Weniger tödliche Unfälle - Sprayer begeben sich zum Taggen aber oft noch in Gefahr

rnGraffiti kosten die Bahn jährlich Millionen

Züge sind ein attraktives Ziel für Sprayer - sie fahren mit dem eigenen Kunstwerk oft tagelang durch die Gegend. Doch es gibt auch legale Möglichkeiten, wo sich Sprayer verewigen können.

von Paul Klur

Ahaus

, 06.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Illegale Graffiti sind an vielen Orten ein Problem. Besonders häufig betroffen ist die Bahn. Züge zu taggen, also mit dem eigenen Erkennungszeichen oder Kürzel zu versehen, ist für Sprayer besonders attraktiv. Mit der Bahn fährt das Graffito schließlich durch viele Städte und ist nicht nur an irgendeinem Ort angebracht. „Ein nagelneuer ICE 3, der über Hamburg, Berlin und München fährt hat da natürlich einen besonderen Reiz, weil es dafür mehr Anerkennung in der Szene gibt“, sagt Jens Flören von der Bundespolizei in NRW. Beim sogenannten „Bombing“ gehen die Sprayer dabei noch weiter. „Da kommen oft 10 bis 15 Leute vorbei und halten einen Zug an einer Station an“, erklärt Flören. Von einer solchen Aktion war an Neujahr eine S-Bahn in Dortmund betroffen. Mit Einkaufswagen auf den Gleisen und Rauchbomben legten Vermummte die Bahn lahm und beschmierten sie innerhalb von fünf Minuten.

Teure Schmierereien

„Durch Graffiti sind der Bahn allein in NRW im Jahr 2018 2,8 Millionen Euro Schaden entstanden“, sagt ein Bahnsprecher. „Graffiti sind bei der Bahn der Schwerpunkt der Vandalismus-Delikte.“ Für das Unternehmen sei es dabei besonders wichtig, die Graffiti innerhalb von einem bis drei Tagen zu entfernen - um damit den Anreiz für die Sprayer möglichst gering zu halten.

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Nicht nur auf den Gleisen begeben sich die Sprayer bei ihrem Vorgehen in Gefahr. „Brücken, hohe und exponierte Bauwerke sind beliebt, damit die Schmierereien gesehen werden“, sagt Jens Flören. Das sei etwa in Köln bei Brücken in der Nähe des Doms besonders stark zu beobachten. „Besonders im Dunkeln sind die Sprayer dabei häufig in Lebensgefahr“, so Flören. Früher habe es auch tödliche Unfälle gegeben, bei denen etwa Sprayer von Zügen erfasst wurden. Schwere Verletzungen und Unfälle kommen derzeit aber nur noch selten vor. „Die Hochphase des Graffiti war in den 90er- und 2000er-Jahren“, so Flörens Einschätzung. Das Problem sei aber immer noch existent, was man nicht zuletzt an den hohen Schadenssummen ablesen könne.

Wo Sprayen legal ist

Für Sprayer gibt es aber auch Möglichkeiten, sich legal mit der Sprühdose auszutoben. Die Internetseite Legal-Walls.net bietet eine von Nutzern zusammengestellte Übersicht über Wände, auf denen Graffitikünstler arbeiten dürfen. Auf einer Karte können die Orte abgerufen werden, oft finden sich Erlebnisberichte von Sprayern darunter. Mehr als 1900 Wände sind hier verzeichnet, davon Hunderte in Deutschland. Die Betreiber der Seite weisen darauf hin, dass Sprayer die Situation immer bei lokalen Behörden gegenchecken sollen. Schließlich könnten die Informationen veraltet sein.

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