Verwaltung: Stadthalle soll nicht für Tierschauen vergeben werden

Diskussion im Ausschuss steht an

Die Arbeiten am Kulturzentrum gehen mit großen Schritten voran. Parallel dazu soll die Politik in dieser Woche über das Nutzungskonzept und die Rahmenbedingungen diskutieren. Ein Satz in der Vorlage für den Kulturausschuss lässt allerdings zumindest die örtlichen Tierzuchtvereine aufhorchen. Dort heißt es: „Die Stadthalle wird nicht für Schauen mit lebenden Tieren vergeben.“

AHAUS

, 11.01.2016, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bisher hatten Politik und Verwaltung immer davon gesprochen, die neue Stadthalle ausdrücklich als Bürgerhalle zu konzipieren. Vor allem sollte sie auch den Ahauser Vereinen für ihre Veranstaltungen offen stehen. Das hatte der Rat zuletzt im vergangenen August ausdrücklich beschlossen. Damals hatten die Politiker entschieden, dass die Stadthalle in Trägerschaft der Verwaltung betrieben werden soll. Neben der größtmöglichen Auslastung sollte besonderes Augenmerk auf die Verwirklichung der Bürgerhalle gelegt werden.

Die Beschlussvorlage, die die Verwaltung für die anstehende Sitzung des Kulturausschusses erarbeitet hat, liest sich jetzt allerdings anders. Denn während bei anderen Aspekten der Planung – etwa der Buchungsfristen oder der Nutzungsentgelte – ausdrücklich zwischen Foyer und Saal unterschieden wird, umfasst der Ausschluss lebender Tiere die gesamte Stadthalle.

Züchter reagieren überrascht

Genau das hatten Zuchtvereine im vergangenen Sommer befürchtet. In einem langen offenen Brief hatten sich drei Vereine an Politik und Öffentlichkeit gewandt und für ihre Belange geworben. Anton Grünewald, Vorsitzender des Vogelzucht- und -schutzvereins Ahaus, reagiert gestern auf die Vorlage deutlich überrascht.

„Uns wurde immer zugesagt, dass wir das Foyer für unsere Ausstellungen nutzen können“, sagt er im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Sein Verein, wie auch andere Zuchtvereine in Ahaus, haben jahrelang in der alten Stadthalle ihre Ausstellungen durchgeführt. Seit deren Abbruch sind die Vereine auf Provisorien angewiesen. Mit Fertigstellung der neuen Halle hatten sie gehofft, wieder einen festen Raum für ihre Ausstellungen zu bekommen.

"Foyer reicht uns ja völlig"

„Wir wollen ja gar nicht in die Halle selbst. Das Foyer reicht uns ja völlig“, erklärt Grünewald. Mit der Formulierung in der Vorlage habe er so nicht gerechnet. „Das ist klar existenzbedrohend“, so Grünewald weiter. Er kündigte an, sich nun an die Politik zu wenden. Der Verein fühle sich auf den Arm genommen, ergänzt Marc Dönnebrink, der die Öffentlichkeitsarbeit für den Verein betreut. „Schließlich haben sowohl alle Bürgermeisterkandidaten als auch die Parteien damit geworben, dass die Halle für alle Vereine zur Verfügung steht“, sagt er gestern. Alternativen – etwa in einer Sport- oder Reithalle – seien nicht geeignet. „Entweder weil sie weit außerhalb liegen oder weil zum Beispiel Vögel nicht auf einem Reithallenboden ausgestellt werden dürfen. Das wäre schädlich für die Tiere“, erklärt er.

Politik muss beraten und abstimmen

Stefan Hilbring, Pressesprecher der Stadt Ahaus, bestätigt die Formulierung, betont aber auch, dass es sich zunächst nur um eine Beratungsgrundlage handele. „Darüber muss die Politik erst im Ausschuss und dann im Rat entscheiden“, sagt er.

Zuletzt sei es in der alten Stadthalle wohl so gewesen, dass die Halle durch die verschiedenen Zuchtausstellungen unverhältnismäßig stark beansprucht worden sei. „Durch die Auf- und Abbauzeiten, als auch durch Reinigung und Pflege“, erklärt Hilbring. Daher solle nun diskutiert werden, ob die Nutzung in Zukunft in der neuen Stadthalle so möglich sei.

Über den Beschlussvorschlag berät zunächst am Mittwoch der Kulturausschuss.

Kernbestandteil des Kulturangebotes in der Stadthalle sollen Theateraufführungen von Tourneetheatern und örtlichen Gruppen, Konzerte auswärtiger Künstler, örtlicher Vereine und Gruppen sowie von Schulen und Musikschule, Ausstellungen heimischer und auswärtiger Künstler sowie Veranstaltungen kommerzieller Partner sein.
Zur Diskussion stehen in der Sitzung des Kulturausschusses auch die Nutzungsentgelte, die für den Saal und das Foyer der Stadthalle fällig werden: Die Stadt Ahaus kann beide Räume kostenlos nutzen. Vereine und Verbände sollen für den Saal am ersten Tag 200 Euro, für das Foyer 100 Euro zahlen. Privatpersonen können den Saal für 1500 Euro und das Foyer für 400 Euro mieten.
Die Sitzung des Kulturausschusses beginnt am Mittwoch, 13. Januar, um 19 Uhr im Ratssaal, Rathausplatz 1.

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