Streit über Millionenerbe: 54-jährige Alstätterin soll mit Auto auf Nichte zugerast sein

rnGericht in Ahaus

Eine 54-jährige Alstätterin soll mit dem Auto auf ihre Nichte zugefahren sein. Vor Gericht widersprechen sich beide Seiten. Der Richter drohte zwei Zeugen mit Freiheitsstrafen.

Ahaus

, 09.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Streit innerhalb einer Alstätter Familie schwelt schon seit geraumer Zeit. Nun erreichte er am Dienstag vor dem Amtsgericht Ahaus seinen vorläufigen Höhepunkt. Eine 54-jährige Alstätterin soll in den frühen Morgenstunden des 9. Oktober 2018 absichtlich mit dem Auto auf ihre 23-jährige Nichte zugefahren sein, sodass diese sich samt ihres Hundes nur noch mit einem Sprung auf den Grünstreifen retten konnte. Der vermeintliche Tatort war der Schwiepinghook in Alstätte, wo auch die beiden Parteien der Familie ihren Wohnsitz haben.

Vor Gericht wurde klar, dass die Familie schon seit einiger Zeit in zwei Lager gespalten ist. Blickkontakt wurde vermieden, nur aufgrund mangelnder Auswahl nahmen die Zeugen nebeneinander Platz. Die Angeklagte und ihre zwei Geschwister streiten offenbar um das Erbe ihrer im Dezember verstorbenen Mutter. So schildert es zumindest die 54-jährige. „Meine Geschwister wollten immer verhindern, dass ich mich um unsere Mutter kümmere, weil sie Angst haben, dass ich die circa 1.000.000 Euro alleine erbe“, sagte die Alstätterin zum Vorwurf der Nötigung.

Sie habe wie jeden Morgen ihren Sohn zur Schule nach Ahaus gefahren und sich dabei „wie immer vorschriftsmäßig“ verhalten. Bei ihrer Rückkehr nach Alstätte standen vier Polizeibeamte auf dem benachbarten Hof ihres Bruders. „Da dachte ich mir schon, dass meine Geschwister etwas ausbrüten. Schon seit 2012 haben sie geplant, mir etwas anzuhängen“, so die Alstätterin.

Nichte hatte nach eigenen Angaben „pure Angst“

Ein gänzlich anderes Bild zeichnete ihre 23-jährige Neffin: „Ich war wie üblich mit meinem Hund spazieren. Das Auto kam direkt auf mich zu und gab noch einmal extra Gas. Damit der Seitenspiegel mich nicht trifft, musste ich einen Satz nach vorne auf den Grünstreifen machen. Am Arm habe ich noch den Windzug gespürt.“ Dabei habe sie – nachdem sie den Wagen ihrer Tante habe starten hören – bewusst den Blickkontakt vermieden: „Ich wollte sie nicht anschauen, damit ich sie nicht irgendwie provoziere.“ Die 23-Jährige erklärte vor Gericht, in diesem Augenblick „Panik“ und „pure Angst“ verspürt zu haben.

Jedoch wich ihre Aussage vor Gericht gleich in mehreren Punkten von dem Polizeiprotokoll ab, wie der Richter erklärte: „Von dem Grünstreifen haben Sie bei der Polizei nichts gesagt. Außerdem erwähnen sie hier das erste Mal, dass sie das Auto ihrer Tante haben starten hören.“ Er wies die 23-Jährige außerdem darauf hin, dass sie auf der für Fußgänger falschen Seite unterwegs gewesen sei. Auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft äußerte seine Skepsis, da die Nichte der Angeklagten vor Gericht erstmals Spuren auf der Rasenfläche erwähnte, die der Wagen hinterlassen haben soll. „Dann hätten sie doch der Polizei direkt vor Ort die Spuren gezeigt“, ergänzte der Richter.

Sohn der Angeklagten entlastet seine Mutter

Als zweiter Zeuge wurde der 19-jährige Sohn der Angeklagten vernommen. Er bestätigte die Aussage seiner Mutter: „Sie hat mich wie üblich zur Schule gebracht. Im Schwiepinghook war an diesem Morgen definitiv kein Mensch unterwegs.“ Er könne sich genau daran erinnern, weil sein Bruder ihm direkt eine Kurznachricht geschickt habe, als die Polizei am 9. Oktober angerückt war.

Nach dieser Aussage nahm sich der Richter beide Zeugen zur Brust: „Einer von Ihnen macht sich gerade strafbar, indem er vor Gericht absichtlich lügt. Sie sollten noch einmal tief in sich gehen, denn wenn es rauskommt, blüht Ihnen eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten.“ Doch die beiden Zeugen beharrten auf der Richtigkeit ihrer Aussagen. „Das ist eine Sauerei und kein Kavaliersdelikt. Ich hoffe, dass die betreffende Person einige schlaflose Nächte vor sich hat“, sagte der Richter kopfschüttelnd.

Weil der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Abschlussplädoyer erneut die Glaubwürdigkeit der 23-Jährigen infrage stellte und Aussage gegen Aussage stand, forderte er einen Freispruch. Dem entsprach der Richter. Damit war der Prozess beendet; der Familienstreit schwelt aber wohl weiter.

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