Vom Laufsteg in den Büroalltag

Carolin Ehrensberger

Was macht eigentlich Carolin Ehrensberger? Die Ahauserin, die in der fünften Staffel der RTL-Serie "Der Bachelor" mitwirkte und erst als Zweitletzte ausschied. Wir haben sie an ihrem Arbeitsplatz besucht. .

AHAUS

von von Susanne Menzel

, 17.04.2017, 17:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jung, schlank, die blonden Haare zu einem Dutt gebunden, die langen Fingernägel weiß lackiert, das ebenmäßige Gesicht perfekt geschminkt. - Ein Outfit, das gleich beim ersten Anblick die Meinungen spaltet. Während die männlichen Betrachter ein wohlwollendes Grinsen aufsetzen und das Wort "sexy" deutlich in ihren Pupillen zu lesen ist, ist die Rolle der beschriebenen jungen Frau in den Augen der meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen klar definiert: blond, blöd, und nichts dahinter. Carolin Ehrensberger weiß, dass sie spaltet. Sie ist sich bewusst, dass ihr Äußeres Anlass zu so manchem Vorurteil gibt. Vor allem, seit sie in der fünften Staffel der RTL-Serie "Der Bachelor" in der achten und letzten Folge als Zweitletzte - und somit als Verliererin - um die Gunst von Ex-Mr. Germany Oliver Sanne ausschied.

Im Rampenlicht

Seitdem steht die 24-Jährige im Rampenlicht. An ihrem kurzfristigen Wohnort Münster ebenso wie in Ahaus, wo ihre Familie wohnt. Von Laufstegen in Berlin und Cannes ab in die Kleinstadt. Vom Blitzlichtgewitter ins doch eher funktionelle Büro. "Das hört sich so negativ an", kommentiert Carolin Ehrensberger: "Das eine ist mit dem anderen aber gar nicht vergleichbar. In der realen Welt zählen Ausbildung und Beruf. Ich muss wie jeder und jede andere auch für mein Geld arbeiten. Nur vom Glitzer und Glamour kann man nicht leben."

Auf dem roten Teppich

Die Show, die anschließenden Einladungen auf Partys, die Treffen mit diversen Promis: "Ja, sicherlich, das habe ich genossen", gibt die Ahauserin zu. Mit Lena Meyer-Landrut auf dem roten Teppich beim Echo in Berlin. Ein Foto mit Sänger Cro. Begegnungen mit Campino von den Toten Hosen oder mit Bundesliga-Fußballern. Mitgenommen hat sie von dieser bewegten Zeit "vor allem die vielen Erfahrungen. Und das, was ich dabei auch über mich selbst gelernt habe."

Das Leben im Poolhaus beim Bachelor sei schon "recht krass gewesen. Da kamen plötzlich so viele unterschiedliche Charaktere zusammen. Doch man muss darauf achten, dass man sich nicht zu sehr verstellt, sondern dass man bei sich selbst bleibt. Von dort aus ging es zu einem Trip in die Welt. "Und plötzlich liegt dein Leben für alle einsichtig da. Man braucht schon viel Bodenhaftung, um damit umgehen zu können", erzählt Carolin Ehrensberger. Und die richtigen Kontakte. "Zu manchen Dingen wirst Du eingeladen, vieles musst du aber auch selbst bezahlen", verrät sie. Nach Cannes flog sie auf Kosten von RTL: "Flug hin, Dreh vor Ort, Flug wieder zurück. Das dauerte keine 24 Stunden. Zu essen gab’s da nichts. Mein 399 Euro-Kleid habe ich schnell in einem Couture-Laden übergestreift, der sonst sündhaft teure Kleider für Angelina Jolie schneidert."

Anstrengende Bekanntheit

Bekannt zu sein, ist anstrengend. "Man wird überall beobachtet. Und die Leute reden über dich, erfinden Dinge. Das Schlimmste dabei: Man kann sich nicht dagegen wehren", sagt sie. Der Fernsehsender hatte ihr eine Fanpage auf Facebook eingerichtet: "Die Leute müssen ja irgendwie mit dir in Kontakt treten können. Sie wollen nicht nur wissen, wo du deine Kleidung kaufst, sondern auch zu welchem Frisör du gehst. Die Sozialen Medien sind sehr fordernd, sehr anstrengend." Und: "Mein Privatleben ist mir wichtig", sagt sie. "Meine Familie, meine Freunde. Das andere ist eine virtuelle Welt, auf die vor allem Kids abfahren."

Bekannt ist sie immer noch. Nicht selten wird sie auf ihren Bachelor-Auftritt angesprochen. "Firmen schicken mir auch Produkte zu, mit denen ich dann ein Foto in den sozialen Netzwerken posten soll", gibt sie zu. "Das mache ich hin und wieder. Aber dieser ganze Youtube-Hype, der ist nicht meins. Dafür bin ich - glaube ich - schon zu erwachsen", findet sie nachdenklich.

"Zehn Kilo zu dick" für den Laufsteg

Als Steuerfachangestellte wird sie demnächst wieder in Ahaus arbeiten. Und daneben ein wenig modeln. "Aber nicht auf dem Laufsteg. Dafür bin ich nach Angaben einer Model-Agentur mindestens zehn Kilo zu dick." Die Kilos abzuhungern, kommt für sie nicht in Frage: "Ich liebe Pommes. Und mein Leben. Das fühlt sich gerade so richtig entspannt an. Ich bin ein Mensch wie jeder andere, mit einem 40-Stunden-Job. Nicht besser, nicht schlechter." Vielleicht ein wenig bekannter, vielleicht ein wenig hübscher. Eingebildet? Ganz und gar nicht. Eher gut geerdet im Münsterland.

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