Umbau statt Musik: Alstätter legt Grundstein für energieautarkes Eigenheim

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Matthias Gerwing ist nebenberuflich Berater für erneuerbare Energien. Sein eigenes Zuhause hat er in diesem Jahr zu einer Art Vorzeigeobjekt umgebaut. Das langfristige Ziel: Energieautarkie.

Ahaus

, 04.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hauptberuflich ist Matthias Gerwing Teamleiter des Kompetenzzentrums Bautechnik an der Berufsbildungsstätte Ahaus (BBS). Allerdings hat der Alstätter zwei weitere große Leidenschaften. Normalerweise tritt der Vollblutmusiker an den Wochenenden regelmäßig mit verschiedenen Gruppen auf. Die Veranstaltungen entfielen in diesem Jahr allerdings größtenteils wegen der Corona-Pandemie.

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So blieb dem dreifachen Familienvater mehr Zeit für ein weiteres „Hobby“, das er mittlerweile auch zum (Neben-) Beruf gemacht hat: erneuerbare Energien. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt sich der Alstätter mit Windkraft, Photovoltaik oder Wasserstoff-Antrieben. Als Energieberater gibt er Tipps, wie man das Eigenheim in Bezug auf regenerative Energien optimieren kann und welche Fördergelder zur Verfügung stehen.

Matthias Gerwings Ziel: Energieautarkie

In diesem Jahr hat er sich dazu entschlossen, aus seinem Einfamilienhaus im Gerwinghook eine Art Vorzeigeexemplar zu machen. „Die ambitionierten Ziele der Bundesrepublik kann man auch auf das eigene Zuhause runterbrechen. Dort erkennt man schnell, was möglich ist. Aber auch, wo die Hürden bei der Energiewende liegen.“

Matthias Gerwing hat die Zahlen über sein Tablet immer im Blick. In seinem Keller steht seit diesem Sommer eine Batterie, die einen Teil der produzierten Energie speichern kann.

Matthias Gerwing hat die Zahlen über sein Tablet immer im Blick. In seinem Keller steht seit diesem Sommer eine Batterie, die einen Teil der produzierten Energie speichern kann. © Johannes Schmittmann

Auf dem Dach installierte er eine Photovoltaikanlage, im Garten steht seit dem Sommer eine Wärmepumpe, im Keller ein Batteriespeicher. Auch die Dämmung des mittlerweile 30 Jahre alten Hauses wurde erneuert. Die Ölheizung flog raus. Außerdem fährt der Alstätter nun E-Auto statt eines Diesels. Matthias Gerwings Ziel: eine möglichst hohe Autarkie. „Es ist ein radikaler Schnitt. Ich möchte so viel Energie wie möglich in den eigenen vier Wänden behalten.“

Sommer hui, Winter pfui

In den Monaten Juli, August und September lief es perfekt. Über ein Programm auf seinem Tablet hat er die aktuellen Zahlen immer im Blick und zeigt auf die Säulen- und Kreisdiagramme. „Man sieht hier: Es ist das übliche Problem, für das es bisher keine passende Lösung gibt. Im Sommer produzieren die PV-Anlagen mehr Strom als ein Haushalt verbrauchen kann. Im Winter dreht sich der Spieß aber leider um.“

Tatsächlich reicht ein Blick auf die Zahlen der vergangenen Tage aus, um das Defizit zu erkennen. Am Freitagnachmittag gegen 16 Uhr bezog er zum Beispiel 482 Watt über die PV-Anlage auf dem Dach, 3466 Watt von den Stadtwerken. „Kälte ist kein Problem, aber gerade im November zeigt sich die Sonne kaum. Daher ist eine vollkommene Energieautarkie in Deutschland noch eine Utopie. 75 bis 80 Prozent sind aber möglich.“ Um dieses Ungleichgewicht zu beheben, brauche es eine enorme Effizienzsteigerung.

„Power-to-Gas“ als Lösung für die Zukunft?

Matthias Gerwing erklärt: „Bisher ist es uns noch nicht gelungen, eine Lösung für die Speicherung der Energie zu finden. Batterien, wie ich sie im Keller habe, können aufgrund ihrer geringen Kapazität nur ein Zwischenschritt sein. Die Lösung liegt meiner Meinung nach in der Umwandlung von regenerativem Strom in einen anderen Energieträger.“ Als Beispiel nennt er das Verfahren „Power-to-Gas“, bei dem mittels Wasserelektrolyse und unter Einsatz elektrischen Stroms ein synthetisches Brenngas hergestellt wird.

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„Es wird viel Geld für die Forschung in die Hand genommen, aber bisher sind die Angebote weder wirtschaftlich, noch ist die nötige Effizienz gegeben“, so Gerwing. Der Alstätter hat aber großes Vertrauen in die Wirtschaft: „Der erste Motor von Gottlieb Daimler war auch noch kein Effizienzwunder, die Entwicklung und Optimierung folgte im Laufe der Zeit. Das Gleiche erwarte ich beim Prozess der Umwandlung von regenerativem Strom in anderen Energieformen.“

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