Wenig zu sehen von der Energiewende

Amprion-Erdverkabelung

Zwei Milliarden Euro will Amprion in eine Hauptschlagader der Energiewende investieren. Doch bevor die 300 Kilometer lange Gleichstromverbindung A-Nord von Emden bis Osterath steht – die auch über Ahauser Gebiet führen könnte – ist noch viel Planungsarbeit zu leisten.

AHAUS

, 05.09.2017, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am Modell wurde gezeigt, wie die Erdverkabelung baulich abläuft.

Am Modell wurde gezeigt, wie die Erdverkabelung baulich abläuft.

Dabei hat der Energieversorger schon das Ziel der Inbetriebnahme der Erdkabelleitung im Blick: 2025 soll der Strom unterirdisch von Nord nach Süd fließen. Mit dem Bau der Leitung will Amprion 2021 beginnen. „Die Energiewende verändert die Kraftwerkslandschaft“, erklärte Projektleiter Klaus Wewering am Dienstagvormittag bei einer Info-Veranstaltung in der Gaststätte Franke in Alstätte.

Eingeladen waren Vertreter der sogenannten Träger öffentlicher Belange: die Kreise Borken, Coesfeld und Steinfurt, Vertreter von Verbänden aus der Landwirtschaft und dem Umwelt- und Naturschutz.

Trassenverläufe

Die Möglichkeit zum Dialog wurde in der nicht-öffentlichen Veranstaltung von den Behördenvertretern eher zurückhaltend genutzt. Einer der Gründe: Noch steht nicht fest, welchen genauen Trassenverlauf die Stromverbindung nehmen wird. An Ahaus entlang könnte das Erdkabel beispielsweise östlich über Ahle und Ammeln verlegt werden; möglich wäre auch eine westliche Strecke über Wessum und Wüllen.

Klar ist laut Klaus Wewering, dass im Norden die Windenergie und im Süden die Photovoltaik stetig wachsen. „Die konventionelle Energie fällt mehr und mehr weg.“ Wewering nannte ein Beispiel: „Rund um Emden wird zehnmal so viel Strom produziert, wie dort verbraucht werden kann.“ Damit der Strom über große Entfernungen in die Verbrauchszentren im Süden der Republik transportiert werden kann, ist die neue Leitung erforderlich. A-Nord soll eine Übertragungsleistung von zwei Gigawatt aufweisen. „Damit kann der Bedarf einer Großstadt wie Köln mehr als gedeckt werden.“

Hemmnisse

Wewering und sein Kollege Sebastian Knauf erklärten den Behördenvertretern, warum es nicht möglich ist, eine Stromtrasse in gerader Linie von Emden bis zum Zielpunkt Osterath zu bauen. „Dafür müssten wir die Niederlande queren, das geht nicht.“ In der Praxis kommen als Hemmnisse sogenannte Raumwiderstände hinzu. Dazu zählen unter anderem Siedlungs- und Naturschutzgebiete sowie Militärobjekte.

In den kommenden Wochen informiert Amprion die Bürger in den Kommunen entlang der möglichen Trassenkorridore. Die vorgetragenen Hinweise will das Unternehmen aufnehmen. Im März 2018 möchte der Energieversorger die Unterlagen für den „Vorzugskorridor“ an die Bundesnetzagentur schicken. Danach soll es mit dem Planfeststellungsverfahren weitergehen.

35 Meter Graben

Beim Bau auf freier landwirtschaftlicher Fläche beansprucht der Graben für das Erdkabel eine Breite von rund 35 Metern. Bagger heben den Boden ab und lagern ihn neben dem Graben. In einer Tiefe von etwa zwei Metern werden Leerrohre für die Kabel eingezogen.

Anschließend wird der Boden zurück in den Graben verfüllt. Ob das stromführende Erdkabel zu höheren Temperaturen an der Erdoberfläche führt, wollten die Vertreter der Info-Veranstaltung am Dienstag wissen. Amprion geht von einem maximalen Anstieg von zwei bis drei Grad an der Oberfläche direkt über dem Erdkabel aus.

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