Wirre Aussagen beim Prügelprozess vor Amtsgericht

Zeugen mit Erinnerungslücken

Alkohol und die Dunkelheit verschleierten die Erinnerungen von drei 20-jährigen Ahausern. Trotzdem waren sie sich sicher, dass die vier Angeklagten, die ihnen am Donnerstag vor dem Ahauser Amtsgerichts gegenüber saßen und dort auch freigesprochen wurden, nach einer Pöbelei auf dem Karparten-Festival Schuld an einem gebrochenen Sprunggelenk waren. Zumindest zu Beginn.

AHAUS

, 12.01.2017 / Lesedauer: 3 min

"Denk ich mal", "Könnte sein" und "Nicht ganz eindeutig" - Vermutungen schmückten die Aussagen der Zeugen, die versuchten, vor Gericht eine Geschichte aus dem Frühjahr Revue passieren zu lassen. Was sicher war: Einer der Zeugen fuhr in dieser Partynacht in einem Krankenwagen weg. "Wir waren auf dem Weg zum Taxi und wurden von einer Gruppe angepöbelt, wenig später wurde ich geschubst und dann wurde ich getreten", erzählte das 20-jährige Opfer dem Richter.

Dass es zuvor zu kleineren Sticheleien zwischen den beiden Gruppen kam, bestätigte einer der Zeugen: "Ich dachte, ich seh meinen Arbeitskollegen und habe ihn Ömmelhans gerufen", sagte ein 22-jähriger Leiharbeiter. "Das war aber nur eine spaßige Situation und dann wollten wir nach Hause." Wenig später wurden die Angeklagten von der Security festgehalten.

Tat nicht gesehen

Doch ob die Gruppe, in der sich der "Ömmelhans-Rufer" befand, auch die Gruppe war, die schubste und zutrat, konnte das Opfer nicht bestätigen. "Ich lag ja mit dem Gesicht nach unten. Aber das waren die Einzigen, die in der Nähe waren." Auch das Erinnerungsvermögen seiner beiden Begleiter schien von dem Abend nicht mehr ganz frisch zu sein. Zunächst beschuldigte ein Zeuge die Angeklagten, die Tat begangen zu haben. Wenig später stellte sich heraus, dass der Zeuge die Tat gar nicht gesehen hatte, weil er wegen der kleinen Stichelei zuvor die Security gesucht hatte. Als er mit der Security zum Tatort kam, waren die Schubser schon weggerannt.

"Sie haben die wichtige Aufgabe, dass hier niemand fälschlicherweise verurteilt wird", ermahnte der Richter den Zeugen und fragte erneut, welcher Aussage er sich sicher sei und was nur Vermutungen seien. Auch die Erinnerungen des dritten Zeugen waren durch den Alkohol getrübt: "Es ist ja auch ein Jahr her und da waren eine Menge Leute auf dem Platz."

Keine klaren Beweise

Selbst der geladene Polizist konnte dem Richter bei der wirren Geschichte nicht helfen, Licht ins Dunkle zu bringen. Denn die beschuldigte Gruppe wurde nur von der Security dem Polizisten übergeben. Und die Leute vom Wachdienst, die möglicherweise aussagen könnten, die waren zum Prozesstag unbekannt. "Es wäre hilfreich, wenn sich die Polizei bei solchen Taten auch die Namen des Sicherheitspersonals aufschreiben würde", tadelte der Richter den Polizisten.

Nachdem der Richter viele "nicht konstante Aussagen" gehört hatte und es keine eindeutigen Beweise dafür gab, dass genau diese Gruppe Schuld an dem gebrochenen Sprunggelenk des Opfers war, sprach er alle vier Angeklagten frei.

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