Großer Ärger über Ampelschaltung nach tödlichem Unfall: „War nur eine Frage der Zeit!“

rnUnfall Bahnhofstraße

Der tödliche Unfall auf der Bahnhofstraße erhitzt die Gemüter. Ein Ahauser geht sogar so weit und behauptet: „Dieser Unfall war nur eine Frage der Zeit.“ Ihn ärgert die Ampelschaltung.

Ahaus

, 07.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der schwere Unfall auf der Ahauser Bahnhofstraße, bei dem am Montagabend ein 86-jähriger Fußgänger von einem VW Bulli erfasst wurde und mittlerweile seinen Verletzungen erlag, schlägt weiterhin hohe Wellen. Während die Polizei noch dabei ist, den Vorfall aufzuarbeiten und aktiv nach Zeugen sucht, klagt der Ahauser Winfried Terwolbeck über die allgemeine Verkehrssituation in diesem Bereich. Er geht so weit und sagt: „Dieser Unfall war nur eine Frage der Zeit!“

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Für ihn ist es keine Überraschung, dass es ausgerechnet einen ältereren Herrn mit Gehhilfe erwischte. Einen möglichen Grund für den Unfall sieht Terwolbeck nämlich in der „mangelhaften Querungssituation“ in diesem Bereich. „Ich beobachte viele Menschen, die die Ampeln nicht nutzen und stattdessen an einer anderen Stelle die Straße überqueren.“ Denn: „Sie haben es einfach satt, zu warten.“

Lange Wartezeiten sind ein Dorn im Auge

Vor allem die Ampelanlage an der Königstraße auf Höhe Sparkasse/Haverkamp ist ihm ein Dorn im Auge. „Wer schnellen Schrittes unterwegs ist, schafft es während der Grün-Phase gerade so auf die andere Seite. Für ältere Menschen – gerade mit Rollator – ist das unmöglich zu schaffen. Sie dürfen dann auf der Mittelinsel ein weiteres Mal mehrere Minuten warten“, sagt er. Ähnlich – wenn auch nicht ganz so extrem – verhalte es sich an der Marienplatz-Ampel wenige Meter weiter an der Bahnhofstraße.

Ein kurzer Abstecher zu den angesprochenen Ampeln am Mittwochmittag zeigt: Ganz von der Hand zu weisen sind die Vorwürfe nicht. Beim Selbstversuch schafft es der Redakteur zwar bei Grün über die Königstraße in Höhe Sparkasse, eine ältere Dame und erstaunlicher Weise auch zwei junge Frauen bleiben allerdings auf der Mittelinsel zurück. Der Blick auf die Stoppuhr zeigt, warum: Fußgänger haben an dieser Ampel nur zwölf Sekunden zum Queren der gesamten Straße. Die Wartezeit bis zur nächsten Grün-Phase: eine Minute und zehn Sekunden.

„Das regt mich jedes Mal tierisch auf“

„Das regt mich jedes Mal tierisch auf“, sagt Ines Rupert, eine der beiden jungen Frauen. Sie gibt zu, deshalb manchmal schon deutlich vor der Ampel die Königstraße zu überqueren. „Das ist aber gar nicht so ungefährlich, weil hier einige Autofahrer ganz schön drauftreten“, sagt sie.

Großer Ärger über Ampelschaltung nach tödlichem Unfall: „War nur eine Frage der Zeit!“

Über diese Ampel regt sich der Ahauser Wilfried Terwolbeck auf. Er beklagt zu lange Wartezeiten für Fußgänger. © Johannes Schmittmann

Wenige Meter weiter ergibt sich ein ähnliches Bild. Hier zeigt sich allerdings: Vor allem junge Leute nehmen es mit den Ampelfarben nicht ganz so genau. Wilfried Terwolbecks Bauchgefühl, dass es an der Ampel Königstraße längere Wartezeiten gebe, bestätigen sich allerdings nicht. Auch hier warten Fußgänger und Radfahrer eine Minute und zehn Sekunden und haben dann rund elf Sekunden Zeit, die Straße zu überqueren.

Zebrastreifen bei Dunkelheit „gefährlich“

Auf der Plattform Facebook entbrannte kurz nach dem tragischen Unfall sofort eine Diskussion. Wäre denn der Zebrastreifen, der rund 50 Meter von der Unfallstelle entfernt liegt, nicht die einfachste Option gewesen? Eine Userin unterstellte dem 86-jährigen gar „Faulheit“.

Passantin Agnes Pieper (73) reagiert darauf am Mittwochmittag auf Nachfrage der Münsterland Zeitung mit Unverständnis: „In der Dunkelheit und gerade bei Nässe hält hier kein Auto. Da kann man genauso gut an einer anderen Stelle über die Straße gehen.“

Stadt verweist auf Komplexität der Ampelschaltung

Mit den Vorwürfen der Ahauser konfrontiert, erklärte Stefan Hilbring von der Pressestelle der Stadt Ahaus: „Die Ampelschaltung ist ein sehr umfassendes Konzept, bei dem sehr viele Faktoren eine Rolle spielen.“ Man könne nicht einfach an einer Stelle etwas ändern, „sonst verändert sich das ganze Gebilde“.

Hilbring erklärt: „Es hängt alles zusammen. Wir können nicht einfach Grün-Phasen willkürlich verlängern, weil wir dann morgens riesig lange Staus im Berufsverkehr haben.“ Die Hinweise aus der Bevölkerung nimmt er aber sehr ernst: „Wir gehen dem nach und unsere Fachleute werden sich damit beschäftigen. Es kann immer mal passieren, dass etwas nicht zu 100 Prozent optimal läuft.“

„Der Autoverkehr soll möglichst reibungslos laufen“

Keinen Zweifel lässt er aber daran, auf welche Verkehrsteilnehmer das Verkehrskonzept ausgelegt ist: „Der Autoverkehr soll möglichst reibungslos laufen, damit lange Stillstände vermieden werden.“ Ein Punkt, der Winfried Terwolbeck sauer aufstößt: „Es gibt offenbar nur eine Devise: der motorisierte Verkehr muss rollen.“

Er habe sich damals an der Straße „Zum Riddebrocks Busch“ wegen der vielen jungen Familien für Tempo 30 eingesetzt und von der Stadt die gleiche Antwort erhalten: „Da habe ich gefragt: Wie viele Kinder müssen hier erst noch sterben?“

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