Täter sucht mit vorgehaltener Waffe bei Ahauserin im Keller eingemauertes Geld

rnAmtsgericht

Seine Geldforderungen untermauerte ein 54-Jähriger bei einer 55-jährigen Ahauserin mit einer vorgehaltenen Waffe. Doch hinter der Tat steckte viel mehr, wie sich im Amtsgericht zeigte.

Ahaus

, 27.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Es war im Juli 2017 als der 54 Jahre alte Angeklagte die Praxis einer 55-jährigen Ahauserin betrat. Im Rucksack führte der Mann folgendes mit: eine Schusswaffe, einen Totschläger, Kabelbinder, Pfefferspray und ein Messer. Dass er mit der Schusswaffe die Frau bedrohte, wie ihm der Staatsanwalt vorhielt, das stritt der Angeklagte am Dienstag im Ahauser Amtsgericht ab. „Die Sachen brauche ich, um mich gegen Hunde zu wehren.“ Verurteilt wurde der Mann trotzdem. Wegen versuchter Nötigung . Denn dass er die Waffe, einen Gasrevolver, auf die Frau richtete, das stand für den Staatsanwalt und den Richter nach der Beweisaufnahme fest. Doch bis dahin war es ein fast dreistündiger Weg mit allerlei Nebenschauplätzen und Dramen.

Geld angeblich eingemauert

Vor Gericht verantworten mussten sich der 54 Jahre alte Wittener und seine 30-jährige Tochter, die als Adresse die Kanzlei ihres Verteidigers angab. Ihr Stiefvater, um dessen Leben es in der Verhandlung überwiegend ging, solle keinen Hinweis auf ihren Aufenthaltsort erlangen.

Verhandelt wurde über den zwei Jahre alten Vorfall. Damals betrat der Angeklagte mittags die Praxis der Ahauserin, zeigte die Waffe und forderte Geld, das angeblich in einer Kellerwand des Hauses eingemauert sei. „Ich gebe zu, dass ich an dem Tag in der Praxis war“, sagte der Mann. Es war der insgesamt dritte Besuch. Bei den zwei vorherigen Terminen hatte sich der Angeklagte im Haus ein wenig umgeschaut. Die Sachen im Rucksack, die brauche er zum Schutz vor Hunden, erklärte der Mann. „Wollten Sie damals einen Hund fesseln?“ fragte der Richter. Der Angeklagte: „Notfalls ja. Wenn ich mich gegen eine Frau wehre, brauche ich keine Waffe.“ Der Richter: „Sie hatten ja ein ganzes Waffenarsenal dabei.“ Der Angeklagte: „Wenn man wie ich in Witten lebt und dort abends unterwegs ist, geht man nicht ohne.“

Stiefvater zahlte nicht

Dass der 54-Jährige die Ahauserin aufsuchte, daran trugen die Lebensumstände seiner leiblichen Tochter, der Mitangeklagten, erheblichen Anteil. Ihr Stiefvater, sagte die Frau, habe jahrelang keinen Unterhalt gezahlt, dafür aber Geld und Vermögenswerte beiseite geschafft. Mehrere der Tochter vorliegende Pfändungsbeschlüsse blieben erfolglos. Auch der Versuch, Forderungen gegen den Stiefvater in Höhe von 200.000 Euro an ein Inkasso-Unternehmen zu verkaufen, scheiterten.

Affäre mit Ahauserin

Ihr Stiefvater habe mit ihrer Mutter gemeinsam ein Unternehmen geführt und sich von ihr Immobilien in Brandenburg überschreiben lassen. Dann habe ihr Stiefvater das gemeinsame Unternehmen bankrott gehen lassen und sich von ihrer Mutter, der Firmenanteile gehörten, getrennt. „Mit seiner zweiten Frau hat er dann eine neue Firma aufgemacht.“ Mit der Ahauserin habe er eine Affäre gehabt. 2011 sei ihr Stiefvater wegen Totschlags an seiner zweiten Frau zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden und erst seit Kurzem auf freiem Fuß, sagte die 30-Jährige. „Er soll nicht wissen, wo ich wohne.“ Ihre Mutter sei schon 2012 gestorben. „Ich hatte niemanden mehr.“

Langsam habe sie damals versucht, zu ihrem leiblichen Vater Kontakt aufzubauen. Die Tochter vermutete, dass ihr Stiefvater, ein passionierter Jäger, vor dem Gang ins Gefängnis bei der Ahauserin Geld und Wertgegenstände gebunkert habe. Die Rede war von Waffen, davon allein eine im Wert von 30.000 Euro sowie einer wertvollen Ikone.

„Schmutzige Wäsche“

„Zum Glück haben wir heute mit dem ganzen Schlamassel nichts zu tun“, unterbrach der Richter den Redefluss der Angeklagten. „Da ist viel Kuddelmuddel und schmutzige Wäsche.“ Auch wenn ihr Vater Vermögenswerte bei der Ahauserin gesucht habe, „dann hat er das nicht mit dem Fotoapparat getan, sondern mit Waffen. „Ihr leiblicher Vater sollte Ihnen helfen, an das Geld zu kommen, das Sie bei der Ahauserin vermuteten“, sagte der Richter zur Angeklagten.

Die 55-jährige Ahauserin berichtete im Zeugenstand über den Tathergang. Beim dritten Termin sei der Angeklagte in ihre Praxis gekommen und habe geäußert, diesmal sei er in eigener Sache da. „Dann holte er eine Waffe aus dem Rucksack und zielte damit in meine Richtung. Er sagte, er wisse, dass in meinem Keller Geld eingemauert sei, das wolle er holen. Er drohte mir mit dem Besuch eines Rockerklubs. Ich sollte auf mein Auto, mein Haus und mein Leben aufpassen.“ Sie habe Angst um ihr Leben gehabt und kämpfe noch heute mit den psychischen Folgen der Tat. „Mir war klar, dass die Tochter dahintersteckt. Sie hatte mich schon vorher mit Anrufen bombardiert und wollte Geld, das angeblich ihr zustehe.“

Im Gefängnis besucht

Die Ahauserin bestätigte, eine Affäre mit dem Stiefvater gehabt zu haben. „Aber Geld ist bei uns nicht eingemauert.“ Ihren früheren Geliebten habe sie anfangs regelmäßig im Gefängnis besucht. „Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm.“ Dass sie monatliche Rentenzahlungen des damals Inhaftierten erhielt, dafür hatte sie folgende Erklärung: „Das war die Gegenleistung dafür, dass ich mehrere Monate seine Hunde gepflegt habe.“

Freispruch für die Tochter

Der Staatsanwalt sah in seinem Plädoyer keine Hinweise, dass die Tochter ihren Vater zur Tat angestiftet habe. Für den 54-jährigen Angeklagten forderte er eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 15 Euro wegen versuchter Nötigung und unerlaubtem Führen einer Schusswaffe. Der Richter sprach die Tochter frei, ihr Vater erhielt eine Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu je 15 Euro. Der Richter: „Ich bin überzeugt, dass Sie vor der Frau mit der Waffe gewedelt haben.“ Er hoffe, beide nicht noch einmal im Gerichtssaal zu sehen, sagte der Richter. „Auch wenn noch einiges an Ungerechtigkeit in der Welt zu sein scheint.“

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