Vorstandsmitglied nach Kinderporno-Skandal aus Ahauser Sportverein geworfen

rnKinderpornografie

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Das Vorstandsmitglied eines Ahauser Sportvereins wurde wegen Verbreitung und Besitzes von Kinderpornos verurteilt. Der Verein zog umgehend Konsequenzen.

Ahaus

, 18.02.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sorge der Eltern um das Wohl ihrer Kinder war riesig. Mit entsprechender Aufmerksamkeit verfolgten sie im Frühjahr 2019 den Prozess gegen das 51-jährige ehemalige Vorstandsmitglied eines Ahauser Sportvereins, der wegen Verbreitung und Besitzes von Kinderpornos vor dem Amtsgericht Ahaus stand. Doch die zahlreichen Zuschauer warteten damals vergeblich auf den Stühlen des Gerichtssaals II.

Denn der Angeklagte blieb der Verhandlung fern. Er nutzte die Tatsache, dass es sich bei den gegen ihn gerichteten Vorwürfen juristisch gesehen um ein Vergehen und nicht um ein Verbrechen handelt. So konnte er die Öffentlichkeit meiden, der Spießrutenlauf blieb ihm zumindest an dieser Stelle erspart.

Jetzt lesen

Für die Eltern der Kinder eine augenscheinlich unbefriedigende Situation. Erst über die lokale Presse erfuhren sie von den konkreten Vorwürfen und dem Strafbefehl. Die ersten beiden Fälle sollen sich im November 2016 ereignet haben. Im dritten Fall stellten Ermittler bei einer Hausdurchsuchung im November 2017 das Handy des 51-Jährigen sicher.

Auf diesem fanden sie insgesamt 48 Videos und 129 Bilder mit kinderpornografischem Inhalt. Daher verurteilte ihn das Amtsgericht zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 2200 Euro.

Eltern machen sich weiter große Sorgen

Nachdem es ein halbes Jahr still geworden war um dieses Thema, erreichte die Redaktion der Münsterland Zeitung im Januar ein anonymer Brief. Absender: offenbar Eltern, deren Kinder im betroffenen Sportverein aktiv sind. Nach ihren Informationen habe der 51-Jährige Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. „Wir sind sehr verunsichert“, heißt es in dem Brief. „Ist er verurteilt, freigesprochen oder wurde das Verfahren eingestellt?“

Jetzt lesen

Im letzten Satz schreibt der Verfasser des Schreibens: „Wir haben Angst um unsere kleinen Kinder.“ Auf Anfrage der Redaktion erklärt Benedikt Vieth, Direktor des Ahauser Amtsgerichts: „Der Strafbefehl ist mittlerweile rechtskräftig, nachdem der Angeklagte seinen Einspruch zurückgenommen hat.“ Aus diesem Grund gebe es auch kein zweitinstanzliches Verfahren. Die Bewährungszeit für die zehnmonatige Freiheitsstrafe beträgt wie üblich drei Jahre.

Ahauser Sportverein zieht sofort Konsequenzen

Beim Ahauser Sportverein hatte man noch am Tag der Verhandlungen die Konsequenzen gezogen. Der Vorsitzende erklärte: „Ich habe die Person noch am gleichen Tag aus dem Verein entfernt. Da fackelt man nicht lange, egal wie das Urteil am Ende ausfällt.“ Der Vorstand des Vereins sei von dem Vorfall damals „extrem überrascht“ worden. „Über ein ehemaliges Mitglied haben wir von den schweren Vorwürfen erfahren und sofort interne Ermittlungen aufgenommen“, so der Vorsitzende.

Er stellte klar, dass der 51-Jährige zwar Vorstandsmitglied gewesen sei, aber keine Jugendmannschaft betreut habe. „Er war in unsere Jugendarbeit nie involviert.“ Der Vorsitzende setzte bei dem Fall von Beginn an auf größtmögliche Transparenz. „Wir haben es in der Hauptversammlung angesprochen und immer den Dialog gesucht.“ Deshalb sei er auch überrascht über das anonyme Schreiben an die Redaktion. Er schließe nicht aus, dass es von externen Personen verfasst worden sei.

Lesen Sie jetzt