Tritte nach Polizeibeamten kosten 27-jährigen Ahauser über 11.000 Euro

rnGericht in Ahaus

Seine Erinnerung an den 28. September ist im Alkoholnebel versunken. Dennoch wird ein 27-jähriger Ahauser diesen Rausch wohl nie vergessen: Der Abend, der ihn mehr als 11.000 Euro kostete.

Ahaus

, 19.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung – im Alkoholrausch hat ein 27-jähriger Ahauser am 28. September 2018 innerhalb weniger Minuten gleich drei Straftaten begangen. Dafür musste sich der Mann am Dienstag vor dem Amtsgericht verantworten.

Es begann mit einem feucht-fröhlichen Oktoberfest

Der Angeklagte selbst hatte an diesen feuchtfröhlichen Freitagbend nur vage Erinnerungen. An die ersten etwa zehn Maß Bier auf einem Oktoberfest konnte sich der 27-Jährige auf bohrende Nachfragen des Richters noch erinnern. Und an den Wechsel in eine Gaststätte am Oldenkottplatz. „Es wäre wohl sinnvoller gewesen, ich wäre stattdessen nach Hause gegangen“, sagte der Angeklagte. Der Richter nickte zustimmend: „Nach zehn Maß Bier ist wohl eigentlich alles überflüssig.“ Nach dem Lokalwechsel klaffte beim Angeklagten eine große Lücke bis zum bösen Erwachen in der Ausnüchterungszelle der Polizei.

Am Tresen eingeschlafen

Zwei Polizeibeamte konnten sich aber als Zeugen vor Gericht sehr genau an das zwischenzeitliche Geschehen erinnern: Gegen 23.25 Uhr waren sie vom Kellner gerufen worden, weil der betrunkene 27-Jährige das Lokal nicht verlassen wollte und am Tresen eingeschlafen war. Die Polizeibeamten weckten den Mann, suchten mit ihm vergeblich dessen Jacke und geleiteten ihn dann hinaus. Weil der Betrunkene immer wieder zurückkehren wollte, erteilten die Beamten ihm ein Platzverbot für den Oldenkottplatz und führten ihn in Richtung Marienkirche.

Eskalation mit Tritten

Dann eskalierte die Situation. Der Mann versuchte einen der beiden Polizeibeamten zu schlagen. Darauf hin drückten ihn die Beamten zu Boden und versuchten ihn mit Handschellen zu fesseln. „Das ist uns aber nicht ohne weiteres gelungen, weil der junge Mann ja recht kräftig ist. Darum haben wir auch Verstärkung angefordert“, sagte einer der Polizeibeamten vor Gericht. Der 27-Jährige trat am Boden liegend wild nach den Polizeibeamten. Einer von ihnen erlitt Schürfwunden und Prellungen am Knie.

Dem jungen Mann, der eine gute Ausbildung und eine gut bezahlte Arbeit hat, waren diese Schilderungen sichtbar peinlich. Er entschuldigte sich bei beiden Polizeibeamten und schloss mit dem verletzten Polizeibeamten noch während der Verhandlungen einen Vergleich. Beide einigten sich im Gerichtssaal auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 400 Euro.

2,09 Promille

Glaubhafte Reue und Wiedergutmachung sprächen für den Angeklagten, befand der Richter. Zudem billigte er dem 27-Jährigen wegen des Alkoholrausches eine verminderte Schuldfähigkeit zu. Eine Blutprobe an jenem Abend hatte einen Blutalkoholgehalt von 2,09 Promille ergeben.

Allerdings war der Angeklagte vor einigen Jahren schon einmal wegen einer Körperverletzung aufgefallen. Darum sei, so der Richter, der neuerliche tätliche Angriff so schwerwiegend, dass eigentlich vier Monate Freiheitsstrafe angemessen wären.

Saftige Geldstrafe

Stattdessen entschied sich der Richter für eine saftige Geldstrafe über 10.800 Euro (120 Tagessätze à 90 Euro). Damit ging er noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die eine Geldstrafe in Höhe von 7000 Euro (70 Tagessätze à 100 Euro) gefordert hatte. Darüber hinaus muss der Angeklagte auch noch die Kosten des Verfahrens übernehmen.

Der Angeklagte nahm das Urteil an und verzichtete noch im Gerichtssaal auf Widerspruch. Der Richter entließ ihn mit mahnenden Worten. „Ich möchte Sie hier nicht wiedersehen. Beim nächsten Mal ist eine Freiheitsstrafe fällig.“

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