Volksbank: „Niedrige Zinsen sind ein Motor“

Bilanz veröffentlicht

Frank Overkamp ist voll des Lobes für ein Phänomen, das anderen Bankern die Sorgenfalten auf die Stirn treibt: die Niedrigzins-Phase. "Die niedrigen Zinsen sind ein Motor für unsere Region und unser Geschäft", sagt der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Gronau-Ahaus eG. Besonders deutlich werde das an der Baubranche: Niedrige Zinsen bedeuten günstige Kredite für Häuslebauer, bei Bauunternehmern und Handwerkern brummt das Geschäft, der Wirtschaftsmotor läuft.

Ahaus/Gronau

von Frank Zimmermann

, 09.03.2017, 18:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Volksbank: „Niedrige Zinsen sind ein Motor“

Sind guter Dinge: Michael Kersting, Andreas Banger und Frank Overkamp (v.l.) vom Vorstand der Volksbank Gronau-Ahaus.

Doch damit allein lässt sich der Erfolg der Volksbank nicht erklären, den der Vorstand gestern bei der Veröffentlichung der Bilanz für das Jahr 2016 präsentierte. Demnach ist die Volksbank besser als die Konkurrenz, für die aber die gleichen Rahmenbedingungen gelten: "Die Bilanzsumme stieg um 11,7 Prozent, also erheblich mehr als bei unseren Mitbewerbern", sagte Frank Overkamp.

23 Filialen

Tatsächlich schwimmt die Volksbank gegen den Strom, setzt zum Beispiel auf ihr Netz von 23 Filialen von den großen Standorten in Gronau und Ahaus bis hin zum kleinen Eggerode. Und davon werde auch keine geschlossen: "Viele Mitbewerber suchen ihr Heil in Filialschließungen oder in gemeinsam mit anderen Mitbewerbern betriebenen Filialen. Wir konzentrieren uns eigenständig auf unsere Filialen und entwickeln diese weiter", versicherte Overkamp. Im Gegenteil: Renovierungen von Filialen wie in Ottenstein oder Epe und Neubauten wie in Gronau an der Enscheder Straße nennt Vorstandsmitglied Michael Kersting als richtungsweisende Beispiele.

Ein nächstes großes Bauprojekt steht in Ahaus an: "Die Filiale am Markt wird innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre abgerissen", berichtete Vorstandsmitglied Andreas Banger.

Umbruch in Ahaus

Auf dem Grundstück werde dann neu gebaut, in die neuen Gebäude soll Einzelhandel einziehen. Parallel wird die Volksbank an der Parallelstraße ein neues Bankgebäude bauen, in dem dann ein starker Fokus auf Beratung gelegt werde. Das sei einerseits gut für die Innenstadt, weil die Fußgängerzone durch neue Geschäfte noch attraktiver werde. Andererseits profitierten auch die Volksbank und ihre Kunden, weil das Gebäude an der Parallelstraße gut mit dem Auto erreichbar sei, über eine gute Parkplatzversorgung verfüge und auch Platz für einen größeren Veranstaltungsraum biete.

Genossenschaftsidee

Weitere Komponenten des Erfolgskonzepts: Der Vorstand setzt konsequent auf die Genossenschaftsidee, was sich zum Beispiel im Engagement für die Energiegenossenschaft Ahaus-Heek-Legden widerspiegelt. Und das Trio fördert und fordert die Volksbank-Mitarbeiter. So wurden den rund 340 Mitarbeitern im vergangenen Jahr knapp 1200 Fortbildungstage ermöglicht und jeder Mitarbeiter erhielt 500 Euro für die Anschaffung eines IT-Geräts.

Sehr konkret wird die Einbindung der Mitarbeiter, wenn Andreas Banger zum Ende des Halbjahrs in den Ruhestand geht. Einen Nachfolger wird es wahrscheinlich nicht geben. Stattdessen machen Overkamp und Kersting dann als Duo weiter - und geben Entscheidungskompetenz an die Mitarbeiter ab (wenn der Aufsichtsrat zustimmt).

9,1 Millionen Euro Steuern gezahlt

Der Erfolg der Volksbank macht sich auch positiv in der Region bemerkbar: Die Bank hat im vergangenen Jahr 9,1 Millionen Euro an Steuern gezahlt - 3,1 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Mitglieder erhalten eine Dividende von 6,5 Prozent (Jahresüberschuss: 6,9 Millionen Euro). Außerdem setzt die Volksbank auf die Ausbildung junger Menschen "auch über den Eigenbedarf hinaus".

Dass die Kunden für das Gesamtpaket etwas mehr zahlen als bei der Konkurrenz - das räumt das Vorstandstrio nicht nur ein, sondern erklärt, dass dahinter eine bewusste Entscheidung steckt, nach der Devise: Wir sind etwas teurer - aber wir sind es wert.

 

Zahlen der Volksbank Gronau-Ahaus 2016:

Bilanzsumme: 2342,1 Mio. Euro (plus 11,7 %; Vergleichszahlen gegenüber 2015)

Bilanzgewinn: 5,5 Mio. Euro (plus 1,85 %)

Neukreditgeschäft: 337 Mio. Euro (plus 6,3 %)

Kreditbestände: 1948 Mio. Euro (plus 10,8 %)

Kundeneinlagen: 1405 Mio. Euro (plus 10,3 %)

Kundengeschäftsvolumen: 4431 Mio. Euro (plus 10,3 %)

Zinsüberschuss: 47,2 Mio. Euro (plus 6,9 %)

Provisionsüberschuss: 13 Mio. Euro (unverändert)

Personalkosten: 19,4 Mio. Euro (minus 0,9 %)

Sachkosten: 11,7 Mio. Euro (plus 0,7 %)

Mitglieder: 30516 (plus 278)

Kunden: 101088 (plus 1340)

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