen Ausland versorgen.

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