Ahauser Tierheim zu Vermittlungsstopp: Tiere unterm Weihnachtsbaum – das ist der falsche Weg

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Einige Tierheime verzichten zur Weihnachtszeit auf einen Vermittlung. Die Befürchtung: Das Interesse an Tieren geht im Anschluss zurück. So handhabt es das Tierheim in Ahaus.

Ahaus

, 21.12.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine pauschale Absage will Julia Rehermann möglichen Interessenten nicht geben. „Wir entscheiden von Fall zu Fall und differenzieren. Wir wollen auch nicht zum Leidwesen der Tiere handeln, die dann über die Weihnachtstage eine Zeitlang auf ihr neues Zuhause warten müssten“, sagt die Leiterin von Julias Tierheim in Ahaus.

In den Tagen kurz vor Weihnachten wird beispielsweise noch ein Hund an einen älteren Herrn vermittelt. „Sein Hund ist vor kurzem gestorben und war sein langjähriger Begleiter. Momentan fühlt er sich einsam. Daher wünscht er sich einen neuen Vierbeiner“, erzählt Julia Rehermann.

Beim Tierheim in Ahaus gibt es keinen grundsätzlichen Vermittlungsstopp – in anderen Orten bzw. Einrichtungen wird das anders gehandhabt. Bis Anfang oder Mitte Januar werden demzufolge keine Hunde, Katzen, Vögel oder andere Tiere an Interessenten vergeben. Der Deutsche Tierschutzbund hält den „Weihnachtsboykott“ für richtig. „Kein Tier sollte zu Weihnachten verschenkt werden“, erklärt Pressesprecherin Lea Schmitz gegenüber der Hessenschau.

Julia Rehermann tollt gerne mit den Hunden und Katzen des Tierheims herum.

Julia Rehermann tollt gerne mit den Hunden und Katzen des Tierheims herum. © Till Goerke

„Zu Weihnachten soll natürlich kein Tier von uns unterm Weihnachtsbaum landen. Grundsätzlich ist es jetzt so, dass wir sagen: Die Vermittlungen, die jetzt anberaumt sind, die finden noch statt. Aber neue Vermittlungen werden jetzt nicht mehr angegangen“, sagte Tobias Neumann – Leiter eines Tierheims in Siegen – gegenüber dem Deutschlandfunk.

Auch die Leiterin in Ahaus, Julia Rehermann, sagt: „Wenn Tiere unter dem Weihnachtsbaum landen, ist das der falsche Weg. Man sollte sich erst einmal kennenlernen und dann weiterschauen – und nicht gleich beim ersten Besuch in einem Tierheim irgendein Tier mitnehmen.“

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Mit dem Vermittlungsstopp wollen Einrichtungen in erster Linie so genannte „Impulsgeschenke“ verhindern – sprich: Präsente, die unüberlegt, womöglich mangels anderer Ideen oder ohne Rücksprache mit der Familie kurzfristig ausgesucht werden.

Auch Julia Rehermann hat solche Fälle schon in Ahaus erlebt. „Wenn die ersten Fragen die Kosten eines Tieres betreffen, dann wissen wir meistens schon, in welche Richtung es geht.“

Wenn Familien ein Tierwunsch haben und ihren Kindern etwas schenken wollen, muss es nicht zwangsweise der Zwei- oder Vierbeiner selbst sein. „Man kann seinem Nachwuchs auch mit Zubehör etwas Gutes tun. So entwickeln Kinder eine Vorfreude auf ein Tier, das demnächst die Familie erweitert“, schlägt die Tierheim-Chefin vor.

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In ihrer Einrichtung läuft eine Vermittlung so ab, dass sich Interessent und Tier erstmal ein bisschen abtasten. Nicht jeder passe zu jedem – auch die Tiere können einen ganz unterschiedlichen Charakter haben, meint Julia Rehermann. Bei Hunden beispielsweise gibt es immer mehrere Probespaziergänge.

Wenn dann alles passt, begleiten die Mitarbeiter des Tierheims ihren dann ehemaligen Schützling bis in das neue Zuhause. Man wolle sich auch vor Ort einen Überblick verschaffen, ob es die richtige Umgebung für das Tier sei, sagt die Leiterin.

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