Verfahren wegen sexueller Belästigung gegen Ahauser (21) unter Auflagen eingestellt

rnAmtsgericht

Weil er eine Frau in einer Discothek sexuell belästigt haben soll, stand ein 21-jähriger Ahauser vor Gericht. Dort gestand er die Tat. Das Verfahren wurde unter Auflagen eingestellt.

Ahaus

, 26.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Normalerweise dient eine mündliche Hauptverhandlung der Wahrheitsfindung. Im Falle des 21-jährigen Ahausers sah die Sache am Montagmittag jedoch anders aus. Nur zu Beginn ging es um die Schuldfrage des Angeklagten. Da dieser wenig Plausibles zu seiner Verteidigung zu sagen hatte, verhandelten Richter, Staatsanwältin und Verteidiger stattdessen in der Folge die Auflagen für die Einstellung des Verfahrens – im Falle eines Geständnisses.

Der konkrete Tatwurf gegen den 21-Jährigen laut Anklageschrift: Sexuelle Belästigung. So soll der Ahauser im Oktober 2018 auf der Tanzfläche einer Diskothek in Münster eine „attraktive Frau“ (O-Ton Angeklagter) in den Po gekniffen haben. Diese sei daraufhin sauer geworden und habe ihr Getränk dem Angeklagten in das Gesicht gekippt. Eine Zurückweisung, die der 21-jährige mit einem Schlag in das Gesicht der Geschädigten quittiert haben soll – mit der flachen Hand.

Angeklagter leugnet die Tat zu Beginn

Ein Ablauf, den der Angeklagte zunächst noch von sich wies. „So war das nicht.“ Seiner Schilderung nach habe ihm die Frau ohne Grund ihr Getränk ins Gesicht gekippt und sein Schlag mit der flachen Hand sei ohne Absicht erfolgt. „Das brannte in den Augen. Ich konnte ja nichts mehr sehen“, so der 21-Jährige.

„Ich halte das Vergehen nicht für Pillepalle.“
Staatsanwältin

Ausführungen, die den Richter wenig überzeugten. „Sind Sie sicher, dass das so war? Bleiben Sie bei ihrer Aussage?“ Und noch bevor der Angeklagte etwas antworten konnte, fuhr der Richter fort: „Also entweder hören wir jetzt alle acht Zeugen oder wir bekommen das so hin.“ Und dann begann eine intensive Diskussion zwischen Richter, Verteidiger und Staatsanwältin. Mittelpunkt der Debatte: Welche Auflagen kämen in Frage, sollte der Angeklagte gestehen, um das Verfahren einzustellen zu können.

Doppelte Auflage für eine Verfahrenseinstellung

Nach etwa zehn Minuten verließen der Angeklagte und sein Verteidiger den Saal, um sich zu beraten. Dann kam der Verteidiger alleine zurück, um die genauen Auflagen im Falle eines Geständnisses seines Mandanten abzufragen. Diese umfassen laut Gericht neben der Zahlung eines Schmerzensgeldes an die Geschädigte in Höhe von 1000 Euro in drei Raten auch die Teilnahme an einem sozialen Verhaltenskurs der Jugendgerichtshilfe. „Angemessen in diesem Fall, denn ich halte das Vergehen nicht für Pillepalle“, so die Staatsanwältin. Zu Gute kam dem 21-Jährigen, dass er strafrechtlich bisher nicht nennenswert in Erscheinung getreten war.

Erneut verließ der Verteidiger den Saal. Der Richter rief hinterher: „Das alles gilt natürlich nur im Falle eines ausführlichen Geständnisses ihres Mandanten.“ Einige Minuten vergingen. Dann kehrten der Angeklagte und sein Verteidiger in den Saal zurück. „Wir machen das, wie gerade besprochen“, so der Verteidiger, „mein Mandant wird gestehen.“ Damit entfiel zugleich die Befragung aller Zeugen.

„Man kann jemanden auch ganz freundlich ansprechen, wenn man ihn mag. Das sollten Sie sich merken.“
Richter

Der Ahauser gestand allerdings nicht selbst, er ließ seinem Anwalt das Wort. „Was haben Sie jetzt aus der Sache gelernt?“, hakte der Richter darum beim Geständigen selbst nach. Die Antwort: „Dass so etwas nicht geht und dass ich etwas Dummes gemacht habe.“ Zugleich gab der Richter dem 21-Jährigen noch einen guten Rat mit auf den Weg: „Man kann jemanden auch ganz freundlich ansprechen, wenn man ihn mag. Das sollten Sie sich merken.“

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