Theater-Ensemble probt die Hexenjagd

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Mit der ersten Kostümprobe steigt das Lampenfieber beim Ensemble, das im Moment ein Hexendrama einstudiert. Der neue Aufführungsort liegt sehr zentral.

Ahaus

, 25.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am zweiten Probenabend des Theaterstücks zum Thema Hexenverfolgung von Hermann Volmer herrschte im Ensemble-Treffpunkt in der Industriestraße in Ahaus fröhliche Aufbruchstimmung. Und das, obwohl das Stück um die „Hexe“ Hille Blomers ein eher trauriges Kapitel Regionalgeschichte aus dem 17. Jahrhundert vor Augen führt. Hille Blomers aus Marbeck wurde 1608 am „Steenern Crüce“ in Wüllen als Hexe verurteilt. Sie starb später nach grausamen Folterungen im Gefängnis.

Theater-Ensemble probt die Hexenjagd

Franziskus Mels als Dominikanermönch und Silvia Mels als Zeugin hatten Spaß bei den Proben. © MEISEL-KEMPER

Die Darsteller probierten an diesem Abend die ersten Kostüme an, darunter Hauben und Mönchskutten. Die Texte für die zwölf Rollen im Stück, die mit insgesamt 35 Laiendarstellern besetzt wurden, hatten sie bereits beim ersten Treffen bekommen und sich zu Gemüte geführt.

Der geteilte Mönch

Franziskus Mels und Klaus Hackfort teilten sich die Rolle des Dominikanermönchs, da sie nur jeweils an einem der beiden Aufführungstermine Zeit haben, mitzuspielen.

Ihr Text, die Predigt des Dominikaners, hat es in sich. Sie bezieht sich auf den „Hexenhammer“ aus dem 15. Jahrhundert, ein frauenfeindliches Pamphlet aus der Feder des Speyerer Dominikanermönchs Heinrich Kramer. Etliche Sätze machten die Menschenverachtung deutlich und rissen die Darsteller zu Widerspruch und ironischen Kommentaren hin.

Dazu gehörten auch einige Freudsche Versprecher von Klaus Hackfort, der den deutschsprachigen Text las, der – gemäß der Sprache der Kirche – mit lateinischen Zitaten gespickt war. Auch darüber wurde kräftig gelacht.

„Ihr müsst das Wort Satan richtig herausschreien und betonen“, korrigierte Regisseur Hermann Volmer „seine“ Mönche, die die Regieanweisung dann auch mit der entsprechend aggressiven Betonung umsetzten.

Viele der Darsteller hat Volmer buchstäblich handverlesen, da er sie einfach persönlich ansprach. So kam Maria Dersen zu ihrer Rolle als „Hexe“ und Silvia Mels zu ihrem Part als eine von vier Zeugen aus dem gemeinen Volk.

Vorteil Plattdeutsch

„Hermann Volmer hat mich persönlich angesprochen, ob ich diese Rolle übernehmen würde. Er meinte damals, ich hätte doch schon Theatererfahrung und ich könne auch Plattdeutsch. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit habe ich zugesagt“, schilderte Maria Dersen.

Ihre Hauptrolle als angebliche Hexe Hille Blomers spiegelt auch die sprachliche Gestaltung der Aufführung wider, die überwiegend – je nach Sprachvermögen der Darsteller – auf Plattdeutsch wiedergegeben wird.

Auf ähnliche Weise war Silvia Mels zu ihrer Rolle gekommen. „Ich saß mit einer Freundin im Café, als Hermann Volmer uns ansprach, er hätte einen Job für uns. Ich freue mich richtig auf die Aufführung!“, betonte Silvia Mels.

Zwei Vorstellungen

  • Am Freitag 30. August, um 19 Uhr, und am Sonntag 1. September, um 16 Uhr wird das Stück „Von Frauenfeindlichkeit und Hexenverfolgung. Blick auf das Schicksal von Hille Blomers aus dem 17. Jahrhundert“ aufgeführt.
  • Allerdings nicht wie angekündigt am „Steenern Crüce“, sondern vor dem Rathaus in Ahaus. Der Eintritt ist frei.
  • Das Projekt wird unterstützt von der Stadt Ahaus, der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, der Plattdeutschen Bühne, dem Drilandkolleg, der Musikschule, dem Heimatverein Wüllen, den Familien Boyer, Dirking und Brömmelhaus.
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