Zukunft von Wessumer Arztpraxis ungewiss

Donnerstag Entscheidung

Dr. Rommel und Dr. Yilmaz-Neuhaus zwischen Hoffen und Bangen. Das ist keine Doku-Soap im TV, sondern das echte Leben. Die beiden Ärzte befürchten, dass sie am 1. Mai ihre Praxisräume an der Hamalandstraße 24 in Wessum schließen müssen. Die Entscheidung fällt am Donnerstagabend im Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.

WESSUM

, 04.04.2017, 22:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Allgemeinmediziner Dr. Wolf Rommel übernahm im Mai 2016 die Praxis seines Schwiegervaters Dr. Mohamed Abu Tair. Internist Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus folgte im August. Doch ein zeitgemäßes Wirken ist in den Praxisräumen, die Abu Tair über 30 Jahre lang nutzte, nicht mehr möglich.

"Die Räume sind zu klein und nicht behindertengerecht. Die Türen zum Beispiel sind viel zu schmal", erklärt Yilmaz-Neuhaus. Das Gebäude sei 35 Jahre alt. "Eigentlich müsste es kernsaniert werden. Aber das ist nicht unsere Entscheidung. Wir sind hier Mieter." Ebenfalls ein großes Problem: "Wir haben hier nur fünf Parkplätze, die uns gehören. Viel zu wenig. Patienten, die nebenan auf Privatparkplätzen parken, bekommen mittlerweile Knöllchen."

Neue Praxis in Ahaus

Wachstum ist an der Hamalandstraße 24 nicht möglich. Darum haben sich die Ärzte entschieden, zum 1. Mai ihre Praxis ins alte Kreishaus in Ahaus zu verlegen. Liebend gerne würden sie den Standort in Wessum als sogenannte Filialpraxis fortführen. Als Ärzte würden sich Dr. Rommel und Dr. Abu Tair die Arbeit teilen. Letzterer praktiziert wieder und betreut vor allem arabisch sprechende Patienten.

Aber so einfach ist das nicht. Dr. Rommel: "Vereinfacht ausgedrückt zieht die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mit einem Zirkel auf der Karte einen Radius und schaut, wie viele Ärzte in dem Gebiet niedergelassen sind. Kommt sie rechnerisch zu dem Ergebnis, dass eine Überversorgung da ist, dann ist eine Zweigstelle eher nicht möglich." Deutlicher: Wenn die KV am Donnerstag die Gründung der Filialpraxis ablehnt, verfügt Wessum ab dem 1. Mai über keinerlei hausärztliche Versorgung mehr.

Projekt Filialpraxis

Vor Weihnachten starteten Rommel und Yilmaz-Neuhaus gemeinsam mit ihren Anwälten das Projekt Filialpraxis. Ohne anwaltlichen Beistand, das geben die beiden Mediziner gerne zu, sei das komplizierte Zulassungsrecht für Ärzte gar nicht zu durchdringen.

Rommel: "Als Arzt kann man sich ja nicht wie eine Imbissbude da niederlassen, wo man will." Was die Sache zudem verkompliziert: Die Verlagerung ins alte Kreishaus ist ein Verfahren, die Genehmigung einer Filialpraxis ein anderes. Hinzu kommt, dass verschiedene Gremien entscheiden.

Nichts Schriftliches

Doch wie vor Gericht und auf hoher See, so ist man auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Gottes Hand. Rommel: "Die KV hält sich mit Aussagen sehr zurück." Zuerst sei Tenor gewesen, dass es möglich sei, die Filialpraxis zu eröffnen. "Schriftlich gibt es aber nichts." Zuletzt sei von den Anwälten angedeutet worden, "dass es vielleicht doch nichts werden könnte mit der Filialpraxis." Grund: Auf dem Papier seien im Umkreis von drei Kilometern mehrere Arztpraxen.

Die beiden Ärzte mussten jedoch schon Vorkehrungen treffen. "Wir sind davon ausgegangen, dass unsere Filialpraxis genehmigt wird." So orderten Rommel und Yilmaz-Neuhaus technisches Equipment und stellten für die vorgesehene Zweigstelle Personal ein. Das alles in dem Wissen, dass es kein Recht auf die Filialpraxis gibt. Lehnt die KV das Projekt der Wessumer Ärzte ab, müssen ihre mehr als 3000 Patienten ab Mai einen deutlich längeren Weg zum Hausarzt antreten.

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