"Zugvogel" der Seelsorge

Ahaus Jedes Jahr macht er sich auf die eintausend Kilometer lange Reise von Polen nach Ahaus, um im St. Marien-Krankenhaus eine Urlaubsvertretung zu übernehmen. Seit 25 Jahren ist Pater Paul Gwozdz ein "Zugvogel" der Seelsorge.

18.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

1982 bot sich für den polnischen Pfarrer erstmals die Gelegenheit im Ahauser Krankenhaus eine Urlaubsvertretung zu übernehmen. Sein Hausname "Gwozdz" werde für die Deutschen ungewöhnlich sein, gab ihm seinerzeit ein in Ahaus wohnender polnischer Geistlicher mit auf den Weg zu seiner Vorstellung im Krankenhaus. Darum stellte Gwozdz sich dort kurzerhand als "Pater Paul" vor.

In den ersten Jahren bei niedrigen Flugpreisen flog er, später nahm er das eigene Auto und jetzt nimmt er aus Altersgründen den Linienbus, der täglich von der russischen bis zur französischen Grenze fährt und Deutschland quert. In Allenstein (Ermland/Masuren), dem ehemaligen deutschen Ostpreußen, unweit der russischen Exklave Königsberg, steigt der Pfarrer in den Bus, der ihn in 20 Stunden nonstop nach Münster bringt. Bis Ahaus ist das - für polnische Verhältnisse - dann nur noch ein Katzensprung.

"Ach, Pater Paul, sind Sie wieder da." So begrüßen die Mitarbeiter den liebenswürdigen, gern gesehenen und allseits bekannten Gast und Mitarbeiter immer wieder. "Im Sommer gehört er wie selbstverständlich dazu. Wir würden ihn vermissen, wenn er nicht da wäre", so eine langjährig tätige Krankenschwester.

Arbeit und Urlaub

"Ahaus, das ist für mich Arbeit und Urlaub zugleich: ich werde gebraucht, das gibt mir Sinn - und Urlaubsgefühle habe ich, weil es eine Dusche und gutes Essen gibt. Das habe ich im polnischen Pfarrhaus nicht", so Pater Paul. Kirchensteuer gibt es nämlich in Polen nicht, die Geistlichen sind auf Spenden angewiesen, genießen aber andererseits ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Priestermangel gibt es in Polen nicht. "Wenn ich meinen Platz aus Altersgründen, ich bin 75 Jahre alt, bald räumen muss, gibt es genügend Nachwuchs, obwohl meine beiden Gemeinden nur aus 491, zumeist älteren Menschen, bestehen", so Gwozdz, der sowohl die polnische als auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.

Reisestrapazen zu groß

Trotz Geldmangel setzte er sich neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit immer leidenschaftlich für den Erhalt der um 1370 vom Deutschen Ritterorden erbauten beiden Kirchen ein. Da blieb fürs Pfarrhaus nichts übrig.

"Kommen Sie im nächsten Jahr wieder?", Pater Paul senkt traurig den Kopf: "Ich glaube, ich schaffe die Strapazen der Reise nicht mehr, aber Ahaus kann man nicht so leicht vergessen." MPB

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