Über den Dächern Ottensteins

Ottenstein "Das ist der Höhepunkt meiner Lehre", lacht Simon Breuers, während der Wind sein Haar zerzaust und ein Dohlenschwarm seinen Arbeitsplatz umkreist - für diesen Höhepunkt ist Schwindelfreiheit die erste Voraussetzung.

27.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

37 Meter sind es von der morschen Kirchturmspitze bis zum Pflaster des Kirchplatzes von St. Georg in Ottenstein. Diese Höhe ist auch für die klettererprobten Zimmerleute etwas besonderes. Kirchtürme gehören eben nicht zum Alltasgeschäft. "Wir haben auch schon auf Kirchtürmen in Rees und Essen gearbeitet - aber im eigenen Dorf ist es noch mal ganz 'was besonderes", erklärt Zimmermann Helmut Wewers von der Ottensteiner Firma Terhalle und zeigt, wo zwischen ziegelroten Dächern und grünen Baumwipfeln sein Haus liegt.

Herausforderung

Nicht nur die Höhe, sondern auch die handwerkliche Herausforderung ist nicht alltäglich. Schließlich gehört der Kirchturm von St. Georg mit seinen geschwungenen Linien zu den wenigen Zwiebeltürmen des Münsterlandes. Dass das Gebälk des Turmes der Pfarrkirche St. Georg grundlegend renoviert werden muss, das hatte der Orkan Kyrill im Januar an den Tag gebracht. Er hatte an dem vom Rost angefressenen Turmkreuz gerüttelt. Als es im März ersetzt werden sollte, stellten Experten fest, dass das Gebälk des Turmkegels ab der Kirchturmuhr vollkommen morsch ist. "Es war ein Glück, dass die äußere Kupferhaut den Turm zusammengehalten hat - sonst hätte Schlimmeres passieren können", so der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Franz-Josef Gerwing.

Später Kriegsschaden

Im Grunde handelt es sich um einen späten Kriegsschaden: 30 bis 40 fingerdicke Einschusslöcher in der Kupferhaut hatten vor allem auf der Westseite Regenwasser eindringen lassen, das dem Gebälk schwer zusetzte. Und letztlich auch dem Bistumsetat und der Kasse der Kirchengemeinde: 140 000 Euro kostet die Renovierung, doppelt soviel wie zunächst geschätzt worden war. Zwei Drittel der Kosten übernimmt das Bistum, ein Drittel trägt die Kirchen- gemeinde. gro

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