Zur Gemeindefusion in Ottenstein und Alstätte: Die Kirche und das liebe Geld

rnSerie Fusion

Der Pfingstmontag 2013 war die Geburtsstunde der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt Alstätte-Ottenstein. Was hat sich seitdem verändert? Im vierten Teil kommt der Kirchenvorstand zu Wort.

Ahaus

, 28.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch die katholische Kirche ist ein Stück weit ein Wirtschaftsunternehmen. Der Kirchenvorstand von St. Mariä Himmelfahrt Alstätte und Ottenstein kümmert sich um die Finanzen der Pfarrgemeinde. Seit der Fusion im Mai 2013 achten die Mitglieder des Ausschusses darauf, dass Einnahmen und Ausgaben auf beiden Seiten der Hörsteloer Wacholderheide in Balance sind. Um welche Tagesordnungpunkte es an diesem Abend im Ottensteiner Pfarrheim genau geht, bleibt natürlich den Ohren der Vorstandsmitglieder vorbehalten.

Nur so viel: Um gemeinsam finanzielle Entscheidungen für beide Orte treffen zu können, bedarf es reiflicher Überlegung und eines guten Gemeinschaftsgefühls. Tatkräftige Unterstützung bekommen die Kirchenvorstandsmitglieder dabei von der Zentralrendantur Ahaus-Vreden, vertreten durch Heinz Gewering. „Das Gefühl, von der größeren Pfarre geschluckt worden zu sein, ist sicher immer noch da. Gerade bei den Alteingesessenen. Vom Rechtlichen her ist Ottenstein aber nicht geschluckt worden. Beide Pfarrgemeinden haben aufgehört zu existieren und es ist eine ganz neue entstanden“, erklärt Gewering den Prozess, den die Gemeindeteile bei der Fusion durchlaufen haben.

Gremien arbeiten zusammen

Zehn Personen gehören heute dem Kirchenvorstand an, die sich in unterschiedlichen Ausschüssen einbringen und von denen drei aus Ottenstein und sieben aus Alstätte stammen. Bei jeder Kirchenvorstandssitzung ist ein Mitglied des Pfarreirats dabei, um die Zusammenarbeit der beiden Gremien besser koordinieren zu können. Einmal jährlich tagen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat sogar gemeinsam. Diesmal ist der Ottensteiner Georg Garming aus dem Pfarreirat zu Gast und er hat eine klare Meinung. „Wir sind eine Kirchengemeinde. ‚Du kommst aus Alstätte und du aus Ottenstein‘ , das gibt es in dem Sinne nicht“, sagt Garming mit Überzeugung.

Und es läuft gut, da sind sich alle einig. Auch jetzt, wo mit 2020 das verflixte siebte Jahr bevorsteht. „Die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit wurde von den Mitgliedern relativ schnell begriffen. Ich habe das damals als Kaplan in anderen Gemeinden ganz anders erlebt als in Vreden und Ottenstein“, lobt Pfarrer Matthias Wiemeler seine Mitstreiter. Diese haben gleich zu Anfang viel Zeit und Engagement darin investiert, um zusammenzuwachsen. Auch schon vor dem denkwürdigen 20. Mai 2013, wie sie versichern. Schließlich trägt die Gruppe eine große Verantwortung für das Geld von ehemals zwei Pfarrgemeinden.

Frische Ideen und neue Gesichter

„Beispielsweise hatten wir ein Wochenende, wo wir uns gegenseitig kennengelernt haben. Nichtsdestrotz muss die Gemeinde sich noch daran gewöhnen. Die sagen teilweise immer noch: ‚der Ottensteiner Pastor‘ und ‚der Alstätter Pastor‘“, meint Alois Voß schmunzelnd. Diese ganz normale, dörfliche Rivaliät werde wohl nie so ganz abgelegt werden. Alle drei Jahre wird eine Hälfte des Kirchenvorstands neu gewählt. Hin und wieder täten neue Gesichter und frische Ideen dem Gremium ganz gut, finden die Mitglieder.

Dass Alstätter und Ottensteiner sich einmal gemeinsam um die Pfarreifinanzen kümmern würden, damit hatte ganz am Anfang auch der Pfarrer selbst nicht gerechnet. „Als ich damals nach Alstätte gekommen bin, habe ich meinen Mund ganz weit aufgerissen und gesagt: Es gibt keine Fusion! Zwei Wochen später war es dann soweit und die ersten Gespräche in Borken liefen“, erinnert sich der Geistliche. Vor der Fusion hatte jeder der beiden Kirchenvorstände übrigens acht Mitglieder.

Zahlreiche Baustellen

Auf ihrer gemeinsamen Agenda gibt es zahlreiche Baustellen, um die sich gekümmert sein will. Der Erhalt der Friedhöfe steht ebenso auf der Liste wie die Heizkosten für die Kirchen und die Gehälter der Betreuer in den katholischen Kindergärten vor Ort, um nur einige wenige Punkte zu nennen. Neben einem Bauausschuss gibt es auch einen für Liegenschaften, für Friedhöfe und fürs Personal sowie für Jugend und – als einer der wichtigsten - den Rechnungsprüfungsausschuss.

Wichtig ist den Mitgliedern des Kirchenvorstands der faire, gemeinsame Austausch von Meinungen, der offenbar gut funktioniert. Auch wenn die Mehrzahl der Mitglieder aus Alstätte stammt, darauf legen alle großen Wert, kommt Ottenstein nicht zu kurz. Auch wenn dem Gremium klar ist, dass es mit den Gläubigenzahlen seit Jahren nicht mehr aufwärts geht.

Neue Modelle denkbar

Doch hat das eingespielte Team keine Bedenken, dass St. Mariä Himmelfahrt Alstätte und Ottenstein eines Tages erneut mit einer anderen Pfarrgemeinde fusionieren muss? „Der Bischof hat für seine Amtszeit eine weitere Fusion ausgeschlossen“, beruhigt Pfarrer Wiemeler.

Er schließt allerdings nicht aus, dass - sollte der Gläubigenschwund so weitergehen wie bisher - irgendwann ein Pfarrer zwei Kirchengemeinden leiten wird. Was in einigen Jahren sein wird, das weiß schließlich nur Gott allein.

Lesen Sie jetzt