Wer bestimmt Corona-Hotspots und ab wann ist der Kreis Borken keiner mehr?

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Mit einem Inzidenzwert von über 50 gehört der Kreis Borken zu den innerdeutschen Corona-Hotspots. Wie lange wird das noch so sein? Und welche Werte sind dazu ausschlaggebend?

Kreis Borken

, 22.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Coronazahlen im ganzen Land – und so auch im Kreis Borken – steigen in den vergangenen Wochen alarmierend an. Wer ist in NRW eigentlich dafür zuständig, Regionen als Risikogebiete zu erklären? Wo finde ich die aktuellsten Corona-Fallzahlen? Wie kann es sein, dass es immer wieder zu Diskrepanzen bei den Werten von Kreis und Landeszentrum kommt und ab wann gilt der Kreis Borken nicht mehr als Corona-Hotspot? Hier gibt es Antworten auf häufig gestellte Fragen:

? Wer ist für die Erklärung von Risikogebieten in NRW zuständig?

So leicht ist diese Frage gar nicht zu beantworten. Marieke Degen, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI), erklärt auf Anfrage der Redaktion: „Generell: Das RKI weist keine innerdeutschen Risikogebiete aus.“ Man sei nur für ausländische Risikogebiete zuständig.


Carsten Duif, Pressesprecher beim Gesundheitsministerium NRW, erklärt das Problem: „Es ist zu unterscheiden zwischen ausländischen Risikogebieten, die vom RKI definiert werden, und innerdeutschen Regionen, die eine hohe Sieben-Tages-Inzidenz aufweisen.“ Diese heißen eben offiziell nicht Risikogebiet.

? Wie nennt man den Kreis Borken denn dann?
Die Corona-Schutzverordnung des Landes spricht tatsächlich nicht von Risikogebieten. Dort werden nur Orte mit „Gefährdungsstufen“ definiert. Liegt die Inzidenzzahl für einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt bei über 35, spricht man von Gefährdungsstufe eins, bei über 50 von Gefährdungsstufe zwei.
Nichtsdestotrotz wird auch in NRW das Wort Risikogebiet genutzt – wahrscheinlich weil es griffiger ist als die in der Corona-Schutzverordnung vorgesehene Bezeichnung. Ministerpräsident Armin Laschet sprach zuletzt von Corona-Hotspots.

? Wer aber ruft denn nun eine Gefährdungsstufe aus?

Dafür ist der Kreis zuständig. Dabei richtet er sich jedoch nach den Zahlen des Landeszentrums Gesundheit. Theoretisch könnte und dürfte der Kreis selbstständig anhand der eigenen Daten die Gefährdungsstufe ausrufen. Schließlich veröffentlicht er jeden Tag einen selbst errechneten Inzidenz-Wert.

Doch das macht er nicht. Er wartet auf die offiziellen Zahlen des Landeszentrums Gesundheit, die sich oft von den Kreis-Werten unterscheiden.

? Wie kommt es denn zu diesen Diskrepanzen?

Der Grund liegt in der Datenerfassung. Der Kreis Borken veröffentlicht normalerweise morgens gegen 10 Uhr die aktuellsten Zahlen. Diese gehen dann auch an die offiziellen Stellen beim Land. Die aktualisieren die Daten aber erst in der darauffolgenden Nacht um 0 Uhr. Das Landeszentrum Gesundheit ist also meist einen Tag im Verzug.

? Warum aber ist der Inzidenz-Wert nicht nur verzögert, sondern manchmal völlig unterschiedlich?

Das liegt daran, dass Testergebnisse manchmal nachgereicht werden – auch Tage später noch. Damit die Statistik richtig ist, werden die Infektionen für den entsprechenden Tag nachgetragen. Dadurch ändert sich nachträglich auch der Inzidenz-Wert. Durch den unterschiedlichen Meldezeitpunkt beider Behörden kommen deswegen manchmal auch unterschiedliche Zahlen heraus.

? Könnte es passieren, dass der offizielle Inzidenz-Wert wieder unter 50 sinkt, obwohl die Zahlen des Kreises von deutlich mehr Fällen sprechen?

Ja, das ist möglich. Denn am Wochenende meldet der Kreis Borken keine Zahlen, das Landeszentrum Gesundheit veröffentlicht aber auch dann Inzidenz-Werte und berechnet die falsche Null vom Wochenende mit ein. In der Vergangenheit war zu beobachten, dass der offizielle Wert gerade in diesen Zeiträumen sank. Am Montag trägt der Kreis die Daten nach und wenig später sind dann auch die Werte beim Land wieder auf dem aktuellsten Stand.

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? Wird das nicht zu einem Problem, wenn es darum geht, die Gefährdungsstufe wieder aufzuheben?

Nein. Denn die Gefährdungsstufe endet nicht, wenn der Grenzwert mal kurzzeitig unterschritten wird. In der Corona-Schutzverordnung des Landes ist vielmehr festgelegt, dass die Gefährdungsstufe erst aufgehoben wird, nachdem die jeweiligen Grenzwerte der Sieben-Tages-Inzidenz an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten wurden. Auch hier richtet sich der Kreis nach den Werten des Landeszentrums Gesundheit.

? Welche Werte sind denn auschlaggebend, wenn man als Bürger des Kreises Borken in ein Bundesland fahren möchte, in dem es ein Beherbergungsverbot gibt?

Das RKI sagt ganz klar, dass die Werte des Gesundheitsamtes vor Ort die aktuellsten sind und diese daher auch Basis für Entscheidungen sein sollten. In der Praxis aber schauen viele Hotels und Ferienwohnungsbesitzer auf die Tabelle des RKI, um herauszufinden, ob in dem Herkunftsort eine Gefährdungsstufe gilt. Dort sind übrigens dieselben Daten zu finden wie beim Landeszentrum Gesundheit. Diese sind online abrufbar: www.lzg.nrw.de

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