Umrüstung der Kavernen im Amtsvenn beginnt in Kürze

Operation „Doppelrohr“

Das schwere Gerät für die technisch anspruchsvolle „Operation“ rollt bereits an. Unweit des Standorts der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW) haben an der Ölkaverne S 1 die Vorbereitungen für die Umrüstung des Rohrsystems begonnen, über das die Sole- und Ölspeicherung in der unterirdischen Lagerstätte erfolgt.

EPE/GRAES

von Klaus Wiedau

, 28.09.2016, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf dem Kavernenplatz S 1 laufen die Vorbereitungen für die Umrüstung auf das neue Doppelrohrsystem.

Auf dem Kavernenplatz S 1 laufen die Vorbereitungen für die Umrüstung auf das neue Doppelrohrsystem.

Nach dem massiven Ölaustritt in Gronau-Epe 2014 durch ein Leck in der Verrohrung der Kaverne S 5 hat die SGW in Abstimmung mit dem Erdölbevorratungsverband (EBV) und dem BP-Konzern entschieden, dass sie weiter im Amtsvenn Öl als Teil der nationalen Energiereserve speichern will. Die zuständige Bergbehörde, die Bezirksregierung Arnsberg, hatte dies nach der Havarie an der S 5 jedoch an die Umstellung der Kavernen-Verrohrung auf ein sogenanntes Doppelrohrsystem mit Kontrollraum gekoppelt.

Vor zwei Jahren war an drei Stellen Öl ausgetreten. Lange war nicht klar, warum auf einer Kuhwiese, auf einem Bauernhof und in einem Waldstück das Gemisch aus Öl und Erde an die Oberfläche gepresst wurde. Um das Grundwasser zu schützen, wurde eine unterirdische Schutzwand in einer Tiefe von 3,5 Meter und über eine Länge von über 1500 gebaut. Eine Familie musste ihren Hof aufgeben. Insgesamt sind 73 Kubikmeter Öl ausgetreten, das entspricht etwas drei Tanklastzügen. Wir waren damals vor Ort und haben in einer großen Multimedia-Reportage über den Fall berichtet. 

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Sonderbetriebsplan

Für diese Umrüstung wurden inzwischen genehmigungstechnisch die Weichen gestellt, wie Peter Dörne, Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg, sagte: „Der dafür erforderliche Sonderbetriebsplan wurde inzwischen abschließend besprochen und mit den Landschaftsbehörden abgestimmt. Jetzt folgt das bergrechtlich vorgeschriebene Beteiligungsverfahren.“

Dörne geht davon aus, dass der Plan Mitte Oktober genehmigt und dann auch vor Ort mit den Arbeiten begonnen werden kann. Und die sind durchaus komplex, obwohl nach Dörnes Aussagen „bewährte Technik“ zum Einsatz kommt. Im Fall der S 1 muss zunächst der Kavernenhals in der Tiefe erweitert werden, um so für künftige Kontrollen eine bessere Durchgängigkeit für technisches Gerät sicherzustellen. Die Umstellung auf die Doppelverrohrung sieht dann nach Dörnes Schilderung folgende Schritte vor: In das heutige Rohrsystem wird ein neues Rohr eingeführt. In dieses Rohr wird ein weiteres Sieben-Zoll-Rohr eingeführt und darin schließlich ein Viereinhalb-Zoll-Rohr. Dieses Rohr enthält später Sole, über die die Ein- und Ausspeicherung des Öls im Sieben-Zoll-Rohr gesteuert werden kann.

Die Zwischenräume dienen als sogenannte Ringräume der Kontrolle. Sie werden tief unten zur Kaverne hin abgedichtet, mit Kontrollflüssigkeit gefüllt und drucküberwacht. Ebenso wird der Öldruck am Sieben-Zollrohr sowie der Soledruck an der Viereinhalb-Zoll-Leitung gemessen. Angeschlossen an die Fernwartung der Kaverne lasse sich so künftig die Dichtigkeit der Kavernen-Verrohrung sowohl über die Ringräume als auch über die Drucküberwachungen kontrollieren.

Schritt für Schritt

Die Arbeiten zur Umstellung der Verrohrung werden an der S 1 rund 30 Tage dauern. Danach zieht das erforderliche technische Equipment zur Kaverne S 6 um, die als nächste umgerüstet wird. Es folgt – vermutlich erst 2017 – entweder die havarierte Kaverne S 5 oder die S 3. Die S 3 (heute mit Sole gefüllt) wird voraussichtlich als vierte Kaverne für die Ölspeicherung im Amtsvenn hergerichtet. Der Grund: Durch die neue Doppelverrohrung verlängert sich die Zeit für die Ein- und Ausspeisung des Öls. Um diesen Zeitverlust zu kompensieren, soll eine vierte Kaverne als zusätzlicher Untergrundspeicher dienen.

Wenn die Arbeiten zur Umstellung auf die Doppelverrohrung abgeschlossen sind, verfügen die Öl-Untergrundspeicher im Amtsvenn über den gegenwärtig sichersten Stand der Technik. Dörne: „Das ist dann schon High-End.“  

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