Toiletten in der Aabachschule: „Charme eines stinkenden Bahnhof-WCs“

rnGrundschule in Ahaus

In drastischen Worten schilderte die Schulpflegschaftsvorsitzende Dr. Irina Schmidt-Vlachopoulos dem Rat, welche baulichen Mängel die Aabachschule aufweist. Die Toiletten sind nur ein Punkt.

Ahaus

, 13.12.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es waren deutliche Worte, die Dr. Irina Schmidt-Vlachopoulos am Mittwochabend im Rat wählte. In der Einwohnerfragestunde machte die Schulpflegschaftsvorsitzende auf die dringend erforderliche Sanierung der Aabachschule aufmerksam. „Wir als Eltern möchten uns zum Wohle unserer Kinder nicht länger ein um das andere Jahr vertrösten lassen.“

Die Problematik sei der Verwaltung bekannt, sagte Schmidt-Vlachopoulos und nannte als erstes die sanierungsbedürftigen WC-Anlagen der Grundschule. „Sie versprühen den Charme eines in die Jahre gekommenen, stinkenden Bahnhof-WCs.“

„Nur im äußersten Notfall auf die Toilette“

Viele Kinder würden die Örtlichkeiten nur im äußersten Notfall aufsuchen und kämen mit prall gefüllter Blase zu Hause an. „Das ist natürlich ungesund.“

Sinnvoll sei ein Anbau für die Offene Ganztagsschule (OGS) und eine Verlagerung der Mensa ins Erdgeschoss. Mit 110 Kindern in der OGS und der „Schule von 8 bis 1“ würden die zwei dafür vorhandenen Räume aus allen Nähten platzen.

Tendenziell werde der Betreuungsbedarf zunehmen, erklärte Irina Schmidt-Vlachopoulos. „Hier muss Abhilfe geschaffen werden.“

Weiterer Knackpunkt: „Im Obergeschoss fehlt ein Notausgang“, sagte die Schulpflegschaftsvorsitzende. Es mute wie ein Schildbürgerstreich an, wenn ein Notausgangsschild zu einem Fenster weise, aber dann nichts mehr komme. „Dafür muss eine Lösung gefunden werden, zum Beispiel eine außen angebrachte Treppe.“

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Damit war aber das Ende der Mängelliste noch nicht erreicht. „Ein Sanitätsraum ist nicht vorhanden“, berichtete Schmidt-Vlachopoulus, behelfsweise werde eine Klappliege im Kopierraum aufgebaut.

Im Verwaltungstrakt würden ein Mehrzweckraum, ein Förderraum, ein Büro sowie zwei Lehrerarbeitsplätze im Lehrerzimmer fehlen. Erforderlich seien zudem Maßnahmen zum Lärmschutz in den Fluren.

Laut Irina Schmidt-Vlachopoulos hätten Vertreter des Amtes für Arbeits- und Gesundheitsschutz Münster im Oktober die Schule besichtigt und die Renovierungsmaßnahmen für dringend erforderlich befunden.

Fragen an die Verwaltung

Die Feststellung der Schulpflegschaftsvorsitzenden: „Es ist traurig, dass die Planung der Umbaumaßnahmen nun schon fast länger dauert, als eine ganze Grundschulzeit. Wir Eltern, die Lehrerinnen und Kinder wünschen, dass das Projekt Aabachschule in den Haushalt 2020 aufgenommen und der Umbau endlich realisiert wird.“

Ihre Fragen schlossen sich an: Wird die Finanzierung des nötigen Umbaus im Haushalt 2020 Niederschlag finden? Und: Werden die Ausschreibungen so terminiert, dass mit dem Umbau vor den Sommerferien begonnen werden kann?

Für die Verwaltung antworteten der Beigeordnete Werner Leuker und der Technische Beigeordnete Thomas Hammwöhner.

Gesunkene Schülerzahlen

„Fakt ist, dass die Schülerzahlen der Aabachschule seit der Jahrtausendwende von 334 auf 170 gesunken sind“, erklärte Werner Leuker. Auch die Anzahl der Klassen habe sich deutlich verringert.

Gleichwohl verzeichne die Verwaltung bei der im Jahr 2005 gestarteten OGS und der „Schule von 8 bis 1“ Jahr für Jahr steigende Teilnehmerzahlen. Waren es 2010 noch 70 Schüler, die die Betreuungsangeboten nutzten, so sind es im laufenden Schuljahr knapp 110 Schüler.

Die Verwaltung geht davon aus, dass die Schülerzahlen der zweizügigen Grundschule bis 2023 ungefähr gleich bleiben. „Bei den Betreuungszahlen gehen wir von einer Steigerung auf 125 Schüler aus“, sagte Leuker. Um den Platzbedarf zu klären, werde es am Donnerstag einen Termin mit der Schulleitung und einem Architekten geben.

„Wir sehen auch, dass die Toilettenanlagen renovierungsbedürftig sind“, sagte der Technische Beigeordnete Thomas Hammwöhner. Eigentlich hätten sie 2019 renoviert werden sollen, „aber mit Blick auf den Gesamtbedarf und in Abstimmung mit der Schulleitung sammeln wir die Dinge.“

Zum Thema Notausgang sagte Thomas Hammwöhner: „Das haben wir mit der Feuerwehr und dem Ordnungsamt gecheckt. Es handelt sich um einen ordnungsgerechten zweiten Rettungsweg, über den die Feuerwehr anleitern kann.“

Zum Thema Lärmschutz: „Das wird im Rahmen der Umbaumaßnahmen mitbetrachtet.“ Im Etat werde Geld für die Sanierung der WC-Anlagen und weitere Planungen eingestellt.

„100-prozentiger Bedarf“

„Die Toiletten sind definitiv renovierungsbedürftig“, bekräftigte Oda Voerste, Rektorin der Aabachschule, am Donnerstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie stehe voll und ganz hinter den Ausführungen der Schulpflegschaftsvorsitzenden. „Wir haben einen 100-prozentigen Bedarf.“

Die Rektorin berichtete von Gesprächen mit der Verwaltung, einem Ortstermin und einer Einladung ins Rathaus. Es seien gute Sachen geplant, sagte Oda Voerste. „Die Frage ist, wie schnell sie umsetzbar sind.“ Die Aabachschule benötige dringend neue Räume. „Lieber gestern als morgen. Das darf nicht bis 2025 dauern, bis wir hier umbauen.“

Info: Die UWG-Fraktion hatte Anfang des Jahres zum Etat 2019 beantragt, 50.000 Euro für Planungsleistungen für Umbaumaßnahmen an der Aabachschule in den Haushalt einzustellen. Das war mehrheitlich abgelehnt worden.

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