Fahrraddiebstahl

Trotz kreisweit sinkender Zahlen: Thekenrad schon wieder gestohlen

Die Zahl der Fahrraddiebstähle im Kreis sinkt seit Jahren. Für Redakteur Stephan Rape ist das nur ein milder Trost: Sein auffälliges Rad haben Diebe nun schon zum zweiten Mal mitgehen lassen.

Ja, es war gewagt, mein Fahrrad über das Wochenende am Bahnhof in Ahaus zu parken. Trotzdem hatte ich nicht damit gerechnet, dass tatsächlich jemand meine Theken-Fietse mitnehmen würde. Die hat schließlich schon etliche Jahre auf den Felgen.

Jedenfalls ist das Rad weg. Unbekannte haben das Kabelschloss, mit dem ich das Rad am Fahrradständer am Ahauser Bahnhof angeschlossen hatte, aufgebrochen.

Und damit wurde mir das Rad schon zum zweiten Mal gestohlen. Vor zwei Jahren hatte es ein Unbekannter auf den blau-weißen Drahtesel abgesehen und ihn vom Hof unserer Redaktion mitgehen lassen. Damals hatte ich Glück: Das Rad fand ich nach einem Zeugenhinweis einen Tag später in der Innenstadt in einem Vorgarten wieder auf. So viel Glück hab ich bisher nicht.

Polizei nimmt Anzeige auch online entgegen

Zunächst also die Anzeige bei der Polizei: Die bietet dazu ein bequemes Online-Formular an. Daten eintragen, Tathergang beschreiben, Absenden, Fertig. Die „Internet-Wache“ der Polizei antwortet sofort, dass die Anzeige eingegangen ist, sie werde weitergeleitet. Tatsächlich vergehen noch einmal zwei Tage, bis die zuständige Stelle der Polizei im Kreis Borken antwortet. Sie sendet mir schließlich den ausgefüllten Strafantrag zu. Ich soll ihn unterschreiben und zurückschicken. Auch das funktioniert bequem per E-Mail.

Ein Blick in die Statistik der Polizei verrät: Fahrraddiebstähle gehen seit Jahren deutlich zurück. Im Jahr 2020 wurden im Kreis Borken noch 1969 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 35,4 Prozent. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote leicht von 5,6 auf 6,4 Prozent.

Diebstahlzahlen gehen zurück – Aufklärung bleibt schwierig

Wie Pressesprecher Frank Rentmeister von der Polizei im Kreis Borken erklärt, sei es für die Polizei aber sehr schwer, Fahrraddiebstähle zu verhindern oder aufzuklären: Einerseits, weil eine flächendeckende Überwachung kaum möglich sei. Andererseits gehen die Beamten davon aus, dass viele Räder nach dem Diebstahl schnell ins Ausland gebracht werden.

Sie raten eindringlich dazu, das Fahrrad immer an einem festen Gegenstand (Laterne, Fahrradständer, Sicherungsbügel) anzuketten. Das hatte ich ja gemacht. Allerdings hatte ich wohl beim Schloss zu sehr gespart. Die Polizei empfiehlt massive Bügel- oder Panzerschlösser.

Kein Schloss bietet absolute Sicherheit

„Auch die kann man aber natürlich mit dem passenden Werkzeug knacken“, schränkt Bernhard Kaute-Isfort ein. Der Geschäftsführer von Zweirad Kestermann ist einer der drei Fahrradhändler in Ahaus. Er beobachtet seit Jahren, wie die Sicherheitstechnik rund ums Rad immer weiter aufgerüstet wird. Doch auch bei teuren Schlössern würde oft ein guter Seitenschneider genügen, um das Schloss zu knacken. „Es gibt keine absolute Sicherheit“, sagt er. Mit den Schlössern könne man es den Dieben nur möglichst unbequem machen, ein Fahrrad zu stehlen. Er tadelt mich: „Der Bahnhof ist natürlich nicht der beste Ort für ein Fahrrad. Schon gar nicht über Nacht oder über das Wochenende.“ Andererseits müsse man ja aber irgendwie zum Bahnhof kommen.

Verbraucherzentrale rät: Bei der Versicherung genau hinsehen

Nächste Station ist die Versicherung, auch die muss direkt über den Schaden informiert werden. Wenigstens da habe ich vorgesorgt: In meiner Hausratversicherung ist Fahrraddiebstahl auch mit abgedeckt, wenn das Fahrrad außerhalb der eigenen vier Wände gestohlen wird. Die Verbraucherzentrale rät dazu, gerade auch mit Blick auf die teureren Pedelecs, die Versicherungskonditionen genau zu prüfen und im Zweifel eine separate Fahrradversicherung abzuschließen. Die gehen allerdings ins Geld: Für ein 1000 Euro teures Fahrrad kämen da schon Jahresbeiträge von 95 bis 220 Euro zusammen.

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, was Polizei und Versicherung aus dem Fall machen. Ich jedenfalls laufe demnächst zum Bahnhof.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape